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Eine seltene Sternstunde: der Venustransit

Willfried Gredler-Oxenbauer/picturedesk.com

relevant Redaktion

Seltene Sternstunde: der Venustransit

05.06.2012
Ein "astronomisches Jahrhundertereignis", das man kein zweites Mal in diesem Leben zu Gesicht bekommen wird.

Es ist nicht weniger als das "goldene Zeitalter der Planetentransits", glaubt man Planetenforscher Jay Pasachoff, der die Leser von Pro Physik auf eine Reihe beeindruckender Ereignisse einstimmt.

Eines davon können Frühaufsteher am (morgigen) Mittwoch auch hierzulande beobachten: das Ende des Venustransits (auch Venusdurchgang oder Venuspassage genannt).

Das Besondere an dieser Konstellation ist, dass sich die Venus zwischen die Sonne und die Erde schiebt, und die drei Himmelskörper dabei laut Wikipedia "exakt in einer Linie stehen".

Während der Venustransit in unseren Breiten nur für die Dauer von eineinhalb Stunden zu beobachten ist, haben Sternenfreunde in anderen Teilen der Welt mehr Glück, wissen Florian Hildebrand und Heike Westram vom Bayerischen Rundfunk: "Wer den kompletten Durchgang beobachten will, müsste in Richtung Osten reisen. Der beste Platz ist in Fernost, China z.B. oder, noch besser, der Pazifik vor der chinesischen Küste."

Den genauen Zeitplan für Österreich verrät Hermann Mucke von Der Standard: "Ab Sonnenaufgang (Wien 4h55, Linz 5h03, Innsbruck 5h19, Bregenz 5h25) erscheint die Venus als kleiner schwarzer Kreis nahe beim Oberrand der Sonnenscheibe." Das Spektakel ende um 6h55.

Unbedingte Voraussetzung, um keine bleibenden Augenschäden davonzutragen oder gar zu erblinden, sind Sonnenfinsternisbrillen bzw. spezielle Schutzfilter für Fernrohre und Teleskope.


"Ein Jahrhundert-Ereignis"

Der Venustransit gilt als "astronomisches Jahrhundertereignis", tritt er nur 20 Mal pro Jahrtausend auf. Helmut Hornung (Süddeutsche Zeitung) betont daher: "Wer das Jahrhundert-Ereignis verpasst, wird es nie wieder sehen."

Das nächste dieser Art findet erst wieder am 8. Dezember 2125 statt.


Bedeutend für die Wissenschaft

Wie Joachim Baumann von deutschlandradio in seinem Abriss ausführlich erklärt, kommt dem Venustransit in der Geschichte der Astronomie eine besondere Bedeutung zu. Dank des Phänomens konnte letztlich die Entfernung zur Sonne errechnet werden - 150 Millionen Kilometer.

Die deutsche Historikerin Andrea Wulf ordnet im Gespräch mit Susanne Mauthner-Weber vom Kurier diese Erkenntnis ein: "Zum ersten Mal bekamen die Menschen eine Idee davon, wie riesig das Weltall sein muss."

Dass all diese Untersuchungen und Messungen nicht ohne Risiko für die Forscher waren, arbeitet die Redaktion des britischen Guardian in ihrem Leitartikel heraus: "Die Astronomen setzten sich noch dem Verdacht der Gotteslästerung aus und riskierten ihr Leben."

So viel die Wissenschafter der Vergangenheit dabei bereits herausgefunden haben, so vieles gibt es immer noch zu entdecken, fasziniert Dirk Eidemüller von Pro Physik: "Heute versprechen sich Astrophysiker in allen Ländern von dem Ereignis neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Venusatmosphäre."


Das All in Bewegung

Auf einen weiteren Transit am 20. September freuen sich Experten und Astronomie-Interessierte bereits - wenn die Venus zwischen Sonne und Jupiter tritt.

Für uns zwar unsichtbar, aber nicht weniger spektakulär ist, was Mitarbeiter der NASA erst vor wenigen Tagen bestätigt haben: Deren Berechnungen zufolge wird die Milchstraße mit der benachbarten Andromeda-Galaxie in vier Milliarden Jahren zusammenstoßen. Mit etwa 400.000 Kilometern pro Stunde bewegen sich die beiden Spiral-Galaxien derzeit aufeinander zu. Bei einer Kollision werden sie zu einer großen neuen elliptischen Galaxie verschmelzen.

Soll einer noch sagen, dass sich im Weltall nichts tut. Meint auch The Guardian, der seine LeserInnen fragt: "Wenn das keine Geschichte ist?"

Ute Rossbacher


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