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Niavaranis "Interview"-Gäste

Stefan Slupetzky: "Nicht mit den Augen beim Sex geweint"

04.01.2012 - 16:51
Trio Lepschi I: Komponist, Sänger, Text- und Buchautor Stefan Slupetzky.
© Extraplatte

Michael Niavarani stellt Stefan Slupetzky seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Stefan Slupetzky

MN: Wie geht es Ihnen?

Schlecht

MN: Wie spät ist es?

13:46

MN: Wie ist das Wetter?

Gut

MN: Wo sind Sie gerade?

Zuhause


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Schriftsteller und Musiker

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Eine ungezielte Karriere hat dazu geführt, dass die Arbeit mich liebt.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Ad 1: Soll ich mich auch noch darüber ärgern? Ad 2: Misserfolg ärgert nicht, der grämt allenfalls.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

Jenen Teil, dessen Erlös ich bisher dem Finanzamt und der Sozialversicherung abgeliefert habe.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Ja. Ich bin Zuhause.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Alles unterliegt der Schwerkraft, ganz besonders der Felsblock des Sisyphos. Ich will ihn jedes Mal wieder nach oben rollen.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Das größte Glück des Wieners ist die Verdrossenheit.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Ich kann ja nichts dafür, dass ich Wiener bin.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Mit Skepsis betrachtet der Kopf das tanzende Herz. Aber es tanzt trotzdem weiter.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Ich bin zwar unglaublich gebildet, kann aber selten damit punkten: Mein Gedächtnis ist entsetzlich schlecht.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Ja.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Nicht aufzuzeigen, auch wenn man die Antwort weiß.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

„Hang on, Slupi“ mit Johannes Heesters.

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Ich mag Träume grundsätzlich sehr. Am traurigsten ist es wohl, keine zu haben.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Angst ist das falsche Wort. Die Vorstellung, den Felsblock endgültig auf den Berggipfel zu wuchten, erfüllt mich mit banger Erregung.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Wenn man Gesundheitskommissaren, Sicherheitsexperten, Pharmakonzernen, Innenministern, Ernährungsberatern, Rechtsaußenpolitikern, Ratingagenturen etc. Glauben schenken darf, fürchte ich mich noch immer viel zu wenig.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Meine Sterblichkeit lasse ich mir sicher nicht nehmen. Also von mir aus lieber gar kein Geld und sterblich bleiben. Ich leide seit einiger Zeit unter seniler Bettflucht und empfinde die Vorstellung, nie wieder einschlafen zu dürfen, als Hölle auf Erden.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Nein, besitzt er nicht: Ich beantworte diesen Fragebogen.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Beides ist ein und dasselbe, bei uns allen.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Schön wär’s. Dann müsste das nämlich auch jenes Gesindel tun, das sich hier auf Erden hinter Unschuldsvermutungen verschanzt.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Siehe Antwort Philosophie/Frage 3. (Beides ist ein und dasselbe, bei uns allen.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Ich würde es Ihnen nicht verraten.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Durch Nichtstun.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Um Ihr gebrochenes Bein zu heilen, würden Sie eher zum Arzt gehen oder einen Schiurlaub buchen?

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Ich bin mit beiden sehr zufrieden und will weder das eine noch das andere missen.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Lustige Frage. Jedenfalls nicht mit den Augen.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

In dieser Hinsicht bin ich wirklich ein Glückskind: Einerseits genieße ich das Zusammensein mit meiner Frau, andererseits leiste ich mir den Luxus eines autofreien Daseins. Und es IST ein Luxus, sich nicht um so einen Blechhaufen kümmern zu müssen.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Im Gegensatz zu früher sehr leicht.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Keine Ahnung. Aber ich frage mich manchmal, ob ich selbst Gegenstand einschlägiger Phantasien bin.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein. Aber er ist leider ein probates Mittel, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Weiß ich nicht. Wird aber auch keinen großen Unterschied machen.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Weiß ich nicht. Wird aber auch keinen großen Unterschied machen.

MN: Wie erklären sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Irgendwo muss ja der Rand vor dem Abgrund sein.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

13:47 (aber schon am nächsten Tag)

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Welche Frage war Ihnen unangenehm?

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Woran denken Sie, wenn Sie mit mir sprechen?

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