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Lugner lässt den Schwanz mit dem Hund wedeln

25.02.2011
"Wag the Dog" à la Opernball: Wären nicht alle so empört, gäbe es keinen Grund für die Empörung.

Ein bisschen Klugschiss zum Einstieg: Das Wort "Prominenz" kommt vom lateinischen prominentia, was wiederum zu Deutsch "das Hervorragende" bedeutet (minere = ragen).

Mit der zunehmenden Präsenz der Medien im Lebensraum des Menschen hat der Stand der Hervorragenden eine Wandlung erfahren: Gelangten einst Prominente durch ihren Sonderstatus zu medialer Coverage, so ist nun die Medienpräsenz oft die einzige Ursache für – Prominenz.

(Casting-Shows sind ein logisches Produkt dieser Umkehrung: Ein – medial betrachteter – Nobody wird so oft im TV gezeigt, bis man ihn kennt. "Deutschland sucht den Superstar" müsste daher folgerichtig heißen "RTL macht jemanden bekannt". – Was halt zugegebener Maßen etwas weniger fetzt... Exkurs Ende.)

Warum dieses Thema? Aktuell führt ein verhaltenskreativer Baumeister einige, die es besser wissen sollten, am Nasenring durch die mediale Arena.

Er lädt eine wenig hervorragende Dame zum Opernball, den Rest erledigen die Medien. Aufregung im Hühnerstall und (Einser)seitenweise Coverage – schon ist die Dame tatsächlich in Österreich prominent.

Bemerkenswert ist dabei, wie schnell bei den Statements in den Gatsch gegriffen wird. Ganz vorne dabei: ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Sein Wunsch nach Stilsicherheit ist verständlich – wird aber gleich bei seinem eigenen Statement gegenüber Österreich enttäuscht. "Der jetzige Gast von Lugner ist einfach nur eine Prostituierte, die möglicherweise Berlusconi das politische Genick bricht."

Aha. Nur. Ist gemeint: Nur eine Prostituierte? – In einer zivilisierten liberalen Gesellschaft disqualifiziert sich eine solche Abwertung von selbst. Oder meinte Lorenz: sie sei jemand, der einfach nur "möglicherweise Berlusconi das politische Genick bricht"? Nun, da gibt es viele, die ihr für diese Leistung höchst dankbar wären. Zum letzten Teil seines Sagers: "die möglicherweise Berlusconi das politische Genick bricht". Sie ihm? Wir erinnern: Er hat ihre Dienste – möglicher Weise auf strafrechtlich relevante Art aufgrund ihrer Minderjährigkeit – in Anspruch genommen. Es ist noch kein Bericht aufgetaucht, wonach sie ihn als Callboy engagierte.

Auch Alfons Haider hat bereits angekündigt, Lugners Gast nicht zu interviewen. Homosexuelle sind bei Dancing Stars, wie überall, selbstverständlich nicht auszuklammern. Callgirls beim Opernball schon? (Und: Gilt das jeweils nur für die Geouteten?)

Des Baumeisters stilistische Sicherheit geht gegen Null. Das sind nicht gerade breaking news. Aber wenn alle weiter so nach seiner Pfeife tanzen und Nicht-Hervorragende aufbauschen, dann reicht für Lugners nächsten Opernball-Coup als Stargast: Charlie Sheens Dealer, Dieter Bohlens Putze oder Gaddafis Zahnbürste.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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