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U-Ausschuss: It’s a dirty job...

30.04.2012
Ignorieren die Wähler die Erkenntnisse, haben Moser & Co. umsonst im Dreck gewühlt.

Der Korruptionsausschuss wühlt sich dankenswerter Weise durch die Senkgrube einer politischen Ära. Dabei hat er’s angesichts der fehlenden Wahrnehmungen, mündlichen Leistungen und entschlagenen Antworten echt nicht leicht.

Die Figur, die fast alle Beteiligten dabei abgeben, ist jedenfalls erbärmlich. Selbst der naivste und optimistischste Wähler kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier entweder geschwiegen wird, bis der Mundgeruch des gärenden Ungesagten den Befragten schon aus den Ohren steigt, oder gelogen wird, dass es beinahe mitleidserweckend ist.

Wenn etwa ein Mathias Reichhold flockige 72.000 Euro mit einer "mündlichen Leistung" oder Gernot Rumpold läppische 600.000 Euro von der Telekom mit ein paar Konzeptzetteln ins reguläre buchhalterische Universum zu beamen versuchen - das ist auf einer Glaubwürdigkeitsebene mit einem erwischten stockbesoffenen Autolenker, der sich lallend auf ein paar genaschte Rumkugeln auszureden versucht.

Der Imageschaden der Politiker ist angerichtet, der wirtschaftliche des Haushalts sowieso schon längst. Interessant ist aber, dass der Imageschaden ziemlich undifferenziert daherkommt. Wenn man sich so umhört und Umfragen ansieht, hat der U-Ausschuss nicht wirklich viel verändert:

Rot und Schwarz gelten offenbar sowieso als die etablierten routinierten Klientelismus-Profis. Wen wundert da Selbstbedienung mit Tradition? Dass die ÖVP sich derzeit insgesamt marginalisiert, ist eher zufällig zeitgleich mit dem Ausschuss. Und Schüssel, der schließlich ganz oben über der Senkgruben-Ära thronte, hat nach wie vor den Ruf eines korrekten, wenn auch vielleicht gegenüber seinen Steigbügelhaltern etwas gutgläubigen Idealisten.

Grün wiederum profitiert genau gar nicht davon, nicht im Morast zu stehen. Hand aufs Herz - wie oft haben Sie schon gehört: "Es sind doch alle Politiker gleich. Hätten die Grünen die Möglichkeit gehabt – sie hätten sich genauso bedient..."? Integrität steht nicht einmal als theoretische Variante zur Debatte.

Und dann ist da noch die FPÖ. Denjenigen, die – wie immer – am lautesten bellen ("rot-schwarzes Proporzsystem"...) quillt auch schon die Gülle zwischen den Zehen hervor. Komischer Weise bleiben die blauen Mitschwimmer Projektionsfläche für Protestwähler. Strache, immerhin Chef der Wiener FP und Nummer 2 der Blauen während der merkwürdigen Rumpold-Geldflüsse, verdrängt laut einer aktuellen Umfrage Faymann sogar von Platz 1.

Wenn schon der Korruptionsausschuss den schmutzigen Job des Kanalräumens übernimmt, dann könnten wir uns erkenntlich zeigen: Ein erster Schritt wäre etwa die eigenen Vorstellungen der Parteienlandschaft mit den Erkenntnissen aus dem U-Ausschuss abzugleichen.


Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at

sascha.bem[at]relevant.at

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