Quelle: ZAMG

Interviews

Weitere Meinungsthemen

Inside OP - die chirurgische Kolumne

Gelenkzentrum

Dr. Cetin - Inside OP

Fersensporn

15.05.2012
Generell gilt: Ein Fersensporn sollte nur behandelt werden, wenn er auch Beschwerden verursacht.

Was versteht man unter einem Fersensporn?

Ein Fersensporn ist ein knöcherner Sporn an der sohlenwärts gerichteten Seite des Fersenbeines. Die Ursache für seine Entstehung ist eine Ansatz-Tendinitis der Plantarfaszie (Sohlensehne). Darunter versteht man eine entzündliche Reizung im Ansatz der Sohlensehne, die auch für die Ausprägung des Längsgewölbes des Fußes verantwortlich ist.

Man kann daher sagen, dass die Schmerzen an der Ferse primär nicht durch den Fersensporn ausgelöst werden, sondern durch die entzündliche Reizung der Sehne. Die Entwicklung des knöchernen Spornes ist meist nur ein Resultat der Tendinitis (Sehnenentzündung).

Ursachen, die die Entwicklung eines Fersensporns begünstigen, sind eine Abflachung des Fußlängsgewölbes – ein sogenannter Knicksenkfuß – sowie Übergewicht, hartes Schuhwerk und auch vermehrte Belastung durch stehende Berufe.

 

Wie wird ein Fersensporn diagnostiziert?

Die PatientInnen klagen meist nach längeren Belastungen über starke Schmerzen im Fersenbereich. Selten treten auch Schwellungen und Rötungen in diesem Bereich auf. Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich ein umschriebener Druckschmerz am Ansatz der Plantarfaszie. Durch Fersenbeinröntgen-Aufnahmen kann die klinische Diagnose radiologisch bestätigt werden.

 

Wie kann ein Fersensporn therapiert werden?

Eine Therapie sollte nur erfolgen, wenn auch Beschwerden bestehen. Denn eine radiologische Diagnose allein rechtfertigt nicht ein therapeutisches Vorgehen. Ist Übergewicht die Hauptursache, sollte das Gewicht reduziert werden. Rühren die Schmerzen von zu hartem Schuhwerk, sollte auf weiches umgestellt werden.

Zur Haupttherapie des Fersensporns zählt die Verschreibung spezieller Einlagen, die eine Korrektur der bestehenden Fußdeformität – meist der Knicksenkfußes – umfassen. Die Einlagen werden mit einer längsstützenden Gewölbe-Erhöhung und einer Fersenweich-Bettung verordnet, um eine Druckentlastung im Fersenbereich zu bewirken.

Auch sogenannte Locheinlagen mit einer Ausmuldung im Fersenbereich können verschrieben werden. Diese können jedoch an den Lochrändern zu Druckspitzen führen. Daher bevorzuge ich persönlich bei Behandlungen die Fersenweich-Bettung.

Weiters können zur lokalen Therapie Infiltrationen – also Spritzen mit Lokalanästhetica und Cortison eingesetzt werden. Diese Infiltrationen sollten jedoch auf Grund der Schmerzhaftigkeit von der Seite und niemals von der Sohle her durchgeführt werden.

Als weitere Therapiemaßnahmen kann die extrakorporale Stoßwellentherapie in orthopädischen Zentren durchgeführt werden. Diese Therapie erfolgt meist in drei Sitzungen, in deren Rahmen der Fersenbereich mittels hochfrequenter Ultraschallwellen beschossen wird.

Eine operative Therapie des Fersenspornes inklusive Entfernung dieses Knochenspornes dagegen sollte nur sehr zurückhaltend angedacht werden. Denn die klinischen Resultate sind meist nicht sehr befriedigend. Die Entfernung des Knochenspornes kann offen erfolgen, und in manchen Zentren wird auch eine endoskopische Methode angewandt.

 

Wie lange dauert es, bis der Patient wieder schmerzfrei ist?

Generell ist zu sagen, dass sich die Therapie des sogenannten Fersensporns oder auch Plantarfaszitis über einen längeren Zeitraum erstreckt. Leider ist eine schnelle Genesung nur selten zu erreichen, auch wenn man mehrere Therapiemaßnahmen gleichzeitig anwendet. Eine spürbare Verbesserung oder Genesung ist erfahrungsgemäß erst in acht bis zwölf Wochen zu erreichen.

Am wichtigsten sind dabei mit Sicherheit die Anpassung des Schuhwerks und die Verwendung entsprechender Einlagen. Nicht zu vergessen eine entsprechende Gewichtsabnahme zur Entlastung des Fußes.

 

Der Autor: Dr. Erdal Cetin ist Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von minimal-invasiven Methoden der Hüft- und Knieendoprothetik. Kontakt: Endoclinic Wien

Dr. Cetin ist Facharzt für Orthopädie mit Zusatzausbildung in Rheumaorthopädie und Sportorthopädie sowie Spezialist der modernen Gelenkschirurgie. Schwerpunkte sind vor allem der künstliche Gelenksersatz mittels minimal invasiver Methoden und arthroskopische Operationen ("Schlüssellochchirurgie").

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech