Quelle: ZAMG

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Dr. Cetin - Inside OP

Wenn die Achillessehne reißt

17.04.2012
Mit durchschnittlich 600 Fällen im Jahr ist sie die häufigste Sehnenruptur in Österreich.

Die Achillessehne ist eine sehr kräftige Sehne, die den Ansatz der Wadenmuskulatur am Fersenbein bildet. Die häufigste Rupturstelle (Rissstelle) liegt circa vier cm oberhalb des Achillessehnenansatzes am Fersenbein. Bei Jugendlichen etwa kommt es häufiger zu einem knöchernen Ausriss am Fersenbein, einer sogenannten Entenschnabelfraktur.

Die Achillessehne kann komplett oder partiell reißen - Verletzungen, die vor allem bei Sprint- und Sprungbelastungen auftreten. Aber nicht nur Sportler haben unter Achillessehnenrupturen zu leiden. Auch untrainierte PatientInnen mit einer nur gelegentlich höheren Belastung im Achillessehnenbereich verletzen sich bei Stop-and-Go-Sportarten leicht. Ausgelöst werden diese Teil- oder Komplettrisse durch abrupte, unkontrollierte Belastungen - seltener durch ein direktes Trauma.

In den meisten Fällen liegen bereits Vorschädigungen der Achillessehne vor – mit kleinen Mikrorissen, die dann bei ungewohnter erhöhter Spitzenbelastung im Achillessehnenbereich zu einer Komplettruptur führen können.

Seltenere Ursache für Vorschädigungen bzw. Risse der Achillessehne ist eine sogenannte Haglund-Ferse. Bei dieser Erkrankung liegt eine sehr ausgeprägte Ausformung des Fersenbeines vor, wodurch es zu chronischen Reizungen der Achillessehne und zu Schleimbeutelentzündungen kommen kann. Damit steigt das Risiko, eines Tages einen Achillessehnenriss zu erleiden. Liegen derlei Reizungen vor, sollten lokale Injektionen im Achillessehnenbereich nur mit Bedacht eingesetzt werden. Denn Cortisonpräparate, die zur Linderung der Schmerzen beitragen, können bei direkter Verabreichung in das Sehnengewebe zu einer erhöhten Rupturgefahr führen.

 

Wie erkenne ich eine Achillessehnenruptur?

Die Wadenmuskulatur, deren Ende die Achillessehne bildet, ist verantwortlich für die sogenannte Plantarflexion des Fußes - sprich: das Abwärtssenken des Fußes Richtung Boden. Kommt es zu einer Achillessehnenruptur, kann der Patient zwar stehen und gehen, den Fuß jedoch nicht mehr aktiv gegen den Boden richten.

Meist ist der Riss der Achillessehne mit einem imposanten knallartigen Geräusch und einem stechenden Schmerz verbunden. Ein weiterer Hinweis: eine tastbare Delle im Achillessehnenbereich. Der Patient kann – wie bereits erwähnt – nicht mehr aktiv den Fuß gegen den Boden richten und der Einbeinzehenstand ist nicht mehr möglich.

Weitere Hinweise liefert der sogenannte Thompson-Test. Normalerweise kommt es bei der Kompression der Wadenmuskulatur durch den behandelnden Arzt zu einer Gelenksbewegung des Fußes, was jedoch bei einem Riss der Achillessehne nicht mehr möglich ist.

Radiologisch kommt die sogenannte Sonographie zur Anwendung, sprich: eine Ultraschalluntersuchung. Bei dieser kann der Riss der Sehne sichtbar gemacht werden. Zusätzlich sollte trotzdem noch eine Röntgenuntersuchung des Rückfußes durchgeführt werden, um auch knöcherne Absplitterungen und Abrisse auszuschließen.

 

Wie gehe ich bei einer akuten Achillessehnenruptur vor?

Unmittelbar nach dem Riss sollten der Rückfuß und der Achillessehnenbereich gekühlt werden. Frische Risse, das heißt bis zu drei Wochen alt, werden operiert. Dazu gibt es verschiedene Operationstechniken, etwa die End-zu End-Sehnennahttechnik, bei der die Sehnenstümpfe durch spezielles Nahtmaterial miteinander fixiert werden.

Es werden auch schon perkutane Nahttechniken angewandt. Das sind Techniken, bei denen sozusagen durch die Haut operiert wird und keine großen Wundöffnungen mehr nötig sind.

Bei älteren Rupturen, bei denen es schon zu einer Retraktion (Schrumpfung) der Stumpfenden gekommen ist, müssen plastische Verfahren angewandt werden. Dabei werden vor allem Umklapp-Plastiken mit zusätzlicher Einflechtung naheliegender Sehnenteile durchgeführt. Meistens erfolgt eine Klapp-Plastik des oben liegenden Stumpfes mit Durchflechtung der benachbarten Plantaris-longus-Sehne. Falls ein knöcherner Ausriss am Fersenbein vorliegt, muss dieser per Verschraubung fixiert werden.

 

Wie lange dauert die Nachbehandlung und sieht sie aus?

Unmittelbar nach der OP wird der Patient mit einem Unterschenkelgips in 30-grädiger Spitzfußstellung versorgt. Dieser wird für fünf bis sieben Tage getragen. Anschließend soll für weitere sechs bis acht Wochen ein Achillessehnen-Entlastungsschuh getragen werden, der es dennoch ermöglicht, betreute Bewegungsübungen durchzuführen - am besten in den ersten drei Wochen.

Ab der fünften Woche kann bereits mit leichtem Training am Fahrrad-Ergometer, isometrischen und Koordinationsübungen begonnen werden. Ab der neunten Woche sind eine Mobilisierung ohne Entlastungsschuh, leichtes Lauftraining und mäßiges Krafttraining möglich.

Prinzipiell ist zu sagen, dass dieses Nachbehandlungsschema eine Empfehlung ist und die eigentliche Nachbehandlung dem jeweiligen Patienten individuell anzupassen ist. Änderungen des Nachbehandlungsschemas sind vor allem dem Aktivitätszustand des Patienten vor dem Riss seiner Achillessehne und dem Zustand der Muskeln geschuldet.

Regelmäßige sportliche Belastung sind frühestens ab dem vierten Monat möglich; wettkampfmäßiges Training und Turniersport überhaupt erst wieder nach sechs Monaten.

 

Der Autor: Dr. Erdal Cetin ist Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von minimal-invasiven Methoden der Hüft- und Knieendoprothetik. Kontakt: Endoclinic Wien

Dr. Cetin ist Facharzt für Orthopädie mit Zusatzausbildung in Rheumaorthopädie und Sportorthopädie sowie Spezialist der modernen Gelenkschirurgie. Schwerpunkte sind vor allem der künstliche Gelenksersatz mittels minimal invasiver Methoden und arthroskopische Operationen ("Schlüssellochchirurgie").

 

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