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Niavaranis "Interview"-Gäste

Gunkl: "Ich bin ja ein emotionaler Flatliner"

11.10.2010 - 10:26
Wer sonst kann uns erklären, dass das Wetter am besten einfach nur "draußen" ist? Einmal mehr ist bewiesen, warum Gunkl auch in "Dorfers Donnerstalk" der "Experte für eh alles" ist.
© Gabriela Brandenstein

Michael Niavarani stellt Günther "Gunkl" Paal seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Günther Paal, gegebenenfalls auch Gunkl.

MN: Wie geht es Ihnen?

Hinreichend.

MN: Wie spät ist es?

22:47

MN: Wie ist das Wetter?

Einigermaßen, also, jetzt nicht grad so, dass jetzt irgendwie was Besonderes muss oder soll, aber wenn sonst nix ist, Hauptsache es ist draußen, wo es hingehört.

MN: Wo sind Sie gerade?

Daheim, vorm Computer.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Kasperl.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Ich mach gern, was ich mach, gut. Glück, was ich hab, gefällt das den Leuten. Ich würde es aber nicht anders machen, wenn's niemandem gefällt. Dann schon eher gar nicht. (Klingt nicht wie "Karriereplanung")

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Erstens haben wir Kleinkünstler keine Konkurrenten, sondern nur Kollegen, weil da jeder so sehr sein Eigenes macht, dass man einander kein Wasser abgräbt, und wenn es in einer Stadt nur einen einzigen Kleinkünstler gäbe, dann wäre das Phänomen "Kleinkunst" nicht so stark im öffentlichen Bewusstsein etabliert, dass es auch keine Bühnen gäbe, auf denen er spielen könnte. Jeder, der damit Erfolg hat, trägt dazu bei, daß es Kleinkunst gibt; wurscht, wie gerechtfertigt dieser Erfolg auch ist. Das ärgert mich also nicht, weil es macht sowieso jeder seins. Und eine halbvolle Vorstellung, bei der niemand gelacht hat, aber ich weiß, dass ich mir und meinem Programm nichts schuldig geblieben bin, lässt mich völlig unbetrübt. Ich bin ein bissl ein Pragmatiker.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Ich schätze einmal, ab 10 % dauerhaft müsste ich mich schon extra motivieren.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ich wollte nie wirklich wohin, aber da, wo ich jetzt bin, mag ich es schon sehr.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Wenn's so bleibt wie's ist, ist es schon sehr gut. Mehr möchte ich weder verlangen nach anpeilen.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Ich bin ja ein emotionaler Flatliner. Glücklich bin ich in dem Sinn, wie es im Englischen mit "lucky" im Gegensatz zu "happy" beschrieben wird, weil mir ziemliches Glück widerfahren ist, aber mein Hirnstoffwechsel gibt keine besonderen Auslenkungen im Gefühlsaggregat her.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein, man sollte nur nicht zu goschert werden, wenn man nur Glück gehabt hat. Und wenn jemand in Reichweite grad kein Glück hat, dann sollte man dem das Glück zuteil werden lassen, dass man ihm hilft.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich weiß, daß nix ewig ist. Und solange es gut ist, freu ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten daran.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Nicht unbedingt, nur wenn es sachdienlich ist, mein Gegenüber von dem Umstand, dass irgendwas so ist, wie es ist, in Kenntnis zu setzen. Das Ziel dabei ist, dass der das dann auch weiß, und nicht, dass der weiß, dass ich das weiß, weil das bringt ja nix.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Vermutlich, aber ich erinnere mich nicht daran.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Lebensabschnitte haben ein Ende. Ein klares, definiertes Ende. Und das ist gut so.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Der Titel wäre eventuell "Soso" und der Darsteller des "Dewy" aus "Malcolm mittendrin" würde phänotypisch ganz gut passen.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Ab einem gewissen Alter sollte man unerfüllte Träume in die Asservatenkammer der eigenen Biographie hängen und dort als halt unerfüllt hängen lassen, ohne sich weiter drum zu kümmern. Und erfüllte Träume sind super, vorausgesetzt, es handelt sich dabei nicht um die zur Tat geschrumpfte Vorstellung von etwas, dessen Konsequenzen man nicht bedacht hat, sondern um einen vollinhaltlich erfüllten Traum. Ist aber, schätz ich, eher selten.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Der Vorgang des Sterbens ist möglicherweise körperlich schmerzhaft, das wäre bestimmt unangenehm, aber auch irgendwann vorbei, und tot ist tot. Da ist nix, wovor man Angst haben könnte, da ist gar nix, und am wenigsten man selber.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich bin einigermaßen angstfrei. Das, was ins Aug gehen kann, versuche ich bei allem vorher einzukalkulieren, und wenn das nicht passiert, isses gut und wenn's passiert, ist es nicht schlimmer, als ich es mir gedacht habe.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Ich wähle die Möglichkeit eins. Erstens kann ich sehr gut damit leben, sterblich zu sein, daran hab ich mich schon gewöhnt, da möchte ich mich jetzt, wo es aufs Schlußdrittel zugeht, nicht noch einmal umstellen müssen. Dann:700 Euro sind jetzt schon nicht wirklich viel Geld, aber in siebzig Jahren kriegt man darum sicher nicht einmal mehr ein Leberkässemmerl, und ein paar Milliarden Euro, also wenn ich sie krieg, dann krieg ich die jetzt. Da weiß ich, was ich hab. Unsterblich bin ich erst ... Ja wann? Ob das stimmt, was mir die gute Fee versprochen hat, weiß ich erst, wenn ich 120 bin. Und jetzt einmal ehrlich: Wer will den nicht enden wollenden Rest seines Lebens älter als 100 sein, und jedes Jahr älter werden. Das Angebot ist ja nicht ewige Jugend und Gesundheit, sondern, dass, wurscht wie marode, gichtig, blasenschwach und osteoporös man ist, man dem Sensenmichl immer noch von der Klinge rutscht. Und irgendwann ist niemand mehr da, den man jemals gekannt hat. Und das bleibt für immer so, nur schmirgelt einem dabei die Altersdemenz zunehmend die Gehirnwindungen blank. Das will man?

