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provokant - die Einserkolumne

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- provokant

Je tiefer, desto Pferd

22.02.2013
Wenigstens zwingt die illegale Verwurstung zum Blick auf eine Branche.

Wo Rind draufsteht, ist Pferd drinnen. Die Reaktionen sind genauso laut wie vorhersehbar: Strengere Kontrollen! Nahrungsmittelpass! Regionalere Versorgung! Überregionalere Regulative! Neue Gütesiegel! Alte Gütesiegel einhalten! …

Alle schauen erwartungsvoll nach oben und hoffen, dass ein Rat der Weisen auf zumindest Regierungs-, wenn nicht EU-Parlaments-Ebene die frohe Botschaft verbreitet: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Eine Gütesiegel-Gesetz-Pass-Stempel-EU-Richtlinie kann – nein, WIRD es richten. Und alle können wieder beruhigt gedankenverloren ihre Einkaufswagen zuschlichten.

Da gibt es nur ein Problem: Gesetze gibt es bereits, und die wurden gebrochen bei der Pferdefleischpanscherei. Kennzeichnung schützt vor Betrug nicht. Aber die illegal verwursteten Tiere haben wenigstens nicht ganz umsonst ihr Leben gelassen, denn sie boten einen unappetitlichen Anlass, sich die noch unappetitlicheren Usancen der Lebensmittelindustrie genauer anzusehen.

 

Verarschen geht, Betrug nicht

Einmal mehr wurde dabei klar, dass die bestehenden Kennzeichnungen nur wenig vom gewerbsmäßigen Betrug entfernt sind: Schweinefleisch wird rot-weiß-rot vermarktet, nur weil die Tiere nach Tausenden Transportkilometern in Österreich geschlachtet werden; irreführende Symbole und Produktnamen sind zulässig, solange irgendwo kleingedruckt der wahre Inhalt angeführt ist.

Fazit: Den Konsumenten verarschen ist legal, ihn betrügen nicht.

Vieh, das mit Tiermehl, Hormonen und Antibiotika vollgestopft wird, um dann – im Glücksfall tot – quer durch Europa mit Luft verpestenden LKWs gekarrt wird.

Auch den Fleischkonsumenten vergiften ist legal.

Weder gibt es die ehrlichen Bestrebungen der Gesetzgeber streng im Sinne des Konsumenten (und damit der Tiere – für höherwertiges Fleisch!) zu agieren, noch eine realistische Chance der wirklich flächendeckenden Kontrolle dieser überzüchteten und weitverzweigten Branche.

Was bleibt?

Sowohl für Händler als auch für Konsumenten gilt nur eines sicher: Je tiefer das Tiefstpreisniveau, desto höher die Gefahr, minderwertige, gestreckte oder gar gefälschte Ware zu kaufen. Die einzig mögliche Lösung lautet daher: Eigenverantwortung! Mitdenken, statt Preisdrücken. – Bei Konsumenten wie bei Wirtschaftstreibenden. Bei den einen zuliebe ihrer Gesundheit, bei den anderen zuliebe ihres Geschäfts. Naiv? Dann googlen Sie heute "Lidl". Die Firmenpräsenz im Zusammenhang mit diesen News wird jemandem auch schwer im Magen liegen.

Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

 

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