Wien Bewölkt 24.6°C
Quelle: ZAMG

Kolumnen

Renate Rossbacher

kulturlounge Ystad, Stockholm, London: Krimi-Reisen liegen im Trend.


Manuel Simbürger

Inside Out Life Ball 2012: Fast-Live-Ticker zum Ball der Bälle.


Sascha Bém

provokant SMFPK? - Wenn sich Männer nach "Tetschn" sehnen.


Ute Rossbacher

Media's Digest Stars und Sternchen einmal anders: ein Blick in die Welt der Astrologie.


Markus Berndt

HR quergedacht Die ignorierten eierlegenden Wollmilchsäue.


Dr. Erdal Cetin

Inside OP Fersensporn: Schmerzhaft und langwierig zu behandeln.


Werner Becher

FrechDAX Bye Bye, Griechenland.

Interviews

Bildergalerien

Weitere Meinungsthemen

provokant - die Einserkolumne

Relevant Media

- provokant

Mitleid macht Ghetto

11.03.2011
Gut gemeint ist das Gegenteil von gut, Mitleid das Gegenteil von Respekt.

Weltfrauentag. Der Kurier taucht sich in – für die Macher offensichtlich überaus feminines – Rosa. Meine erhabene Freundin, von Beruf Journalistin, von Natur Frau, ist fassungslos: Wie armselig ist DAS denn? Und warum rosa? Warum schon wieder nur ein plakatives Klischee?

Wie auch Kollege Werner Becher in der aktuellen FrechDAX-Kolumne trefflich ins Spiel bringt, ist Gleichbehandlung von Menschen keine Frage des Geschmacks, sondern eine, die in den Menschenrechtskonventionen beantwortet ist. Die Gesellschaft hat sich darauf geeinigt. Diese Selbstverständlichkeit auch zu leben – dafür sind die Menschen offenbar schlicht noch zu wenig kultiviert.

Zugegeben: Ich war noch nie Frau. Aber ich bin seit langem - neben meiner Tätigkeit im Mediengeschäft – Musikschaffender in Österreich. Damit gehöre ich zu einem tatsächlich schwachen Geschlecht, das in Aufsichtsräten wenig vertreten ist und in der Bezahlung unter jedem Schnitt liegt. Und auch als österreichischer Musiker hat es mir beim Gedanken einer "Österreicher"-Quote im Radio oder eines "Österreicher"-Tags bei einem Festival immer den Magen umgedreht. Man wünscht sich Anerkennung für das Geschaffene, nicht Almosen für zu erwartendes Versagen. Mitleid ist das Gegenteil von Respekt.

Auch das gewollte Gegensteuern gegen Vorurteile, indem man benachteiligte Gruppierungen auf ein Podest stellt, ist - falsch. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Egal, ob aktuell ausgedehnter "Schwulen-Report" einer Illustrierten, "Oscars" für schwarze Schauspieler (gerade wieder: NAACP Image Award am 4. März) oder eben ein Tag für Frauen: Diese dezidierten Darstellungen einer Gruppe machen sie nämlich erst recht wieder zu etwas Außergewöhnlichem. Dabei sollte die Gleichheit wenn schon noch nicht selbstverständlich, so wenigstens anzustreben sein.

"Dancing Stars" startet heute und ist an gesellschaftspolitischer Relevanz jetzt nicht unbedingt der Olymp. Aber die Schnatterei im Vorfeld (Ein! Mann! Tanzt! Mit! Einem! Mann!) hat der Gesellschaft einmal mehr kein Reifezeugnis ausgestellt. Hoffentlich bleibt dem Wunsch nach einem liberalen Grundkonsens ein Eigentor erspart: Dass Alfons Haider früh ausscheidet und in seiner Homosexualität den Grund für das Scheitern vermutet. So macht man sich nämlich ungleich.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech