Der Österreicher per se ist kein Kolibri. Sein Wesen heißt Ruhe. Rasche Bewegungen machen ihn nervös, schnell handelnde Personen sind ihm suspekt. Das geschäftige Staccato aus dem Norden wird verhöhnt, südländisches Durcheinander milde belächelt, fernöstliches Tempo sowieso als außerirdisch abgetan.
In Österreich beobachtet man leicht angewidert das hektische Treiben in der Welt, lehnt sich im Kaffeehaus zurück und raucht sich eine an. Woanders ist das zwar schon längst verboten, aber bis es in Österreich soweit ist...
Tu felix Austria - warte.
Zur grundsätzlichen Neigung der Österreicher zum Phlegma kommt eine politische Konstellation, die Stillstand garantiert. Die große Koalition steckt bombenfest, das Föderalismus-Verständnis sorgt zusätzlich dafür, dass sich auch noch zwischen Ländern und Bund alles endgültig blockiert.
Theoretisch kann es aber auch Vorteile haben, spät dran zu sein: Man muss nicht bei jeder Aufgabe das Rad neu erfinden, man kann es sich abschauen. Der Business-Jargon nennt das Best Practice-Beispiele: Konzepte, die bereits woanders umgesetzt worden sind, tatsächlich funktionieren und darauf warten, abgekupfert zu werden.
Zurück nach Österreich: Verwaltung, Sozial-, Bildungswesen oder Wehrpflicht – das sind durchwegs Bereiche, in denen hierzulande dringender Handlungsbedarf besteht, da mit uralten und längst überholten Konzepten gearbeitet wird. Das System steckt ja nicht erst seit gestern.
Wie wäre es mit Best Practice? Wie wäre es zum Beispiel mit der Verwaltungsreform à la Dänemark? In Sachen Wirtschaftlichkeit eines Sozialstaats hätte Schweden offenbar funktionierende Konzepte anzubieten: Ein Maßnahmenpaket inklusive Kinderbetreuungen steigert erfolgreich die Frauenbeschäftigung; in die Pensionen werden Beitragsjahre, Wirtschaftsprognosen und Lebenserwartung eingerechnet. Finnland könnte laut PISA beim Schulwesen ein großes Vorbild sein - und gibt dabei weniger Geld pro Schüler aus als Österreich. Australien oder Kanada zeigen, wie's mit kreditfinanzierten Studiengebühren läuft, bei denen der Staat die Studenten durch Haftung unterstützt. Und bei der Wehrpflicht gibt es in der ganzen EU überhaupt nur noch 3 Länder (Finnland, Griechenland und Zypern), bei denen man sich keine Alternative zur Wehrpflicht an- bzw. abschauen könnte.
Ein politisches Motto könnte jetzt heißen: Besser gut kopiert als schlecht stagniert. Vorlagen gäbe es genug.
Der Autor: Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

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