Quelle: ZAMG

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relevant Sprechstunde - Dr. Petra Fabritz

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Dr. Petra Fabritz

Stress als Ursache für Übergewicht

23.03.2011
Unter Druck essen viele Menschen mehr - aber vor allem: das Falsche.

Die Internistin und Spezialistin für Ernährungs- und Präventionsmedizin Dr. Petra Fabritz greift in ihrer Sprechstunde medizinische Themen rund um die wichtigsten Gesundheitsfragen der Gegenwart auf und stellt Lösungs- bzw. Präventionsstrategien vor.

Dr. Petra Fabritz betreibt eine eigene Privat-Ordination mit den Schwerpunkten Gewichtsmanagement, Stressmanagement und Ernährungsmedizin. Zielsetzung ihrer medizinischen Tätigkeit ist es, über frühzeitige und gezielte Intervention Folgebeschwerden und Krankheiten zu verhindern.


Es gibt zwei Gründe, warum man bei permanenter chronischer Stressbelastung zu Übergewicht neigt.


Heißhunger - Schlemmen - Übergewicht

Einerseits liegt es an unserem Verhalten: Viele Menschen meinen, sie essen ja den ganzen Tag nichts und müssen daher spätabends ihren Kühlschrank plündern. Dabei kann der Körper die reichlich zugeführte Energie am Abend weder benötigen noch verbrennen - vor dem Schlafengehen bzw. während dem Schlafen geht das natürlich nicht mehr. Wir setzen die Kalorien also wieder einmal - unnötig - in Form von Fett an.

Leider ist es auch so, dass wir nur glauben, den ganzen Tag nichts gegessen zu haben. Sehr oft haben wir nur nichts Warmes gegessen, aber die "Graserei" - von vor allem Süßen zwischendurch - wird oft übersehen: ob in Besprechungen, beim Kaffee mit Kollegen; nicht zu vergessen die Snack-Depots in der Schreibtischlade. Irgendwo findet sich immer eine Notreserve, um den Tag zu überstehen. So rasch der Blutzuckerspiegel ansteigt, so rasch fällt er auch wieder. Die Folge: Heißhunger, der uns dazu treibt, kohlehydrathaltig zu essen, um uns bei der Arbeit konzentrieren zu können.

Schon eine reguläre Mittagsmahlzeit (weder fett noch süß, versteht sich) würde Abhilfe schaffen: Ballaststoffe (z.B. Vollkornprodukte, Salate und Gemüse) bzw. gekochtes oder gebratenes Eiweiß (Fisch oder Fleisch) führen zu einem langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels, der dafür nicht so schnell wieder abfällt. Die Folge hier: Durch diese Mahlzeiten bleiben Sie länger satt und können sich auch besser konzentrieren; auch würde die abendliche Hungerattacke vor dem Kühlschrank wegfallen!


Hormone - Stress - Übergewicht

Eine weitere Ursache für Übergewicht: unsere Hormone. Hauptverantwortlich sind sowohl der hohe Anteil von Cortisol (der bei chronischer Stressbelastung gebildet wird) als auch der erhöhte Verbrauch von DHEA (Dehydroepiandrosteron). Natürlich gibt es auch Menschen, die trotz hoher Belastung schlank bleiben: Sie haben vermutlich einen hohen Anteil von DHEA im Blut; dieses Hormon wirkt fettreduzierend, indem es die Bildung von Fett verhindert. Leider wird mit zunehmenden Alter auch weniger DHEA gebildet, und der Körper baut langsamer Fett ab bzw. kann die Ablagerung von Fett schwerer verhindern.

Cortisol bewirkt die Erhöhung des Blutzuckerspiegels aufgrund des gespeicherten Depots in der Leber (Gluconeogenese); weiters kann es dafür sorgen, dass Proteine (Eiweiß) abgebaut werden. So bleibt gewährleistet, dass der Körper auch im Stress Energie zur Verfügung hat. Dieser Mechanismus wird vor allem im Disstress (wenn wir negativ be- bzw.- überlastet sind) in Gang gesetzt.

In einer Studie konnte belegt werden, dass großer Stress den Cortisolspiegel von adipösen Patientinnen ansteigen lässt; Fressattacken können dadurch ausgelöst wurden, die schließlich die charakteristische Stammfettsucht erzeugen. Krankheiten wie das metabolische Sydrom oder Diabetes mellitus können die Folge sein.


Mein Tipp für Sie

Stress - vor allem chronischer - verursacht einen hohen Cortisolspiegel im Blut. Glucose wird aus der Leber abgerufen, und der Insulinspiegel steigt. Zusätzlich verursacht hoher Stress ein Bedürfnis nach Süßem (Energie muss zur schnellen Fluchtreaktion bereitgestellt werden). So haben Sie die besten Vorraussetzungen, zuzunehmen.

Keine Frage: Stress ist ein enormes Problem unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Es geht permanent darum, mehr in immer kürzerer Zeit zu leisten; und der Arbeitsdruck steigt immer weiter.

Um zu entspannen, helfen bereits ein paar einfache Tricks, z.B. die richtige Atemtechnik. Nehmen Sie sich in einer akuten Stresssituation bewusst zurück. Setzen Sie sich hin und schließen Sie die Augen. Atmen Sie ganz tief ein, halten Sie kurz still und atmen Sie dann ganz tief aus (Schultern dabei hängen lassen). Wiederholen Sie die Übung 2 - 3 Minuten lang. Ihr Körper wird jetzt mit Sauerstoff geflutet, der Blutzuckerwert dadurch reguliert.

Wollen Sie über Ihre Stressbelastung und Regenerationsfähigkeit genauer Bescheid wissen, gibt es die Möglichkeit, über eine spezielle EKG-Messung (Herzratenvariabiliätsmessung) Ihre Stressbelastung zu messen.

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