Quelle: ZAMG

Interviews

Weitere Meinungsthemen

FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Die armutsgefährdeten Millionäre

18.02.2011
Der Wohlstand wächst, dazu gibt's 80.000 Euro pro Jahr für jeden Armutsgefährdeten Österreichs. Woher kommen die Armen?

In den deutschsprachigen Ländern ist aktuell die Hälfte der Bevölkerung erwerbstätig. Und die demographische Entwicklung wird dazu beitragen, dass arbeitende Menschen in absehbarer Zeit endgültig zur Minderheit werden. Doch zurück zum Jetzt: Von den aktuell 50% Erwerbstätigen bezahlen weitere 43% in Österreich durch "sozial gerechte" Steuertarife keine direkten Steuern mehr. Nach Adam Riese bleibt damit etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung, das die anderen beiden Drittel finanziert. Wobei auch das noch beschönigend ist, denn in diesem Drittel sind auch noch staatlich Bedienstete und andere von öffentlichen Zuschüssen finanzierten Personen in Vereinen, Kammern und Co. inkludiert.

Auch diese müssen von den Produktiven in der sogenannten "Realwirtschaft" finanziert sowie versorgt werden und können demnach nicht zu jenen gezählt werden, die Steuern "zahlen". Von den verbliebenen tatsächlich volkswirtschaftlich Produktiven leistet alleine das eine oberste Prozent mehr als 10% aller direkten Steuern.

Politisch Interessierte wird demnach nicht überraschen, dass sich längst alle Parteien "soziale Gerechtigkeit" auf ihre Fahnen geschrieben haben – und damit einfach der zur absoluten Mehrheit gewordenen Wählerschaft von "Nehmern" folgen. Eine stetig steigende Erhöhung der Sozialausgaben auf Kosten der immer weniger werdenden "Nettozahler" (und durch Schulden) in logischer Konsequenz hat zu Hypersozialstaaten geführt.


Zahl' 3, sei 1

So ein "Produktiver", der vielleicht täglich zehn Stunden und mehr im Büro verbringt und auch noch abends und am Wochenende regelmäßig arbeitet, muss mittlerweile sämtliche staatliche Leistungen wie Schulen, Straßenbau, Polizei, Gesundheitsversorgung, Bürokratie für 3 (in Worten: drei!) andere mitfinanzieren.

Die staatlichen Sozialausgaben verschlingen - als Resultat dieser populistischen Politik - mittlerweile bereits ein Drittel der Staatsbudgets. Diese haben sich seit dem Jahr 1960 in den deutschsprachigen Ländern mehr als vervierfacht. Waren es damals noch pro Kopf zirka 2.000 Euro, sind es derzeit bereits 9.000 Euro pro Jahr. Parallel dazu ist allerdings der Wohlstand stark gewachsen. Aber anstatt Sozialleistungen schrittweise herunter zu fahren, wurden sie stattdessen - begleitet vom vor Freude johlenden Wahlvolk - munter weiter ausgebaut.

Warum steigt trotz wachsendem Wohlstand und parallel auch wachsenden Sozialausgaben trotzdem die Anzahl der Armen? Österreich gibt jährlich 80 Milliarden Euro (Deutschland ca. 700 Milliarden Euro) für Sozialleistungen aus. Für jeden der laut Statistik einer Million österreichischen "Armutsgefährdeten" sind das kalkulatorisch stolze 80.000 Euro pro Jahr. Wahnsinn – oder? In unserer alten österreichischen Währung, dem Schilling, wäre jede Arme bereits nach einem Jahr Millionär!

Was passiert mit diesen zig Milliarden Euro, nachdem es augenscheinlich trotz dieser, dem Steuerzahler abgepresster Unsummen, nach wie vor tatsächlich arme Menschen in unseren reichen Ländern gibt? Wie kann es angesichts dieser gigantischen Sozialbudgets und jahrzehntelanger Sozialpolitik überhaupt noch Arme bei uns geben? Wo sind die in unseren Verfassungen erwähnten mündigen Bürger, die unsere immer mehr Milliarden verschlingende und offenbar komplett ineffiziente Sozialpolitik hinterfragen?

Und nächste Woche zerlegen wir f-rech(nerisch) die angeblich immer weiter aufgehenden Schere zwischen Arm und Reich...


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem soeben erschienenen Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech