Quelle: ZAMG

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relevant Sprechstunde - Dr. Petra Fabritz

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Dr. Petra Fabritz

Übergewicht als gesellschaftliches Phänomen

16.02.2011
Der Fluch technologischer Errungenschaften: Immer mehr Zeit des Tages verbringen wir sitzend.

Die Internistin und Spezialistin für Ernährungs- und Präventionsmedizin Dr. Petra Fabritz greift in ihrer Sprechstunde medizinische Themen rund um die wichtigsten Gesundheitsfragen der Gegenwart auf und stellt Lösungs- bzw. Präventionsstrategien vor.

Dr. Petra Fabritz betreibt eine eigene Privat-Ordination mit den Schwerpunkten Gewichtsmanagement, Stressmanagement und Ernährungsmedizin. Zielsetzung ihrer medizinischen Tätigkeit ist es, über frühzeitige und gezielte Intervention Folgebeschwerden und Krankheiten zu verhindern.


Um die Hauptursachen für das fortschreitende Übergewicht zu erkennen, muss man sich die Entwicklung der körperlichen Aktivität und Bewegung sowie der Ernährungsgewohnheiten näher ansehen. Zu Beginn ein paar Bemerkungen zur Energiebilanz des menschlichen Körpers.

Um zu überleben, brauchen wir Energie, die wir in Form von Nahrung zu uns nehmen. Diese wird im Magen und Darm in - für Körperzellen verwertbare - Moleküle zerlegt, durch das Blut an die Zellen gebracht und dort für die Energieerzeugung verwertet. Der gesamte Energieverbrauch setzt sich aus dem Grundumsatz und dem Aktivitätsumsatz zusammen.


1. Der Grundumsatz oder auch Stoffwechselumsatz

Das ist jene Menge an Energie, die benötigt wird, um den Körper "am Laufen" zu halten. Der Grundumsatz ist der größte "Energieverbraucher". Rund 75% der verfügbaren Energie wird für den Betrieb des eigenen Körpers verwendet. Den Grundumsatz kann man genau messen oder einfach berechnen. Im Internet finden Sie eine Reihe von Formeln, um den Grundumsatz zu berechnen. Leider liefern diese Berechnungen oft nur einen sehr ungenauen Richtwert. Bei der Messung des Grundumsatzes habe ich in der Praxis Abweichungen von bis zu 50% gegenüber dem berechneten Wert festgestellt.


2. Der Aktivitätsumsatz

Je nachdem, wie aktiv unser Leben verläuft oder wie physisch anstrengend unsere jeweilige Tätigkeit gerade ist, variiert der Aktivitätsumsatz. Hierzu eine grobe Klassifikation:

Inaktiv:
Beruf: sitzende Tätigkeit (Büro)
Sehr wenig bis keine sportliche Aktivität!
Bewegung beschränkt sich auf gelegentliche Spaziergänge

Aktiv:
Beruf: leichte aktive, sitzende Tätigkeit mit gelegentlichem Gehen
Bewegung ist in den täglichen Alltag eingebaut: zum Beispiel Haus- und Gartenarbeit, Treppen steigen
2-3 mal wöchentlich laufen, walken oder radeln

Sehr aktiv:
Beruf: körperlich arbeitend, kaum sitzend (Bauarbeiter, Möbelpacker)
Neben der täglichen Bewegung im Beruf mindestens vier mal pro Woche Sport bis Hochleistungssport

Mit folgenden Richtwerten können Sie ihren täglichen Aktivitätsumsatz bestimmen:

Inaktiv: 8 kcal/kg Körpergewicht
Aktiv: 12 kcal/kg Körpergewicht
Sehr aktiv: 26 kcal/kg Körpergewicht

Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der körperlichen Aktivität und Bewegung im Lauf der letzten 100 Jahre. Als es im Haushalt beispielsweise weder Waschmaschine noch Geschirrspüler gab, wurden alle Tätigkeiten manuell ausgeführt. Die Arbeitswelt war von harter körperlicher Tätigkeit geprägt, sowohl im ländlichen als auch im industriellen Umfeld. Autos waren nur für wenige Menschen leistbar. Der Aktivitätsumsatz war hoch.

Mit den technischen Errungenschaften der Folgejahre (Autos, Waschmaschinen...) nahm der Aktivitätsumsatz des Menschen kontinuierlich ab. Aus den körperlich hart arbeitenden Industriearbeitern wurden zusehends Büroangestellte. Auch das Freizeitverhalten änderte sich entscheidend, als der Fernseher in den Haushalt Einzug hielt; die Verbreitung des Internet Mitte der 90er Jahre verstärkte den Trend zu abnehmender körperlicher Aktivität. Studien belegen, dass der menschliche Aktivitätsumsatz seit den letzten 100 Jahren um ca. 75% gesunken ist.


Mein Tipp für Sie

Bauen Sie Bewegung in den täglichen Alltagsablauf ein. Wenn möglich, gehen Sie zur Arbeit oder fahren Sie mit dem Fahrrad. In Bürogebäuden lassen Sie den Lift links liegen und nehmen immer die Treppen. Gehen oder stehen Sie bei Besprechungen. Wenn Sie Bewegung konsequent in den Arbeitsalltag einbauen, können Sie im Jahr bis zu 90.000 Kalorien zusätzlich verbrennen. Das sind rund 10 Kilo Fett die Sie nicht anlegen sondern verbrennen!!!

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