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provokant - die Einserkolumne

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Bitte keine BUWOG mit Ansage

01.06.2012
Zwei Anläufe und Millimeterentscheidung: Das kennen wir doch!

Frei nach Monty Python: Du sollst zählen bis zwei, nicht mehr und nicht weniger. Zwei alleine soll die Nummer sein, die du zählest. Weder sollst du bis drei zählen, noch sollst du nur bis zur Eins zählen. Es sei denn, dass du fortfahrest bis zur Zwei.

Wir erinnern uns: Zwei Bieterrunden gab es bei der BUWOG-Privatisierung. Nicht eine, nicht drei. Warum gerade zwei konnte bisher nicht geklärt werden. Die zweite war eilig einberufen, eine dritte fand dagegen nicht statt, obwohl sie den Preis und damit den Ertrag für den Staat ganz offensichtlich noch erheblich steigern hätte können. Der Verdacht liegt nahe: Schluss war nur, weil gerade der erwünschte Anbieter vorne lag. Natürlich liegt die Unschuldsvermutung noch näher.

Thema Zukunft des ORF mit/ohne Standortwechsel. Die möglichen Alternativen sind Sanierung des Küniglbergs plus dortige Zusammenlegung (Funkhaus, Ö3) oder Beibehaltung der bestehenden Standorte oder Neubau in St. Marx samt Übersiedlung. Die erste Kalkulation hatte ergeben, dass die St.-Marx-Variante die teuerste ist.

Das Rechenergebnis zu Ungunsten des neuen Standorts könnte die Gemeinde Wien und Alexander Wrabetz nicht restlos befriedigt haben.

Es sei denn, dass du fortfahrest bis zur zweiten Rechnung.

Also wurde mit ein bisschen Kreativität nachgerechnet und (mit einer etwas peinlichen Verspätung) das neue Ergebnis präsentiert: Tataaaa! St. Marx ist am – günstigsten!

Wir erinnern uns weiter: Die BUWOG wurde um 961 Millionen Euro an die Immofinanz verkauft. Es war wirklich zum Schenkelklopfen, dass der Zweitbieter (CA-Immo) 960 Millionen geboten hatte. Eine schlanke Million Differenz bei beinahe einer Milliarde Gesamtsumme! Ja gibt’s denn sowas?

Zurück zum ORF: Standort und Betrieb des Rundfunks kosten in allen 3 Varianten jährlich mehr als 30 Millionen Euro. Und was macht diesmal den Ausschlag? 100.000 Euro ist der Standort St. Marx pro Jahr in der – zweiten – Rechnung günstiger. Zum Niederbrechen, oder? So eine sauknappe Angelegenheit.

Vielleicht ist das ja alles nur Zufall. Vielleicht geht’s immer so eng zu, weil mit dem Vermögen von Steuer- bzw. Gebührenzahlern halt so ganz genau gewirtschaftet wird. Vielleicht kann man aber diesmal fortfahren bis zu den Kontrollrechnungen drei und vier – schon alleine, um uns in ein paar Jahren Unschuldsvermutungen und Untersuchungsausschüsse zu ersparen.

Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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