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Queen: Thronjubiläum, aber keine Pension

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relevant Redaktion

Queen: Thronjubiläum, aber keine Pension

02.06.2012
Großbritannien feiert nach allen Regeln der Kunst das 60-jährige Thronjubiläum von Queen Elizabeth. Diese wirkt entspannt wie nie. Denn Monarchie ist wieder in.

Sie ist das am weitesten gereiste Staatsoberhaupt der Geschichte, hat die Regierungszeit von insgesamt 12 Premierministern erlebt, als erstes weibliches Mitglied der Royals Militärdienst (im Zweiten Weltkrieg) geleistet, die schwerste Krise der Monarchie erlebt und jene am Ende - einer Königin würdig - gemeistert.

Mit dem Ergebnis, dass sie heute in der Bevölkerung beliebter denn je ist. Und das in Zeiten, die mit jenen anno 1952 nur wenig gemeinsam haben, als Elizabeth II. mit gerade 25 Jahren zur Königin gekrönt wurde.

Ein Phänomen, das selbst dem monarchie-kritischen Gastautor Sunder Katwala Hochachtung abringt, wie er in seinem Gastkommentar für das britische Magazin New Statesmen eingesteht: "Die Überraschung des Jahres ist, dass die Monarchie im Jahr 2012 nicht weniger sicher auf ihren Beinen steht als im Jahr 1952 und dabei stabiler als noch vor 20 Jahren ist."

Dass das 60-jährige bzw. Diamantene Thronjubiläum daher nicht nur für das Königshaus ein Grund zum Feiern ist, bestätigt Alexei Markatsev von der Rheinischen Post. Denn er ist überzeugt: "Die Queen gehört für mehrere Generationen der Briten fest zum Leben. Für die meisten Menschen auf der Insel war die muntere und robuste Königin mit dem nimmermüden Lächeln schon immer da."

Das Timing für die Feierlichkeiten könnte nicht besser sein: "Die Olympischen Spiele sollen zusätzlich eine Million Touristen anlocken, ebenso der frisch renovierte Kensington-Palast", ergänzt Michaela Strassmair vom Magazin Focus.

Gerade der Tourismus profitiert vom britischen Königshaus immer noch enorm. Und die jährlichen Einnahmen, die sich laut Luxemburger Wort im Umfang von 600 Millionen Euro bewegen, haben die von der Finanzkrise gebeutelten Britischen Inseln nötiger denn je zuvor. An eine Abschaffung der Monarchie in Großbritannien will daher ernsthaft kaum jemand denken.


Die Queen als Bewahrerin

Spätestens seit der Hochzeit von Kate und William scheint sogar genau das Gegenteil der Fall zu sein: In einer Gesellschaft, die wie die britische von zunehmender Multikulturalität, wirtschaftlicher Unsicherheit und sozialen Problemen geprägt ist, werden die Queen und ihre Familie mehr denn je für ihre Wertetreue, Kontinuität, Verlässlichkeit und die Gewährleistung, dass das kulturelle Erbe des Landes bewahrt wird, geschätzt.

An einem bezeichnenden Beispiel dokumentiert Sunder Katwala (New Statesmen) den angedeuteten Wandel seines Landes: "Die landesweite Tour der Queen aus Anlass ihres Diamantenen Thronjubiläums begann in Leicester die bis Ende dieses Jahrzehnts als erste britische Stadt keine weiße Mehrheit mehr haben wird."

Dass eben diese bewahrende Haltung des Königshauses nicht nur ihre Sonnenseiten hat, bringt Peter Tatchell von The Guardian deutlich und spürbar enttäuscht zum Ausdruck: "Nicht einmal in 60 Jahren hat die Queen öffentlich die Gruppe von Homo- und Transsexuellen anerkannt - geschweige denn schwule Mitglieder ihrer eigenen Familie. Die Queen hat den Queens den Rücken zugekehrt."


Gestärkt nach schwerer Krise

Die Gewohnheit der Königin, auch in höchstpersönlichen Angelegenheiten der Etikette den Vorrang einzuräumen statt offen ihre Gefühle zu zeigen, wurde in den 90er-Jahren zum Boomerang.

Zur Überraschung vieler ging die britische Monarchie aus einer ihrer schwersten Krisen gestärkt hervor. Und das war angesichts der sich überschlagenden Ereignisse keine Selbstverständlichkeit, wie Royals-Kenner Rolf Seelmann-Eggebrecht im Gespräch mit Marlies Fischer und Irene Jung vom Hamburger Abendblatt betont:

"Sie (die Queen, Anm.) hat das für sie schreckliche Jahr 1992 überstanden - mit gescheiterten Ehen bei Sarah Ferguson und Prinz Andrew, Prinzessin Anne und Captain Mark Phillips, Charles und Diana, dann das Feuer auf Schloss Windsor - und den Tod von Prinzessin Diana im August 1997."


Für die Queen geht es weiter

Die Feierlichkeiten, die heute (Samstag) beginnen und bis 5. Juni andauern, sollen entsprechend entspannt über die Bühne gehen. Wer denkt, dass die Queen das Jubiläum zum Anlass nimmt, ihren Rücktritt zu verkünden und den Thron ihrem ältesten Sohn, Prinz Charles, zu überlassen, täuscht sich. Erst kürzlich hat sie laut Angaben von Seelmann-Eggebrecht ihr Versprechen erneuert, ihrem Land ein ganzes Leben lang zu dienen.

Ute Rossbacher


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