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Vom singenden zum schreibenden Alltagspoeten

22.02.2011
Der wortreiche Weg vom Lied zum Buch.

Sie treten als Musiker und Literaten auf und haben für gewöhnlich mit ihren Liedern mehr Erfolg als mit ihren Büchern. Es kann aber auch ganz anders kommen.

So ist es Sven Regener (geboren 1961) - dem Sänger der am 17. März im Wiener Burgtheater gastierenden deutschen Band "Element of Crime" - immerhin gelungen, mit seiner "Herr Lehmann-Trilogie" zwei Millionen Leser zu begeistern. Für das von ihm selbst verfasste Drehbuch zum Film erhielt er 2004 sogar den Deutschen Filmpreis.

Dem Auftritt seiner Band in den hohen Hallen des Burgtheaters sieht er allerdings etwas skeptisch entgegen. "Wir gehören nicht ins Theater", findet er und erwartet sich daher einen eher "seltsamen, bunten Abend". Die Fans scheint das Theaterflair nicht abzuhalten - das Konzert ist längst ausverkauft.


"Kunst ist dafür da, das Leben erträglich zu machen"

Sven Regener, der in seinen Liedertexten auch immer wieder "das Fehlen von Glück" thematisiert, wertet seinen literarischen Erfolg der letzten Jahre als reine "Glückssache" und bleibt bescheiden: "So etwas kriegt man geschenkt."

Man darf allerdings davon ausgehen, dass sein neues Buch "Meine Jahre mit Hamburg-Heiner" – ein Roman in Tagebuchform mit Österreich-Bezug, in der nicht nur die Bedeutung der Österreichischen Herrschaft über Hamburg-Altona in den Jahren 1864-1866 Erwähnung findet, sondern vom Autor auch so etwas wie eine heitere Versöhnung zwischen Deutschland und Österreich versucht wird - seine Fans erneut begeistern wird.

Die "über einen Zeitraum von fünf Jahren für die verschiedensten Internetplattformen" verfassten "dialogreichsten und witzigsten Logbücher", die je auf der Fahrt durch "die stürmischen Meere und stehenden Gewässer des Lebens" entstanden sind, erscheinen Mitte März; eine erste Lesung im Wiener Rabenhoftheater wird es am 18. Mai geben.


Gefühlslawinen und andere Katastrophen

Bereits in zehnter Auflage ist der bereits 2007 veröffentlichte Roman "Der Atem des Himmels" erschienen, mit dem sich der österreichische Musiker Reinhold Bilgeri erfolgreich am schwer umkämpften Büchermarkt behauptet. Der mittlerweile mit ihm als Autor, Regisseur und Produzent erfolgreich verfilmte "Heimatroman", der eine dramatische Liebesgeschichte mit einer realen Lawinenkatastrophe im Jahr 1954 in dem kleinen Bergdorf Bols in Vorarlberg verknüpft, lockte bei seiner Filmpremiere auf den Bregenzer Festspielen im Herbst 2010 immerhin 7.000 Besucher an. Lob für die berührende Geschichte kommt auch vom Schriftsteller Michael Köhlmeier: "Der Roman ist nicht nur gut, er ist ausgezeichnet."

Der Film läuft derzeit noch in den Bundesländern; in den steirischen Kinos teilweise in Verbindung mit einer Lesung des Autors.

Eine gewisse Entfremdung empfindet der einstige Mitbegründer des Austropop gegenüber dem sogenannten Musik-Business. Alles sei "jetzt anders", müsse "schneller gehen"; was aus seiner Sicht auch damit zu tun habe, dass wir "in einer Zeit der Beliebigkeit und Vergesslichkeit" leben.


Einmal anders scheitern

In vierter Auflage ist im Jänner dieses Jahres der ebenfalls bereits 2007 veröffentlichte Roman "Die Kunst des Scheiterns" des Liedermachers Konstantin Wecker erschienen, in dem dieser - nicht ohne Selbstironie - über Gewinn und Verlust, Fehltritte und Neuanfänge philosophiert und sich dabei mancher Lebensweisheit seiner Lieblingsdenker besinnt. Seine persönlichen Niederlagen wertet er im Nachhinein als positiven Anstoß und - ganz anders als die Flüchtigkeit mancher Erfolge - als das "entscheidendere Erlebnis", aus dem sich - schmerzhaft zwar, aber doch notwendig - "die längst fällige Verwandlung" ergeben hätte. In der Krise liege eben auch immer eine Chance zur Veränderung.

Als Lebensratgeber will er sein autobiografisches Werk dennoch nicht verstanden wissen, so wenig wie er daran glaubt, dass er mit seinen Liedern die Welt verändern könnte; gesteht aber ein, dass es ihn dennoch freut, wenn er auf Menschen trifft, die ihn wissen lassen, dass er es war, der sie dazu brachte, "sich politisch zu engagieren". Die Hoffnung, dass sich "eines Tages auch die Politik der Poesie beugen wird", hat Wecker noch nicht endgültig begraben.


Lesetipps

Sven Regener Meine Jahre mit Hamburg-Heiner - erscheint bei Galiani Berlin am 14. März 2011

Sven Regener Die Lehmann Trilogie - erschienen im Goldmann Verlag

Reinhold Bilgeri Der Atem des Himmels - erschienen im Piper Verlag

Konstantin Wecker Die Kunst des Scheiterns - erschienen im Piper Verlag


Renate Rossbacher ist freie Autorin. 1998 hat sie ihren Lyrik-Band "Man wird nicht reif, man wird nur müde" im Karin Fischer Verlag veröffentlicht; seitdem weitere Gedichte und Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und Anthologien.


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