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Niavaranis "Interview"-Gäste

Serge Falck: "Fühle mich manchmal wie ein ET hier"

11.10.2010 - 10:25
Der gebürtige Belgier ist nicht nur als Schauspieler (vom Theater bis zum "Medicopter) wandelbar. Vier Sprachen sprechend kann er's auch ur wienerisch: "Habt's a Problem?" - siehe unten...
© Schöndorfer / Schöndorfer Karl / picturedesk.com

Michael Niavarani stellt Serge Falck seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Serge Falck

MN: Wie geht es Ihnen?

Hoffnungsfroh beschissen.

MN: Wie spät ist es?

15 Uhr

MN: Wie ist das Wetter?

Frisch aber schön

MN: Wo sind Sie gerade?

Zuhause


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Schauspieler und Autor

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Keine Ahnung ... Das könnte kitschig klingen. Aber das erste kann man ja irgendwann schwer ausschließen.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Das kommt doch immer darauf an, wie es um einen selbst bestellt ist ... Wenn man im Erfolg schwimmt, kann man leicht großzügig sein. Mit vollen Hosen ... Aber wenn schon eher ersteres.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Sagen wir ... 44,5 %


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Das kann man immer erst rückblickend sagen. Aber, dass ich schon echt dort bin, wo ich mich sehen könnte ... das kann ich nicht behaupten.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Jede Menge Ziele. Mehr schreiben und eigene Produktionen machen. Und dann noch was anderes ...

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher unglücklich, hat aber sicher nicht nur mit dem Beruf zu tun. Fühle mich manchmal wie ein ET hier.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Nein, nicht. (Warum?) Das Glück hat sich bei mir noch nicht persönlich vorgestellt.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich habe keine Angst davor, mal etwas davon verlieren zu können. Das gehört dazu. Waren sie schon immer so? Denke schon. Schließe auch keine Versicherungen ab.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Immer weniger. Das Ego wird besänftigt, die Würde wird geschützt.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Nein. Es kam ja auch sehr selten vor, dass ich mal was wusste.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Was? Trotzdem gut zu schlafen. Auch wenn die großen Prüfungen drohten.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

Keine Ahnung ... Bin nicht so wichtig, dass man das verfilmen müsste.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Eher Zweiteres.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Vor beidem nicht wirklich Angst. Vielleicht ist es dann auch eine Erlösung.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich habe nur Angst vor seelischer Grausamkeit. Sonst vor kaum was. Beim Zahnarzt schlafe ich sogar ein.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Um Gottes Willen: Bitte sterblich bleiben. Und das für kein Geld. Muss ja furchtbar sein, ewig zu leben. Habt's a Problem?

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ja. Indem ich jede Woche keinen Lottoschein kaufe.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich denke dem da oben ist es so was von egal, was ich da ja oder nein treibe.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Nein ... Und darüber hinaus: Habe ein ziemlich reines Gewissen.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Die europäischen Buddhisten missionieren sehr wohl ... aber sonst? Keine Ahnung ... Die sind so was von in ihrer Mitte ... was kümmern wir die?

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Nein, würde ich nicht machen. Ich denke nicht, dass dem Kind damit geholfen ist. Lügen ist zu anstrengend, man muss sich zu viel merken.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Weder noch. Wir werden es nie wissen. Dass einzige was ich wirklich weiß, ist dass ich zweifle. © Descartes


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Kommt auf den Grad der Krise an. Wenn die Tassen schon fliegen, eher eine Therapie ... und dann einen Urlaub um jemanden neuen kennen zu lernen.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Derzeit ist es groß. Ich bin Single. Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern? Sonst in einer Beziehung ... kein Unterschied ... sonst wäre es ja wohl kaum eine Beziehung.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Nein, wieso ... kann man als Mann Sex haben und zugleich weinen ... das schau ich mir an.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Ja, das würde ich. Was brauche ich den Kübel, wenn ich dafür die Erfüllung haben kann. Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal? Frage beantwortet.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Sehr leicht. Ich sehe nicht in jeder Frau eine potentielle sexuelle Partnerin. Das spüren die Frauen und plötzlich empfinden sie sich dann als potentiell ... ;-) aber das ist trotzdem nie das Kalkül.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Kommt auf ihre emotionale Intelligenz an ...


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Wenn es sein muss. Leider. Die Geschichte hat es in WW2 gezeigt.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Mir so etwas von Blunzen.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Der Nachnahme ist mir auch Blunzen.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Der Rand reicht manchmal schon bis zur Tellermitte ... und es gibt ja auch jede Menge Leute, die intellektuell überschaubar sind.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

Punkt 15 Uhr 58

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Die mit dem Krieg und die mit: Wenn ihr Leben verfilmt würde ...

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Hast du Angst vor dem Sterben? Bitte um Antwort.

MN: Natürlich habe ich Angst vor dem Sterben. Sie wird allerdings immer kleiner, weil ich denke, dass wir die Ewigkeit irgendwie in uns tragen. Ein Trost ist mir da die Quantenphysik. Wenn die kleinsten Teilchen die irrsinnigsten Dinge aufführen können, dann können wir vielleicht auch den Tod überwinden. Eigentlich bin ich mir da sehr sicher.

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