Quelle: ZAMG

Interviews

Weitere Meinungsthemen

FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Neid und Verlust – die Spielverderber des "Homo oeconomicus"

23.12.2010
Die eigenen Instinkte und Ängste können mächtige Gegner auf dem Finanzmarkt sein.

Neid ist menschlich. Und auch: ein klares Anzeichen für einen schwachen Charakter. Menschen, die sich primär mit den Leistungen und dem Besitz anderer beschäftigen, sind zerfressen von Selbstmitleid. Und genau dieses Selbstmitleid und alle daraus resultierenden destruktiven Gefühle verhindern, dass sich an ihrer Unzufriedenheit mit sich selbst irgendetwas ändert. Sie fokussieren ihre Energie auf andere, anstatt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Neid blockiert.

Wissenschaftlich erklärt dieses Neid-Phänomen die verhaltensorientierte Wirtschaftswissenschaft. Das sogenannte "Ultimatum-Spiel" bietet eine anschauliche Möglichkeit, diese - bei Menschen grundsätzlich in sehr unterschiedlichem Ausmaß vorherrschende und gesellschaftlich stark geprägte Eigenschaft - darzustellen. Die Regeln sind sehr einfach erklärt: Zwei Personen, die einander nicht bekannt sind, erhalten von einer dritten Person zehn Euro, die auf Basis folgender Bedingung aufgeteilt werden sollen: Der erste Spieler macht einen Vorschlag für den Teilungsschlüssel (zum Beispiel 50:50 oder 80:20), der zweite Spieler kann den Vorschlag annehmen oder ablehnen. Nur wenn der zweite Spieler das Angebot annimmt, erfolgt die Ausschüttung und Aufteilung der zehn Euro durch die dritte Person, andernfalls gehen beide mit leeren Händen aus.


Lieber gar nichts als weniger

Was wird in der Praxis passieren, wenn der erste Spieler einen Aufteilungsschlüssel vorschlägt, der für ihn günstiger ist als für den zweiten Spieler also beispielsweise 80:20? Der zweite Spieler wird diesen Vorschlag in den meisten Fällen zurückweisen, weil er nicht möchte, dass der andere Spieler den größeren Teil des Kuchens bekommt. Würden sich aber beide Spieler rational verhalten, müsste der zweite Spieler jedes Angebot annehmen, bei dem er zumindest einen winzig kleinen Anteil bekommt, da er andernfalls gar nichts bekommt. Logisch, oder?

Genau nach diesem emotionalen Prinzip agieren vielen Menschen auch an den Finanzmärkten. Wer sich eher von seinen Instinkten leiten lässt oder sich gar in Aktien "verliebt", wird verlieren. Denn andere benutzen eiskalt nur ihren Hausverstand und - gewinnen. Blöderweise hat uns Mutter Natur so geschaffen, dass wir Verluste drei Mal so intensiv wahrnehmen wie Gewinne (der Mensch ist ein Fluchttier). Steuert man mit seinem Intellekt dem nicht entgegen, wird man schlicht und einfach von denen, die mit ihrem Gehirn statt mit ihrem Bauch denken, abgezockt. Viele kennen die alte und ganz einfache Börsenregel "Der Trend ist Dein Freund", die man auch mit "Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen" gleichsetzen kann. Schwer zu verstehen ist diese Regel eigentlich nicht. Offenbar aber schwer umzusetzen. Denn viele Anleger verkaufen liebend gerne Papiere mit steigenden Kursen, die sich in der Gewinnzone befinden. Fallende Papiere zu verkaufen, die längst in der Verlustzone sind, bringen sie aber nicht übers Herz. Mit Verlusten können viele einfach gar nicht umgehen. Sie vermeiden es deshalb auf Teufel-komm-'raus, Verluste zu realisieren, weil der Verkauf für sie dem Eingeständnis einer Niederlage gleich käme. Genau von dieser Schwäche leben die anderen - die Erfolgreichen an den Finanzmärkten.


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Anfang Februar 2011 erscheinenden Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech