Quelle: ZAMG

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FrechDAX - die Wirtschaftskolumne

Der FrechDAX

Bye Bye, Griechenland

14.05.2012
So viel steht jedenfalls fest: Bereits in wenigen Wochen wird es den Euro in seiner aktuellen Form nicht mehr geben. Offen ist nur noch, ob der Euro zur Zahlungsunfähigkeit ganz Europas führen wird, oder ob Griechenland noch rechtzeitig vor dem Untergang die Flucht aus der gemeinsamen Währung erlaubt wird.

Bis ins Jahr 2010 hat Griechenland geschummelt: Durch Meldung vorsätzlich falscher Wirtschaftsdaten wurde die immer katastrophalere Situation des Staatshaushaltes gegenüber offensichtlich komplett unfähigen EU-Finanzbürokraten und blinden Ratingagenturen verschleiert. (Der Bluff hatte Tradition und war ja auch notwendig, damit Griechenland überhaupt erst den Euro einführen konnte.) Im April 2010 war dann aber klar, dass die griechische Regierung nicht mehr in der Lage sein würde, fällige Kredite der zuvor trickreich versteckten astronomisch angestiegenen Staatsschulden zurückzuzahlen.

In den vergangenen beiden Jahren hat Griechenland Hilfspakete in Höhe mehrerer hundert Milliarden Euro erhalten, und im März 2012 wurden Griechenland letztlich auch noch 370 Milliarden Euro an Schulden erlassen. Und was hat das alles gebracht? Nichts, wie jedes Milchmädchen feststellen kann.


Die Wiege der Demokratie - wirtschaflich ein Entwicklungsland

Die Ursache für das Scheitern jeglicher Bemühungen, Griechenland vor einer kompletten Zahlungsunfähigkeit - und damit Hunger, Not und Bürgerkrieg in einem der größten Mitgliedsländer der EU - zu verhindern, sind offenkundig: Griechenland ist wirtschaftlich ein Entwicklungsland! Abgesehen von ein paar wenigen Reedereien und dem Sommertourismus verfügt Griechenland über kaum nennenswerte Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb eine Chance hätten. Während andere Länder ihre Volkswirtschaften geöffnet haben, Staatsbetriebe privatisiert und Unternehmen dazu gezwungen haben, sich fit zu machen für eine liberalisierte globale Wirtschaft, hat Griechenland den gemütlichen Weg gewählt: Protektionismus zur Verhinderung ausländischer Mitbewerber bei gleichzeitig rasanter Anhebung der Löhne hat die Produktivität der griechischen Wirtschaft von einem zuvor bereits sehr bescheidenen Niveau ins Bodenlose fallen lassen.

Steigende Arbeitslosigkeit hat die korrupte politische Kaste durch Aufnahme zig Tausender zusätzlicher unnötiger Beamter im öffentlichen Dienst, für einige Jahre auf Kosten enormer zusätzlicher Staatsschulden verheimlichen können.


Ohne Strukturreform bleibt das Land unrettbar

Nun steht Griechenland mit einem gigantischen Apparat an öffentlichen Bediensteten, einem absurd hohen Gehaltsniveau, einer Wirtschaft ohne Industrie und ohne international konkurrenzfähige Unternehmen und mit Staatsschulden da, deren Zinsen nicht einmal mehr bedient werden können.

Ein Staat der konstant ein Vielfaches dessen ausgibt, was er an Steuern einnimmt, kann nicht funktionieren. Und daran hat sich auch in den vergangenen beiden Jahren seit dem Start der "Rettung" nichts geändert. Keine einzig nennenswerte Strukturreform wurde umgesetzt, so dass alles Geld aus Deutschland, Österreich, Holland und den anderen wenigen Nettozahlern einfach versickerte. Griechenland hat eindrucksvoll bewiesen, dass es nicht zu retten ist. Eine dramatische Reduktion aller Gehälter und die Reduktion der öffentlichen Verwaltung auf einen Bruchteil der aktuellen Mitarbeiterzahl ist politisch nicht umsetzbar, wäre aber erforderlich, um die Ausgaben der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes anzubieten.


Was politisch nicht machbar ist, schafft eine Abwertung

Nachdem alle Reformen gescheitert sind und das Land immer tiefer in den Sumpf gezogen wird, erscheint ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro als einzige Alternative. Denn nur eine eigene Währung würde es so wie vor dem Euro-Beitritt 2001 ermöglichen, die eigene Währung gegenüber stärkeren Volkswirtschaften abzuwerten und damit genau das zu erreichen, was politisch nicht umsetzbar ist: eine Anpassung der Löhne und damit der Kaufkraft.

Wird Griechenland dieser überlebensnotwendige Schritt aus dem Euro in eine eigene Währung nicht ermöglicht, dann wird das Elend in Griechenland weiter anwachsen und in einem Bürgerkrieg enden. Parallel dazu werden die anderen Euroländer noch mehr Geld sinnlos für Kredite an Griechenland verbrennen. Angesichts ihrer selbst sehr hohen Staatsschulden, steigt damit von Tag zu Tag und von Kredit zu Kredit auch das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit für die Nettozahler, denn eines steht fest: Griechenland wird die längst versickerten Kredite niemals zurückzahlen können.

Mutige Entscheidungen wären deshalb gefragt, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und sich der Realität entziehen zu wollen. Wie so oft im Leben, stellt sich "gut gemeint" in der Praxis als das genaue Gegenteil von "gut" heraus. Daran sollten europäische Politiker gerade jetzt denken und ein klein wenig so wie ein Milchmädchen denken.


Der Autor: Werner Becher ist erfolgreicher Unternehmer und Manager, hat als Ex-Bundesparteivorsitzender des Liberalen Forum (LIF) Einblick in die politischen Zusammenhänge. Als bekennender Neoliberaler wirft er in seinem Buch "Weicheier machen nicht satt – Eine Abrechnung mit Feiglingen, Mitläufern und Ja-Sagern" (Goldegg) einen kritischen Blick auf die Zustände in der Welt und zeigt offen sowie schonungslos auf, welche wirtschaftlichen Abgründe uns dadurch erwarten.

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