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Niavaranis "Interview"-Gäste

Andi Knoll: "Unsterblich zu sein, stell' ich mir ziemlich anstrengend vor"

11.10.2010 - 10:25
Nach der Lektüre dieses "Interviews" werden Sie eine wohlige innere Ruhe verspüren, wenn Sie Andi Knolls Stimme das nächste Mal im Radio hören. Der Ö3-Mann hat die Ruhe weg.
© Hans Leitner / First Look / picturedesk.com

Michael Niavarani stellt Andi Knoll seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Andreas Knoll

MN: Wie geht es Ihnen?

Sehr gut. Danke.

MN: Wie spät ist es?

Gleich halb elf

MN: Wie ist das Wetter?

Seh ich nicht, es ist dunkel

MN: Wo sind Sie gerade?

An meinem Schreibtisch


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Moderator. Ist das ein Beruf?

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Das hat sich alles so ergeben. Ich habe noch nie auf etwas gezielt hingearbeitet.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Ist mir beides recht egal. Eher noch letzteres.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Wenn ich ausgesorgt hätte 100 Prozent.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ich wollte nie irgendwo hin. Insofern bin ich schon lang da ...

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Es soll mir nie schlechter gehen als jetzt. Ziele ... hm. Ein bissl weniger blöd sein vielleicht.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Glücklich, und nicht nur eher.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein. Dafür kann ich ja nur sehr bedingt was. Ich bin in eine Umgebung hineingeboren worden, in der es leicht war, glücklich zu werden.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Prinzipiell habe ich vor gar nichts Angst aber je älter ich werde, desto öfter denke ich mir: Ich würde gerne die Pausetaste drücken. Gesünder und jünger werden wir alle nicht. Waren sie schon immer so? Nein. Wie gesagt, ich werde offenbar älter ...

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Ich fürchte, vieles was ich sage, weist eher auf meine Nicht-Bildung hin aber trotzdem muss ich's meistens loswerden.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Natürlich! Wer will schon ein Streber sein. Wobei sich die Anzahl der Möglichkeiten, wo ich das überhaupt hätte tun können, ziemlich in Grenzen hielten.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Englisch. Den Rest habe ich offenbar vergessen.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

"Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss", Hauptrolle ... weiß ich nicht. Muss ich erst casten.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Weder noch. Unerfüllte Träume sind super, kann man ja noch träumen. Erfüllte sind erledigt, war ja offenbar was super.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Sterben selber stell ich mir recht problemlos vor. Die Gründe dafür sind manchmal recht unangenehm. Tot bin ich dann aber sicher recht gern. Möchte vor allem wissen, ob meine These vom "Nachher" stimmt.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich fürchte mich ganz selten und dann ist es sicher total gerechtfertigt, sonst würde ich mich ja nicht fürchten.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Ich nehm das viele Geld. Unsterblich zu sein, stell' ich mir ziemlich anstrengend vor. Wann geht man da in Pension? Und außerdem ist ja dann niemand mehr von den Menschen da, mit denen man im Altersheim koffern möchte.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ich nicht. Ich kauf' jeden Blödsinn, den mir die Werbung einredet.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich kann mir beides vorstellen. Wahrscheinlich ist das Leben eine Koproduktion. Aber Antwort habe ich für mich keine, für diese Frage. Ich stelle sie mir aber auch nie.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

So mit Sünden und Hölle und so? Nein. Ich glaube, dass unser Handeln noch hier auf der Erde (falls wir wirklich jemals woanders hingehen) Konsequenzen hat. Wie man in den Wald hinein ruft.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Weil die wissen, dass ihre Version der "Bedienungsanleitung fürs Leben" plausibler klingt als die der anderen Religionsfirmen und das wird sich irgendwann herum sprechen. Die sind da ganz entspannt.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Eine launige Frage zwischendurch um's ein wenig aufzulockern. Verstehe. Ja, würde ich wohl.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Also mein Zugang ist ja eher immer das Nachforschen. Auf diese Art und Weise habe ich im Alter von sieben Jahren die Stereoanlage meines Vaters komplett zerlegt und ruiniert.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Malediven war ich schon. Ist mir zu fad. Das würde die Sache eher verschlimmern, falls sie im Argen läge. Paartherapie klingt auch grausllich aber dann machen wir halt mal ...

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Meine Güte, was sind denn das für Fragen?! Man sollte immer die Chance sehen.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Also soo schlecht war's noch nie.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Ich fahr' das meiste mit dem Rad.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Schwer. Eigentlich unmöglich.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Eher nicht.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein. Kriege sind Oldschool.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Ich glaube, das Land wäre bereit. Allein es fehlt die Frau. Wirklich geeignete Männer übrigens auch ...

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Dazu müsste man jetzt Bevölkerungsentwicklungsprognosen kennen. Spätestens dann, wenn er eine Mehrheit hat.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Weil es in jeder Gesellschaft auch eine Mitte und einen linken Rand gibt. Ist wie bei der Wurst.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

Kurz nach elf.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Unangenehm keine, unnötig vielleicht.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Danke. Momentan keine. Ich geh mich jetzt berieseln lassen.

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