Quelle: ZAMG

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provokant - die Einserkolumne

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- provokant

Gut, dass Krise ist

11.05.2012
Ein brennender Hut kann den Haircut ersparen.

Die österreichische Regierung will den Anschein wahren, dass in Sachen Transparenzpaket wirklich Gas gegeben wird. Die Ambition ist jedenfalls ein Teilerfolg - und dringend nötig als Gegengewicht zu einem Korruptionsausschuss, der täglich neue Unappetitlichkeiten zutage fördert. Aber, auch wenn es manchmal einen anderen Anschein erweckt, fest steht: Die Meischis, Hocheggers, Grassers & Co. haben ganz sicher nicht erst das - nennen wir es - Lobbying erfunden und diese Reparaturprozesse eingeleitet.

Was aber hinterfragt werden darf: Wären in einer wirtschaftlich florierenden Phase, wenn sowieso der Staatshaushalt flutscht und die Börsel voll sind, originelle Provisionsgebahrungen ein dermaßen präsentes Thema?

Die These ist vielleicht gewagt, aber angesichts der allgemeinen Stimmungs- und Nachrichtenlage (sowie eines Leserwunsches nach einer positiven Kolumne) dringend aufzustellen: Die Krise hat was Gutes!

Budgetverantwortliche müssen jeden Euro umdrehen, das macht den Spielraum für Schlendrian und Trinkgeld kleiner. Viele Medien kämpfen ums Überleben und mit ihnen Journalisten um Exklusivmeldungen, um den eigenen Job zu rechtfertigen; es wird noch genauer hingesehen. Und die Lust der Steuerzahler, steigende Belastungen ohne deutlich erkennbare Gegenleistung auf sich zu nehmen, ist ebenfalls enden wollend.

Oder Europa: Aufgeblähte Verwaltungsapparate und flächendeckendes Steuerhinterziehen warteten etwa in Griechenland und Italien nicht erst seit gestern auf Heilung. Angepackt wird’s aber erst, wenn so richtig der Hut brennt. Was jetzt der Fall ist. Danke, Krise: Endlich werden einige Ungerechtigkeiten beseitigt.

Noch nicht der Hut gebrannt hat bei JPMorgan. Die US-Großbank kam bisher so gut wie unbeschadet durch die weltwirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Jahre und musste daher noch nicht durch die Katharsis der drohenden Pleite. Folgerichtig holt es JPMorgan nun nach, den Lernprozess einzuleiten und hat 2 Milliarden Dollar in ein paar Wochen verzockt.

Gut, dass wir die Krisenstimmung schon kennen. Wer möchte jetzt noch so "dumm aussehen" (JPMorgan-Chef Dimon), bevor er dazulernt?


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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