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Niavaranis "Interview"-Gäste

Ingrid Thurnher: "Fürchten? Vor Dingen selten, vor Menschen schon öfter"

30.06.2011 - 10:58
Eine Genießerin und unbestechliche Optimistin: Die ORF-Journalistin Ingrid Thurnher antwortet auf Fragen zu den Themen Lebensziele, Träume und moralische Zwickmühlen.
© Ali Schafler/First Look/picturedesk.com

Michael Niavarani stellt Ingrid Thurnher seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Ingrid Thurnher

MN: Wie geht es Ihnen?

Ganz gut

MN: Wie spät ist es?

16.35

MN: Wie ist das Wetter?

Sonnig und heiß, also prächtig

MN: Wo sind Sie gerade?

Im Büro.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Journalistin

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Zweiteres

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Ersteres. Dagegen kann ich nichts tun. Wegen eines ungerechtfertigten eigenen Misserfolges muss ich mich wenigstens nicht über mich selbst ärgern.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

90 %, aber nur, wenn ich ausreichende finanzielle Reserven hätte.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Der Weg ist das Ziel, also ja und nein.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ja, im Sinne des oben gesagten: einen Weg mit möglichst vielen unerwarteten Wendungen.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Eher glücklich.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Ja, wenn es anderen nicht so gut geht wie mir.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Bin eher der Genießertyp.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Nur dann, wenn es für andere interessant und von Belang sein könnte.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Kann mich nicht erinnern, will es aber nicht ausschließen.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Lesen, Schreiben, Rechnen.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

"Die unbestechliche Optimistin" mit Meryl Streep

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Träume machen mich nicht traurig, das sind doch nur Träume.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Vor dem Sterben natürlich. Tot sein stell ich mir wie schlafen vor, nur länger.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Vor Dingen fürchte ich mich selten bis nie. Vor Menschen schon öfter.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Für 1). Erstens weil ich Unsterblichkeit dann doch wieder ziemlich lang finde, und zweitens, weil man mit vielen Milliarden Euro viel Konstruktives tun könnte.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Ja, der Mensch besitzt einen freien Willen – manchmal auch den freien Willen, ihn aufzugeben und in die Hände anderer zu legen.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Do it yourself. Wenn es eine höhere Macht gibt, meint sie sicher nicht gerade mich persönlich.

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Nein. Es ist völlig ausreichend, sich für sein Handeln auf Erden vor sich selbst und vor anderen verantworten zu müssen.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Vielleicht, weil der Buddhismus seine Legitimation nicht an eine anonyme höhere Macht abtritt.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Keine Ahnung. Ich habe keine Kinder. Ein echtes moralisches Dilemma jedenfalls.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Eines nach dem anderen, in der erwähnten Reihenfolge am besten.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Darf es auch was anderes als die Malediven sein?

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Bei Schlafzimmergeheimnissen bin ich sehr schweigsam.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Siehe oben.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Siehe oben.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Sehr leicht.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Ja.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Nein.

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Frühestens in 10 Jahren.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Vielleicht, wenn die Türkei doch eines Tages der EU beitritt, also noch ziemlich lange nicht.

MN: Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Alles hat einen Rand. Einen rechten, einen linken, einen oberen, einen unteren.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

16.55 Uhr

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Die nach dem Wetter.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Wie spät ist es jetzt?

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