Das Konzert - ein Wasserfall ansteckender Lebensfreude. Dirigent Franz Welser-Möst und Oberphilharmoniker Clemens Hellsberg sind ein Herz und eine Seele. Diese innige Harmonie - manche Insider wollen schon Hochzeitsglocken läuten hören – transzendierte die musikalische Darbietung und erfüllte den Raum. Hellsberg hatte ja im Vorfeld über diese Zusammenarbeit gesagt: "Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen." Und in der Tat: Es war Erwin Pröll, der beim Jägerball 2008 die Hände der beiden erstmals aneinander geführt hatte.
Die Stimmung - ein Meer purer Walzer-Glückseligkeit. - Dem sich auch Politiker nicht entziehen konnten: Barbara Rosenkranz lobte ausdrücklich den Walzer "Donauweibchen", Maria Fekter den eleganten Abgang von Staatsopernballet-Solistin Maria Yakovleva. Josef Pröll hob den Blumenschmuck hervor als unübersehbares Lebenszeichen der heimischen Bauern, Werner Faymann betonte irgendwas. Kulturministerin Claudia Schmied zeigte sich vom Musikverein begeistert und dementierte eine Verlegung des Konzerts ins MAK. Einzig Werner Kogler (Die Grünen) konnte nichts dazu sagen, da er mit einer Dauerrede seit 29.12. im leeren Parlament gegen die fehlende Ausschreibung des Konzerts an alle österreichischen Klangkörper protestiert. (Pikanterie am Rande: HC Strache wurde beim Probestehen am Dirigentenpult gefilmt und klagt nun eine japanische Touristin auf Herausgabe ihres Camcorders.)
Die TV-Übertragung - ein Feuerwerk an opulenten Bildern. Das chilinische ORF-Erfolgsrezept des Alexander Wrabetz, Jobs außer Haus zu vergeben, mag zwar kostenintensiv sein – es machte sich aber auch diesmal bezahlt: Der britische Regisseur Brian Large verzauberte gekonnt das Publikum in 70 Ländern. Die hervorragende Quote nahm der Kommunikationschef des ORF (wer ist das gerade?) zum Anlass, den vorbildlich erfüllten Bildungsauftrag und eine ausgezeichnete Visitenkarte für das Land sowie seinen öffentlich-rechtlichen...
Die CD-Aufnahme - schon jetzt ein brillanter Klassiker. Euphorische Vorschusslorbeeren gab es dabei vielerorts: TV-Media bewertete die CD "Neujahrskonzert 2011" eine Woche vor der Aufnahme mit 4 von 4 Punkten. (Die Tageszeitung Österreich rezensiert gerade das Neujahrskonzert 2012.) Die ersten Vorbestellungen für den Tonträger waren übrigens bereits im März eingelangt. Für 50.000 abgesetzte Exemplare konnte Hellsberg damals Zwanzigfachplatin in Österreich entgegennehmen; für Pressung und Abnahme der zwanzig Platin-Schallplatten erhielt er wiederum Gold.
Das Neujahrskonzert - ein blühender Wirtschaftsfaktor. Über TV-Rechte, CD- sowie DVD-Handel und den Verkauf der neuen "Philinkas" (geigende Plüschtiere; erdacht von einem jungen SP-Lobbyisten) erwarten sich die Verantwortlichen auch heuer wieder ein Bombengeschäft. Wirtschaftskammerpräsident Leitl sieht den positiven Effekten auf den heimischen Fremdenverkehr mit Freude entgegen – und durch das Konzert ("nur ein Dirigent") einmal mehr bewiesen, wie überfällig die Verwaltungsreform sei. Auf das Geschäft mit dem Neujahrskonzert wurde mittlerweile auch der Wertpapiermarkt aufmerksam: Seit kurzem kann an der New Yorker Börse gegen den Wertanstieg von Schuldpapieren möglicher Offshore-Lebensversicherungsträger von etwaigen Nachkommen der Wiener Philharmoniker gewettet werden, bei gleichzeitig fallender Kaufoption. Experten sehen das nicht allzu kritisch, hier sei man dank einer recht realen Wertunterlegung des Papiers auf der konservativen Seite.
Alles in allem: Das Neujahrskonzert - ein voller Erfolg. Und – wie immer. Prosit!
Der Autor: Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

24.6°C
19.4°C
22.9°C
18.3°C









