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Niavaranis "Interview"-Gäste

Elfriede Hammerl: "Ich wäre gern öfter unbekümmert"

18.05.2011 - 11:29
Die vielseitig engagierte und angesehene Autorin über das Leben, den Glauben und die Politik.

Michael Niavarani stellt Elfriede Hammerl seine relevanten Fragen.


Allgemein

Michael Niavarani: Wie heißen Sie?

Elfriede Hammerl.

MN: Wie geht es Ihnen?

Gut.

MN: Wie spät ist es?

Noch nicht zu spät.

MN: Wie ist das Wetter?

Endlich sommerlich.

MN: Wo sind Sie gerade?

An meinem Schreibtisch.


Beruf

MN: Was sind Sie von Beruf?

Autorin.

MN: Haben Sie an Ihrer Karriere gezielt gearbeitet, oder hat die Liebe für Ihre Arbeit zu Ihrer Karriere geführt?

Ich schreibe seit meiner Kindheit und hatte das Glück, daraus einen Beruf machen zu können.

MN: Der ungerechtfertigte Erfolg eines Konkurrenten oder der eigene ungerechtfertigte Misserfolg - was ärgert Sie mehr und warum?

Hm. Kommt darauf an, wer der Konkurrent oder die Konkurrentin ist. Wenn ich ihn oder sie leiden kann, gönn' ich ihm/ihr den Erfolg halt. Ansonsten: gnadenlose Empörung. Eigene Mißerfolge stecke ich weg, indem ich ans nächste Projekt glaube.

MN: Wie viel Prozent Ihres Jobs würden Sie auch gerne ausüben, wenn Sie dafür kein Geld bekämen?

85 Prozent. Und mit den restlichen fünfzehn Prozent möchte ich ordentlich verdienen.


Leben

MN: Sind Sie dort, wo Sie immer hinwollten?

Wenn der Weg das Ziel ist.

MN: Haben Sie noch ein großes Ziel (welches?), oder reicht Ihnen Ihr momentaner Status?

Ich möchte noch vieles, zum Beispiel, dass meine Theatertexte endlich auf gute Bühnen finden.

MN: Sind Sie eher glücklich oder eher unglücklich?

Euphorisch und melancholisch.

MN: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie müssten sich für Ihr Glück rechtfertigen? (Warum?)

Rechtfertigen würde bedeuten, dass ich mein Glück als verdient darstelle. Tu ich aber nicht. Ich hab öfters das Gefühl, dankbar sein zu sollen.

MN: Wenn alles gerade gut läuft in Ihrem Leben, haben sie dann Angst, dass Sie etwas davon verlieren könnten, oder genießen Sie Ihr Glück, egal, was danach kommen mag? Waren Sie schon immer so?

Ich habe vorsichtshalber immer ein bisschen Angst. Trotzdem genieße ich. Und, ja, das war schon immer so.

MN: Wenn Sie etwas wissen, was wenige Menschen wissen und was auf Ihre Bildung hinweist, müssen Sie das dann den Menschen unbedingt mitteilen?

Unbedingt nicht.

MN: Haben Sie jemals in der Schule nicht aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort wussten?

Sagen wir so: Ich war weder Leistungsverweigerin noch blindwütige Streberin.

MN: Haben Sie in der Schule irgendetwas für Ihr Leben gelernt? Was?

Ich weiß, das klingt jetzt nicht superlässig, aber ich finde, die Schule hat mir ein ganz brauchbares Bildungsgerüst mitgegeben.

MN: Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle?

"Abschied von gestern"; Catherine Deneuve (wenn schon, denn schon).

MN: Was macht Sie trauriger? Träume, die noch immer unerfüllt sind, oder Träume, die vor langer Zeit schon in Erfüllung gegangen sind?

Ich brauche Träume, die noch unerfüllt sind.

MN: Wovor haben Sie mehr Angst: Vor dem Vorgang des Sterbens oder vor der Tatsache, dass sie danach tot sind? Warum?

Vor dem Sterben, das heißt davor, vom Vertrauten getrennt und ins Ungewisse gestoßen zu werden. Danach weiß ich entweder gar nichts mehr - oder mehr.

MN: Fürchten Sie sich manchmal vor Dingen mehr als notwendig? Hätten Sie gerne ihre Ängste mehr unter Kontrolle?

Ich bin kein pathologischer Fall. Aber ich wäre gern öfter unbekümmert.


Philosophie

MN: Aus irgendeinem Grund (die gute Fee) müssen Sie sich zwischen diesen beiden Lebensweisen entscheiden: 1) Sie werden steinreich (mehrere Milliarden Euro) und bleiben sterblich. 2) Sie müssen mit 700 Euro im Monat auskommen und werden unsterblich. Wie entscheiden Sie sich und warum?

