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30. Todestag: Der Mythos Romy lebt

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relevant Redaktion

30. Todestag: Der Mythos Romy lebt

29.05.2012
Nicht weniger als damals bewegen auch heute die Tragik ihres Lebens und ihr viel zu früher Tod.

43 Jahre war Romy Schneider alt, als sie am 29. Mai 1982 in Paris an Herzversagen starb. Zum Anlass ihres 30. Todestages gedenken jene drei Länder, mit denen ihre Biografie am engsten verknüpft war, in Form von Retrospektiven und Ausstellungen "ihrer" Romy: Österreich, die Heimat ihres Vaters Wolf Albach-Retty; Deutschland, woher ihre Mutter Magda Schneider stammte; Frankreich, wo das Ausnahme-Talent zur Film-Ikone reifte.

Die französische Tageszeitung Liberation bestätigt: "In Deutschland begann sie in den 50er-Jahren ihre künstlerische Laufbahn, in Frankreich vollendete sie ihre Karriere; ihre Wurzeln liegen jedoch in Österreich."

Dass sie dennoch keine österreichische Staatsbürgerschaft hatte, obwohl sie in Wien geboren wurde, erklären sich die französischen AutorInnen anhand der historischen Umstände: Romy Schneider wurde im September 1938 - nur wenige Monate nach dem Anschluss - geboren.

Ihre Eltern - beide erfolgreiche Schauspieler - ließen sich bereits wenige Jahre nach ihrer Geburt scheiden. Im Haus ihrer Mutter und ihres Stiefvaters verlebte sie ihre Jugendjahre. Dass diese nicht unbeschwert verliefen, geht aus ihren berührenden Tagebuch-Eintragungen hervor, die vor einigen Jahren veröffentlicht wurden.


Der Sissi-Fluch

Welche Dynamik ihre Karriere als Schauspielerin gewinnen würde, war zu jenem Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen. 17-jährig spielt sie überzeugend und mit unglaublicher Präsenz Elisabeth in der Sissi-Trilogie von Ernst Marischka - und das ohne professionelle Schauspielausbildung.

Eine Rolle, die Fluch und Segen gleichermaßen ist. Denn die Öffentlichkeit will Romy nicht aus der Rolle der lieblichen Kindfrau entlassen. 1958 brennt sie nach Paris durch und beginnt während der Dreharbeiten zu "Christine" eine leidenschaftliche Beziehung mit Alain Delon. Zum Entsetzen der deutschen Presse.


Flucht nach Frankreich

Für Schneider dagegen wird die Flucht nach Frankreich zum persönlichen Befreiuungsschlag und Sprungbrett zu einer beispiellosen internationalen Karriere. Unter der Führung von Regisseur Luchino Visconti nimmt sie Schauspielunterricht, lernt perfekt Französisch und Englisch.

Sie entfremdet sich zusehends ihrer alten Heimat, kehrt aber, nachdem Delon sie nach vier Jahren verlassen hat, nach Deutschland zurück und heiratet den deutschen Regisseur Harry Meyen. Infolge der Geburt ihres Sohnes David zieht sie sich ins Privatleben zurück, fühlt sich jedoch eingeengt und leidet unter der Voreingenommenheit der deutschen Presse. Ihre Ehe scheitert, Romy Schneider kehrt nach Frankreich und auf die Leinwand zurück: An der Seite ihrer einst großen Liebe Alain Delon sorgt sie mit "Der Swimmingpool" für Furore.

Wie besessen dreht Romy Schneider einen Film nach dem anderen und avanciert zum großen Star des französischen Kinos. Mit ihrem zweiten Ehemann Daniel Biasini, der auch der Vater ihres zweiten Kindes Sarah ist, versucht Schneider einen privaten Neuanfang. Doch auch diese Beziehung zerbricht am Alltag.


Film und Leben - für Romy eins

Noch bevor große tragische Ereignisse ihr Leben erschüttern, kämpft sie mit Depressionen; geht dagegen mit Tabletten an.

Ins Auge sticht dabei auch Thilo Wydra von Der Tagesspiegel: "Nicht selten reflektieren die Spielfilme, in denen Romy Schneider mitwirkte, auf frappierende Weise ihr eigenes, reales Leben."

Und dieses bleibt unerfüllt, erinnert sich Eva Seibert von der ARD Tagesschau zurück: "Als Oma im Garten unter Obstbäumen sitzen - so wollte Romy Schneider alt werden. Aber es kam anders."

1979 nimmt sich ihr Ex-Mann Harry Meyen das Leben. Zwei Jahre später stirbt ihr Sohn David bei einem erschütternden Unfall im Alter von nur 14 Jahren. Kurz davor musste ihr infolge ihres jahrelangen Tablettenkonsums eine Niere entfernt werden.

Eine Frau am Ende ihrer Kräfte: "Sie lebte seit drei, vier Jahren mit Mitteln, keine Drogen, aber Pillen, um einzuschlafen, Pillen, um wieder aufzuwachen, um abzunehmen. Sie hat sich vergiftet, bis ihr Herz stehen blieb", erinnert sich ihr Freund und Weggefährte, der Schauspieler Jean-Claude Brialy, im Gespräch mit Der Spiegel im Jahr 2007.


"In einem Atemzug mit Marilyn und Elvis"

Ihr früher Tod, ihr umfangreiches filmisches Wirken, ihre persönliche Tragik, ihre Zerrissenheit - all das formte die Legende, das Phänomen "La Schneider" Umso erstaunlicher ist - nicht nur für Sabine Oelmann von n-tv:

"Sie gehört in die Reihe derer, die zu früh gestorben sind, wird komischerweise aber nie in einem Atemzug mit Marilyn Monroe, Elvis oder James Dean genannt."


Buchtipp

Renate Seydel (Hg.) Ich, Romy: Tagebuch eines Lebens (Langen/Müller, 2007)

Sarah Biasini, Jean-Pierre Lavoignat Romy Schneider: ein Bildband (Edel Germany, 2012)


Ute Rossbacher


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