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Forstwirt ist der neue Tellerwäscher

22.06.2012
Österreich etabliert sich immer mehr als DER Wirtschaftsstandort für Quereinsteiger.

Wir schreiben das Jahr 2004. Der US-Telekommunikations-Multi Motorola macht sich an einen ziemlich gewagten Launch einer neuen Handygeneration: Die "Razr"-Serie ist nämlich innovativ im Design, aber recht eigenwillig in der technischen Konzeption. Die Entscheidungsträger in Illinois fühlen sich aber sicher genug, das V3 auf den Markt loszulassen. (Sie wissen schon, das ganz flache Klapphandy.)

Das Risiko lohnt sich: Das V3 sollte mit weltweit mehr als 50 Millionen verkauften Stück ein Riesenerfolg und einer der Topseller der Branche werden.

Wer damals bei Motorola arbeitet, hat wohl nicht unbedingt das Gefühl, bei einer Losertruppe gelandet zu sein. Man bleibt aber mit den Füßen am Boden: Nur weil man gerade den internationalen Mobilfunkmarkt aufmischt, heißt das noch lange nicht, dass man einen Auftrag bei einer österreichischen Behörde an Land ziehen kann. Das ist doch ein, zwei Nummern größer.

Fremde Hilfe tut not – auch, weil man im fernen Europa kaum jemand kennt. 2004 sitzen gerade mal mickrige 2500 Motorola-Mitarbeiter in Deutschland.

Also wird die rettende Hand der PR-Agentin Verena Karimi ergriffen. Sie hat immerhin soeben eine GmbH gegründet und laut eigenen Angaben zu dem Zeitpunkt schon ein paar Leute der ÖVP beraten. Ihre Kompetenz als gelernte Juristin hat sie in Richtung PR-Arbeit mit einem WIFI-Kurs für Werbung auch für Motorola unübersehbar erweitert. Und schon war der Ein-Frau-Betrieb mit der PR von TETRON (das Konsortium mit Motorola für das Blaulichtfunkprojekt) beauftragt!

Solche Glückstreffer wie der von Verena "Triple X" Karimi (Ex-Frau des Ex-Kabinettschefs Christoph Ulmer von Ex-Minister Ernst Strasser) sind aber keineswegs ein Einzelfall für Österreich. So werden hierzulande nicht etwa Wirtschaftsbonzen oder Politikergranden um Rat gefragt, wenn Abfangjäger um Milliardenbeträge an die Republik verkauft werden sollen, sondern – Forstwirte (beziehunsgweise laut Eigendefinition im Eurofighter-Untersuchungsausschuss: "Bauer"). Und wenn zigtausende Bundeswohnungen an den Mann gebracht werden sollen, wessen Zutun ist dann unverzichtbar? Das eines ehemaligen Tankstellenbetreibers.

Tu felix Austria. Land der Quereinsteiger und Blitzkarrieristen. Hier wird noch Chancengleichheit gelebt. Wer hierzulande die richtigen Freunde einweicht, kann über die amerikanische Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Leier nur müde und mitleidig schmunzeln.

Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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