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Konsum schlägt Krieg

03.04.2013
Kim Jong Un will Stärke demonstrieren, bevor sich Nordkorea öffnen wird.

Säbelrasseln? Spiel mit dem Feuer? Nukleare Gefahr?

Kim Jong Un gibt sich alle Mühe, Wirbel zu machen. Und die Weltöffentlichkeit spielt – etwas routiniert, aber doch – mit. Es ist ja auch grundsätzlich nichts Lustiges, wenn ein Diktator über Atomwaffen, nicht aber über Schamgefühl bei seiner plumpen Propaganda verfügt.

Mit Photoshop wird etwas patschert die Kriegsschiffflotte vervielfacht, die TV-Nachrichten werden als martialische Verlautbarung ins Mikro gebrüllt, dem Gegner ein Untergang im Flammenmeer prophezeit. Nordkorea ist anders, immer schon.

 Die Drohgebärden gegen Südkorea, gegen die USA, gegen wen auch immer haben eine lange Tradition. Es gibt auch nicht mehr viele Länder, wo Telekommunikation, Medien, Internet dermaßen unter Kontrolle sind, dass ein Herrscher erzählen kann, seine Soldaten stünden bereits vor dem Weißen Haus – und niemand kann es widerlegen. Das Kriegsgeschrei kann daher nach Innen glaubwürdig sowie Identität stiftend sein und eine starke Führung signalisieren. – Was einem erst 29-jährigen und im Despotenbusiness recht unerfahrenen Kim Jong Un zupass kommt.

Nach Innen. Aber nach Außen? Nicht einmal China ist noch offiziell im Team Nordkorea. Die UNO-Sanktionen gegen Pjöngjang wurden von Peking mitgetragen. Auch auf die atomaren Muskelspiele hat das Reich der Mitte äußerst grantig reagiert.

 Nordkorea ist alleine, weit und breit. Würde das kleine Land tatsächlich militärisch wohin schlagen, wäre das Selbstmord mit Anlauf. Auch – und vor allem – für den Diktator und die militärische Führung.

 Meine Theorie: Kim Jong Un ist sich dessen absolut bewusst. Er sieht nämlich CNN & Co.. Und eigentlich will er gar nicht wie Gaddafi oder Bin Laden tot im Dreck enden, sondern lieber wie seine südkoreanischen Nachbarn im "Gangnam Style" in Luxus, Champagner und (westlichem) Designer-Lifestyle baden. Daran führt sowieso kein Weg vorbei, denn fast die ganze Welt und sogar China machen immer mehr in Konsum, nicht in Krieg.

 Nordkorea wird sich öffnen. Aber davor wird noch mächtig auf den Säbelrassel-Putz gehauen. Damit ja niemand dann auf die Idee kommen könnte, Kim Jong Un habe aus Schwäche sein Flammenschwert nicht ausgepackt.

 

Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

 

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