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provokant - die Einserkolumne

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- provokant

Ausgerechnet die Lehrer können den Ländern Flügel machen

04.05.2012
Eine Wochenschau wie in Beton gegossen.

Beton I

Mit dem Stabilitätspakt wurde ein für allemal bewiesen, dass in Österreich nicht immer alles beim Alten bleiben muss. Es gibt den Mut zu neuen radikalen Wegen sowie den Konsens, dass jetzt finanziell Schluss mit lustig ist. In einem epochalen Schulterschluss wurden frühere Machtkämpfe zwischen Bund und Ländern überwunden, um sich gemeinsam zur Haushaltsdisziplin zu zwingen.

Rausgekommen ist eine Vereinbarung, die hält – außer sie ist schwer einzuhalten. Und wenn sie jemand nicht einhält, passiert auch nichts.

Sogar wenn die eiserne Maria Fekter mit dem Rückenwind des Handlungsbedarfs Anlauft nimmt, verglüht sie an der Phalanx der Landeshauptleute.


Beton II

Jetzt geht es den Austrian Airlines also so richtig dreckig. 67 Millionen Euro Miese im ersten Quartal 2012. Was aber noch lange kein Grund für den Bordbetriebsrat ist, hochdotierte Pilotenverträge, die weder der Zeit noch dem Markt und schon gar nicht dem wirtschaftlichen Zustand der AUA entsprechen, zu hinterfragen. Soll doch der Weltmarkt den Treibstoff verbilligen, bevor wir auf unsere jährlichen Gehaltssprünge verzichten!

Woher das Geld für diverse dienstrechtliche Zuckerl kommen soll, scheint die Hard(air)liner-Gewerkschafter mit staatsbetrieblichen Wurzeln noch nie sonderlich interessiert zu haben. In einem solchen Ambiente gedeiht dann ein Unternehmen, das schon einmal 500 Millionen Euro vom Staat verschlungen hat. Nämlich 2009 – als Mitgift, damit die Lufthansa die AUA "kauft".

Österreich dürfte damit sogar noch recht günstig davongekommen sein. An der wenig privatwirtschaftlich orientierten Unternehmenskultur scheint sich genau gar nichts geändert zu haben. Ein Flieger aus Stahlbeton hebt nicht ab.


Beton III

Apropos 2009: Bildungsministerin Claudia Schmied hat sich damals eine Beule geholt, als sie den Lehrern gleich zwei zusätzliche Unterrichtsstunden pro Woche anhängen wollte. Die Lehrergewerkschaft bot die Stirn und ließ keinen Zweifel daran, wessen Schädel dicker ist.

Jetzt wird ein neuer Versuch gestartet. Allerdings wickeln Fekter und Schmied in feinster Pädagogenmanier Mehrarbeit in Gehaltsplus, personelle Unterstützung im Verwaltungs- und Sozialbereich sowie infrastrukturelle Maßnahmen.

Immerhin: Die Lehrervertreter haben nicht sofort "Njet" von sich gegeben. Sie haben sogar mit einem generösen Unterton die prinzipielle, wenn auch noch auszuhandelnde Machbarkeit des Reförmchens signalisiert.

Wenn ins österreichische Schulsystem endlich Bewegung kommt, können nicht nur Lehrer und Schüler profitieren. Es könnte Signalwirkung haben und die Schüler - also die Entscheidungsträger von morgen - erleben lassen: Beton aus Österreich hat zwar Tradition, ist aber nicht das allerhöchste Gut im Lande.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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