Stellen wir uns vor: Ein TV-Programm, streichelweich wie die Teletubbies, risikobefreit wie eine Dauerwerbesendung und unbedenklich wie "Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands". Na? Klingt nach Straßenfeger, oder?
Das Fernsehen bezieht seine Daseinsberechtigung daraus, Alternativ-Universen ins gepolsterte und geheizte Wohnzimmer zu liefern. Abenteuerliche, gefährliche, spektakuläre, emotionale, absurde und abstruse. Vorhersehbar, monoton und schaumgebremst ist das Leben des Konsumenten tendenziell schon genug. (Sonst würde ja auch die Parallelwelt gar nicht aktiviert werden.)
Nun ist gewiss nicht alles, was im Kastl geboten wird, eine schöngeistige Bereicherung. Für Casting- und Dschungelshows, Reality-TV und Soaps, Extremsport- und Songcontest-Übertragungen braucht man einen guten Magen. Dazu kommt, dass im TV von heute Superzeitlupen, 3D-Perspektiven sowie Minikameras kein Detail auslassen und tiefenscharf auf den Supersize-Flat-Bildschirm zaubern. Vor allem ist es aber eine technische Innovation, die das Fernsehen zwar seit jeher prägt, aber dennoch nicht flächendeckend bekannt sein dürfte: Man kann es ausschalten.
Damit lässt sich sogar nicht nur das eigene Abendprogramm bestimmen! Schalten genug Zuschauer ab, folgen die Sender – und das unbeliebte Format wird ganz einfach gekillt. Es gilt: Wer immer wieder aufdreht, darf sich nicht über das Ausgewählte beschweren. Hinschauen und dann moralinsauer motzen ist nicht.
Ist "Wetten, dass..?" zu quotengeil geworden? Was hat Marilyn Manson bei den "Helden von Morgen" zu suchen? Wie kommt ein Sender auf die Idee, ein Pseudo-Model zu zeigen, das ihre Konkurrentin als "Neger-Oide" bezeichnet? Sollten Ski-Abfahrer vor der Streif geschützt werden? Mit dem Ein/Aus-Schalter lassen sich all diese Fragen individuell und gründlich beantworten.
Der Autor: Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

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