Quelle: ZAMG

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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Aus guten Männern macht man keine Soldaten

04.02.2011
Offenbar hat niemand mit institutionalisiertem Lohndumping ein Problem.

"Aus gutem Eisen macht man keine Nägel, aus guten Männern keine Soldaten", sagt ein sehr altes chinesisches Sprichwort. Und: es hat bis heute nichts von seinem Wahrheitsgehalt eingebüßt.

Österreich diskutiert aktuell die Abschaffung der Wehrpflicht. Milliardenbeträge werden errechnet, politisch als nicht opportun bewertet, geschönt und so lange neu berechnet, bis das gewünschte Ergebnis stolz der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Einige grundsätzliche Fragen aus Sicht des Steuerzahlers - und damit der Wirtschaft - wurden aber noch nicht gestellt bzw. interessieren offenbar niemanden.

Erstens: Wer braucht das Bundesheer für den Katastrophenschutz? Jedes noch so kleine Kuhdorf in Österreich verfügt über eine freiwillige Feuerwehr. Diese sind vom Steuerzahler durch willfährige Bürgermeister im internationalen Vergleich mehr als luxuriös mit Gerät im Wert vieler Milliarden Euro ausgestattet worden, das nun still vor sich hin rostet. Warum sollten hunderttausende top ausgestatte Feuerwehrmänner nicht wie in vielen anderen Ländern auch den Katastrophenschutz übernehmen können? Wer braucht abgesehen von einer Hand voll Hubschraubern dazu Militärs? Kein Mensch!

Zweitens: Warum nennt niemand beim Namen, was die Wehrpflicht eigentlich ist? Schlicht und einfach: Zwangsarbeit! Mit dem Zivildienst sieht es klarerweise nicht besser aus. Und auch die Einführung eines "sozialen Jahres" oder anderer sonst nur in Diktaturen bekannter Beschäftigungsformen lassen nicht nur Freunden der Menschenrechte einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Interessanterweise sprechen sich genau jene besonders laut für ein "Sozialjahr" aus, die sonst keine Gelegenheit auslassen, über Lohndumping zu jammern – genau das wollen sie aber jungen Menschen in Form des Zivildienstes oder zukünftig eines Sozialjahres weiterhin antun. Pervers, oder?

Zu hinterfragen ist weiters, warum in Österreich - im Unterschied zum Rest der Welt - das Rettungswesen oder die Altenpflege ohne jugendliche Zwangsarbeiter zusammenbrechen und nicht auch auf Basis ordentlicher Jobs zumindest gleich gut funktionieren sollte. Und wenn schon soziale Zwangsarbeit: warum dann nicht beispielsweise verpflichtend für Frühpensionisten oder Langzeitarbeitslose anstatt junge Menschen vom Arbeitsmarkt fern zu halten?

"Man soll vor lauter Herz nicht auf den Verstand vergessen", sagt ein US-amerikanisches Sprichwort. In Österreich dürfte dieses komplett unbekannt sein, wie man im Rahmen der Wehrdienst-Debatte wieder mal erkennen kann.


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem soeben erschienenen Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

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