Quelle: ZAMG

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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Mit fremdem Geld ist es leicht Manager sein

14.01.2011
Nicht nur ein Problem der Wirtschaft: Gibt es überhaupt noch unternehmerisch denkende Menschen?

Der US-Satiriker P. J. O'Rourke formulierte einmal sinngemäß: "Dem Staat Geld zu überlassen ist wie Teenagern Whisky und Autoschlüssel zu geben."

Dem ist schwer zu widersprechen. Denn schon staatliche Planwirtschaften waren – wie die Geschichte eindrucksvoll belegt - nicht gerade von Erfolg gekrönt; wohl nur noch in Nordkorea steht diese Erkenntnis noch aus. Ermutigender ist da schon die Gegenwart: Nur wenige Jahre, nachdem unsere osteuropäischen Nachbarn dem Kommunismus weitestgehend abgeschworen haben, sorgt die Marktwirtschaft für breiten Wohlstand.

Aber: warum ist das so? Warum funktionieren Systeme, die den Menschen die angeblich "böse Gier" austreiben wollen, am Ende nicht? Warum scheitern alle - auf Gemeinwohl ausgerichteten - Systeme? Weil es dem Menschen eigen ist, mit fremdem Eigentum weniger sorgsam umzugehen als mit eigenem!


Verantwortung steigt mit eigenem Geld

Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman hat sich wissenschaftlich dieses Themas angenommen. Er unterscheidet vier Arten, Geld auszugeben:


1) Eigenes Geld für sich selbst ausgeben, zum Beispiel ein Auto kaufen

2) Eigenes Geld für andere ausgeben, zum Beispiel Weihnachtsgeschenke kaufen

3) Anderer Leute Geld für sich selbst ausgeben, zum Beispiel die Kosten eines Essens dem Arbeitgeber als Spesen verrechnen

4) Anderer Leute Geld für andere ausgeben, zum Beispiel als Beamter einem "Armen" Sozialhilfe überweisen


Wie verhält es sich Ihrer Meinung nach, liebe Leser, bei diesen vier unterschiedlichen Methoden mit der Effizienz? Überraschung: Friedman hat wissenschaftlich bewiesen, dass die Effizienz vom ersten bis zum vierten Punkt dramatisch sinkt. Gleichzeitig steigt die Leichtfertigkeit; das Risiko wird – die vier Punkte von oben nach unten betrachtet - immer weniger ernst genommen. "Ist ja nicht mein Geld", könnte man diese sozialwissenschaftliche Erkenntnis in einfachen Worten zusammenfassen. Wer mit Hausverstand an die Sache herangeht, den wird das nicht überraschen; er oder sie hätte auch keine wissenschaftliche Studie gebraucht, um sich dieser Tatsache bewusst zu werden.

Das mehr als bescheidene Funktionieren allen staatlichen Tuns (Bildung, Krankenkassen, Justiz, etc.) bestätigt diese These im realen Leben tagtäglich. Aber: P. J. O'Rourkes Whisky-These und Friedmans Nobelpreis-gekrönte Erkenntnis nur bei Staaten anzuwenden, greift zu kurz.


Verwalter statt Unternehmer

Findet man in Großkonzernen heute wirklich unternehmerisch denkende Menschen? Auch dort werken mittlerweile überwiegend bezahlte Manager – leider zu häufig völlig uninspiriert - und verwalten ausschließlich fremdes Geld. Sogar in den Aufsichtsräten vieler großer Unternehmen sitzen längst keine Eigentümer/Aktionäre mehr, sondern nur noch von diesen bestellte - vermeintliche - Interessensvertreter.

Wen wundert es da noch, dass sich Großkonzerne in puncto Effizienz mitunter kaum noch von Staaten unterscheiden? Und wer denkt in solchen Unternehmen an übermorgen - wenn ihre Manager und Aufsichtsräte nur der Bonus von morgen interessiert?


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Anfang Februar 2011 erscheinenden Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

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