Warum wird auf Atomenergie gesetzt, wo doch eine Reihe alternativer Möglichkeiten zur Energiegewinnung längst vorhanden ist? Warum haben Länder wie Japan oder Frankreich so viele AKWs, wo sich doch ihre Küsten für die Nutzung der Gezeiten, der Dünung oder der Windkraft eignen? Und warum nicht mehr Solarenergie?
Die etwas aus der Mode gekommene Debatte über die Nutzung der Atomenergie hat nach den Ereignissen in Japan wieder Fahrt aufgenommen. Dabei ist ein Störfall nicht einmal der richtige Anlass.
Denn: Auch bei Normalbetrieb rauben AKWs dem Menschen und der Natur Lebensraum. Sie produzieren nämlich Abfall, für den es auf dieser Welt weder geeignete Komposthaufen, noch das Know-how zur Entsorgung gibt. Sprich: Was ein AKW ausscheidet, wird unter einen Teppich gekehrt, den man am besten nie wieder betritt.
Gebrauchte Brennelemente kommen stark strahlend für einige Monate oder Jahre in ein Abklingbecken des Kernkraftwerks. Dann räumt man sie in ein Zwischenlager, wo die Radioaktivität weiter nachlässt. Das ist zwar ein heikler Prozess, weil das hochtoxische Material von allem ferngehalten werden muss, dafür geht es ruck-zuck und dauert gerade mal einige Jahrzehnte. In der Endlagerung wird dann aus dem Abfall endgültig quasi Zuckerwatte. Nach vernachlässigbaren einigen tausend bis einigen hunderttausend Jahren sackt die Strahlung auf ein harmloses Niveau ab.
Theoretisch. Die Pointe nämlich: Es gibt weltweit kein Endlager.
Was es hingegen sehr wohl gibt, ist Wiederaufbereitung. Etwa im französischen La Hague werden kümmerliche 1-10 % Prozent des Brennmaterials recycled; der Preis ist ein Schnäppchen: 500 Millionen Liter radioaktiv kontaminiertes Abwasser sowie radioaktiv kontaminierte Abluft für Europa.
Was spricht also für die Kernkraft?
Wenn man die Miete für Erdlöcher für einige hunderttausend Jahre ausklammert, wenn man davon ausgeht, dass grundsätzlich kein Störfall eintritt, und wenn man auch die Rätsel, die man den nächsten Generationen aufgibt, nicht bewertet, dann – dann ist Kernenergie billig. Und damit für die Betreiber noch lukrativer als alternative Methoden. Ein dünnes Argument.
PS: Die kursiven Angaben stammen aus Wikipedia. Die IAEA (Internationale Atomenergie-Organisation) konnte sich zu meiner Anfrage, die Daten zu konkretisieren, nicht äußern; die Experten seien derzeit zu sehr mit Japan beschäftigt.
Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

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