Quelle: ZAMG

Experten suchen die richtige Streusalz-Dosierung

24.05.2012 - 11:54
Streusalzspuren sollten rasch beseitigt werden© APA (dpa)Streusalzspuren sollten rasch beseitigt werden

Seit Beginn der modernen Schneeräumung werden Auftausalze verwendet, um das Straßennetz möglichst schnee- und eisfrei zu halten. Bei zweistelligen Minusgraden reichen klassische Kochsalzlösungen allerdings nicht mehr aus - es muss Kalziumchlorid zugefügt werden. Doch genau dieses Kalziumchlorid erhöht die Korrosionsanfälligkeit von Fahrzeugen.

Heimische Verkehrsexperten haben die Problematik am Mittwoch im Rahmen einer Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen in Wien diskutiert. "Aus unserer Sicht verursacht der Einsatz dieser aggressiv wirkenden Streumittel einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden. Die steigenden Gewährleistungskosten für die Instandsetzung dieser Schäden müssen in die Fahrzeugpreise eingerechnet werden. Nach Ende der Gewährleistungs- und Garantiefristen müssen die Endverbraucher diese Kosten selbst tragen. Die in Österreich im Vergleich zu anderen topographisch ähnlichen Ländern streng gehaltene Wegehalterhaftung darf nicht zum Schaden der Autofahrer führen", kritisierte Christian Pesau vom Arbeitskreis der Automobilimporteure.

Josef Fiala von der Asfinag hingegen betonte, dass der Einsatz von aggressivem Kalziumchlorid schon aus wirtschaftlichen Gründen so weit wie möglich vermieden werde: "Mit modernsten Technologien optimieren wir permanent die Streumengen. Trotz dieser Verbesserungen darf die Verfügbarkeit und die Verkehrssicherheit auch im Winterdienst für die Autofahrer nicht gefährdet sein."

ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer zeigte auf, dass ein allzu großzügiges Sparen beim Winterdienst sehr leicht zu Haftungsverpflichtungen des Straßenerhalters führen könne. "Die von Politikern des öfteren propagierte 'Nullstreuung' ist daher nicht mehr als ein Kopf-in-den-Sand-Stecken vor möglichen rechtlichen Nachteilen".

Alternativen zu Kalziumchlorid scheinen derzeit wenig befriedigend: Splitt werde laut Verkehrsexperten immer weniger als brauchbare Alternative angesehen (Stichwort: Feinstaub) und ist auf Autobahnen nicht erlaubt. Versuche mit Zuckermelasse lassen derzeit einen wirtschaftlich vertretbaren Einsatz nicht zu. Mario Rohracher, Generalsekretär der GSV, fordert daher: "Oberstes Gebot beim Winterdienst bleibt die Verkehrssicherheit. Dennoch muss weiterhin an der Optimierung des Streumitteleinsatzes gearbeitet und die Entwicklung umweltverträglicher Streumittel vorangetrieben werden. Damit können auch Korrosionswirkungen an Fahrzeugen eingedämmt werden."

(APA)

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