Unsterblich zu sein, wenn alle anderen es nicht sind, wäre eine endlose Geschichte von Verlusten. Also: lieber reich und sterblich.

MN: Besitzt der Mensch einen freien Willen? Was führen Sie als Beweis an?

Grundsätzlich ja, wenngleich gesellschaftliche Rahmenbedingungen seine Entscheidungen beeinflussen. Aber jede Entscheidung könnte immer auch (etwas) anders ausfallen.

MN: Glauben Sie, dass Gott, oder eine andere Instanz, Sie lenkt, oder dass Sie Ihr Schicksal selbst gestalten?

Ich sehe mich nicht als Marionette eines Gottes. Allerdings hoffe ich, dass hinter der Welt sowas wie ein höherer Sinn steht (was ich keineswegs in der Bedeutung des intelligent design der Kreationisten meine).

MN: Haben Sie manchmal davor Angst, dass Sie sich für Ihr Handeln auf Erden irgendwann an einem anderen Ort verantworten müssen?

Erstens denke ich, dass ich mich für mein Handeln breits auf Erden verantworten muss bzw. verantworten können sollte. Und, ja, die kindliche Vorstellung vom Sich-Rechtfertigen-Müssen nach dem Erdenleben hat mich nie ganz verlassen.

MN: Ich selbst bin sehr davon beeindruckt, dass der Buddhismus als einzige Weltreligion nicht missioniert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Ich bin keine Buddhismus-Kennerin, aber so viel ich weiß, hat er keine Heilslehre – im Sinn von: Errettung vor ewiger Verdammnis durch den wahren Glauben – anzubieten, also muss er auch nicht bekehren.

MN: Ihr Kind hat einen Mord begangen. Sie haben die Möglichkeit, alle Indizien verschwinden zu lassen. Würden sie das tun?

Ich fürchte: ja. Allerdings um den Preis meines Seelenfriedens.

MN: Wie kommen wir der Wahrheit näher? Durch Nachdenken oder durch Nachforschen?

Beides ist nötig; und das Wissen, dass Wahrheit schwer zu definieren ist.


Partnerschaft

MN: Um Ihre Beziehung zu retten, würden Sie eher eine Paartherapie oder einen Romantikurlaub auf den Malediven buchen?

Romantikuraub stell ich mir krisenverschärfend vor. Also lieber Therapiesitzungen. Damit der Kerl vom Fachmann/von der Fachfrau hört, was er alles falsch macht.

MN: Wie groß ist der Unterschied zwischen Ihrem realen Sexualleben und Ihren sexuellen Fantasien? Sehen Sie eine Chance, diesen Abstand zu verkleinern?

Ich möchte weder meine Fantasien noch mein Liebesleben zerreden.

MN: Haben Sie schon einmal während des Sex geweint?

Ich würde keinem meiner Sexpartner jemals was Schlechtes nachsagen. Also: nein.

MN: Wenn Sie die Gewissheit hätten, mit einer bestimmten Person immer guten, aufregenden, gewagten Sex haben zu können – würden sie dafür auf Ihren Führerschein verzichten und stattdessen immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wenn nicht – was wäre ein fairer Deal?

Kompensiert uneingeschränkter Sex eingeschränkte Mobilität? Ich habe meine Zweifel.

MN: Wie leicht fällt es Ihnen, mit einer attraktiven Frau/mit einem attraktiven Mann zu sprechen und sich dabei nicht vorzustellen, wie es mit ihr/ihm im Bett wäre?

Leicht. Ich kann auch an was anderes denken.

MN: Glauben Sie, ist sich Ihr Gesprächspartner dessen bewusst?

Keine Ahnung. Vielleicht kann er auch an was anderes denken.


Politik

MN: Halten Sie den Krieg für ein legitimes Mittel, um politische Ziele zu erreichen?

Angriffskrieg nein, Verteidigungskriege sind offenbar nicht immer vermeidbar. Wobei sich die Frage stellt, was gewaltsam verteidigt werden darf. Das eigene Territorium? Die Demokratie? Die Menschenrechte?

MN: In wie vielen Jahren wird es die erste österreichische Bundeskanzlerin geben?

Dann, wenn Männer dieses Amt nicht mehr attraktiv finden.

MN: In wie vielen Jahren wird es den ersten österreichischen Bundeskanzler geben, der einen türkischen Nachnamen trägt?

Noch lange nicht, aber vor der ersten Kanzlerin.

MN: Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass es in jeder Gesellschaft einen rechten Rand gibt?

Mit dumpfer Blödheit.


Zum Abschluss

MN: Wie spät ist es jetzt?

Früh genug.

MN: Welche Frage war Ihnen unangenehm?

Jede.

MN: Welche Frage möchten Sie mir stellen?

Wieviele Ihrer InterviewpartnerInnen mögen Sie noch, nachdem Sie die Antworten gelesen haben?

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