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

In einem gewissen Maß (und das ist schon nicht sehr großzügig portioniert) können wir tun, was wir wollen. Aber wir können nicht wollen, was wir wollen. Was wir denken, ist das, was unser Hirn macht. Und darauf haben wir wenig Zugriff. Und der Zugriff, den wir haben, ist auch nur der, den das Gehirn zuläßt.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Weder noch. Gott scheidet mangels Existenz aus, und das, was ich - wie jeder andere Mensch - an Lebensgestaltung auf die Hufe stelle, ist das Resultat von genetischer, epigenetischer und biographischer Ausstattung.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Gar nicht.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Das liegt vor allem daran, dass Buddhismus keine Religion ist. Hat Buddha selbst gesagt. Soweit ich weiß, ist das eher eine Sammlung von Ratschlägen - ernsthaften und sehr seriösen Ratschlägen - die eine gelungene, weil ausgeglichene Lebensführung zum Thema hat, und sich nicht auf einen Dämonen- und Gute-Geister-Katalog in Wolkenkuckucksheim stützt. Die befassen sich mit der Welt, die für alle beobachtbar ist, und da sollte man niemandem zu sehr auf den Nerv gehen. Und also konsequenterweise auch nicht missionieren. So richtig umrühren in der Welt wollen interessanterweise vor allem die, die das Zentrum ihres Glaubens weit außerhalb der Welt verorten. Denen ist unsere Welt auch in der Stunde der Wahrheit wurscht, weil die glauben ja, die eigentliche Welt, also das worum es wirklich geht, ist in Larifariland. Die Juden missionieren übrigens auch nicht; es ist sogar sehr schwer, Jude zu werden.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Würde ich nicht tun. In unserer Welt hat man für das einzustehen, was man getan hat. Ich hab aber auch keine Kinder, da kann ich leicht so goschert sein.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Nachforschen geht ohne Nachdenken nicht. Nur Nachdenken alleine bringt nicht unbedingt was; es gibt Unmengen von durchaus einander widersprechenden philosophischen Schulen und Denkstilen, die alle in Anspruch nehmen, wahr zu sein, und doch eben teilweise radikal Gegensätzliches behaupten. Aber der Katalog der Naturgesetze, den die Physik erarbeitet hat, ist dicht und konsistent. Da gibt es keine zweite Meinung. Die haben auch viel gedacht, weil auf die Relativitätstheorie kommt man nicht, wenn man nicht denkt, und die Heisenbergsche Unschärferelation ist auch nix, was rauskommt, wenn man halt grad irgendwas aufs Papier schreibt. Wenn die Philosophen der Wahrheit näher kommen wollen, dann müssen sie sich um die Befunde aus der erforschten Wirklichkeit kümmern und nicht nur mit Begriffen Schach spielen.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Ich halte beides für untauglich, aber mit meiner schwachen Pigmentierung würde ich den Paartherapeuten vorziehen.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Ich schätze, der Unterschied ist bei mir nicht größer als bei anderen auch, und das ist durchaus lebbar, zumal mit dem Alter die ewig selben Phantasien so fad werden, daß sie sich als uninteressant auflösen.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nein, wozu auch?

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Es gehört zum Glück, das ich mit mir habe, dass aufregender, gewagter Sex so interessant ist wie ein Regenbogen; schön, wenn's ist, halt selten, aber öfter muß es nicht sein.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Ganz leicht. Es wird eh nicht passieren, da brauch ich mir jetzt nicht extra was vorstellen.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Ganz bestimmt. Es ist mir jedenfalls noch nix Gegenteiliges passiert.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Natürlich nicht. Das sehen ja auch alle, die Kriege anzetteln, so; das sind immer Verteidigungskriege. Angefangen haben immer die anderen, und das, was man verteidigt, ist nie ein politisches Ziel, sondern einfach "Das Recht der Bevölkerung auf Leben". Da sorgt man dafür, dass tausende Menschen sterben, aber man ist um seinen Ruf besorgt. Seltsam.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

In den nächsten 30 Jahren sollten wir das hinbekommen.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Das wird vermutlich früher passieren.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Weil "Gegen anders" und "Gegen noch Schwächere" zu sein, das billigste Mittel ist, um eine Gruppe zu formieren. Und die Idioten sind in der Menschheit normalverteilt.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

00:58

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Keine.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Was mit dem Fragebogen jetzt passieren wird, möchte ich fragen, aber das werde ich, glaub' ich auch so irgendwann erfahren.

MN: Der steht einfach mal online.

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