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Danke, Dame Edna!

05.04.2012
Dame Edna - Ikone des Fernsehens und der Bühne - geht in Pension. Nicht jedoch, ohne dass wir noch einmal über ihre legendären Pointen und Auftritte gelacht haben.

Schauspieler Charlton Heston das Käsefondue auf seiner Hose statt dem Teller zu servieren.

Sich demonstrativ mit aufgespanntem Schirm vor der feuchten Aussprache älterer Studiogäste zu schützen.

Beim Wiener Opernball im unpassendsten Moment um die Aufmerksamkeit von Bundeskanzler Vranitzky zu buhlen ("Fraaaaaaaaaaaaunz!").

Ungebeten zweifelhafte Komplimente zu verteilen ("In Australien haben Sie kürzlich Fossilien von alten Frauen gefunden. Die hatten ja ein wenig Ähnlichkeit mit dir da, little darling!").

Frech gewordene Talk-Gäste zur Ordnung zu rufen ("Sehen Sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen rede!").

Und gekonnt unkorrekt über die Royals zu Felde ziehen ("Die Queen hat mir da neulich so einen Hut geschickt ... so einen hätte eigentlich Camilla nötig. Aber mir schenken sie sowas!").

... auf all das versteht sich Dame Edna meisterlich.


Ein Leben für Edna

Die glamouröse Kunstfigur, der der australische Komiker, Schriftsteller und Landschaftsmaler Barry Humphries (* 17. Februar 1934) Leben einhaucht, zieht sich noch in diesem Jahr von den Bühnen und Fernsehbildschirmen dieser Welt in die wohlverdiente Rente zurück.

Der großen Fangemeinde, die sich die mit mauvefarbener Perücke, Glamourbrillen und pompösen Kleidern ausgestattete Dame Edna im Lauf der vergangenen Jahrzehnte weltweit erobert hat, bleiben zum Trost zahlreiche DVD-Mitschnitte von den Highlights ihrer legendären Shows, die vor Jahren auch im Spätabendprogramm des ORF zu sehen waren.

Mit Liebe zum Detail hat Humphries seine Figur so authentisch entwickelt, dass man gar nicht anders kann, als zu vergessen, dass es Dame Edna im wahren Leben gar nicht gibt. So eine Oma hätte man gern oder so eine Freundin, denken sich offenbar immer wieder zahlreiche ZuseherInnen, die sich sogar ratsuchend an sie wenden. Auf die Frage einer um ihre pubertierenden Kinder besorgten Mutter antwortet Edna mütterlich-generös: "Ich sag' immer: Lasst eure Kinder Fehler machen!"

Und man glaubt ihr sofort, dass sie aus eigener Erfahrung spricht, wenn sie über ihre drei erwachsenen Kinder öffentlich ablästert: Tochter Valmai, die im Rehabilitationsprogramm für Ladendiebe hängengeblieben ist, oder Bruce und Kenneth, deren offensichtliche sexuelle Neigungen sie - zur großen Belustigung des Publikums - peinlich berührt übergeht.


Es lebe die Ikone

Stattdessen säuselt sie lieblich ihren zahlreichen Fans, die sie abwechselnd "darlings" und "possums" (Beutelratten) nennt, entgegen: "Gott, seid ihr alle alt geworden! Und seht mich an - ich habe mich so gar nicht verändert. Aber wann ist das Leben schon fair gewesen?".

Bei ihrer Ausstrahlung ist es denn auch kein Wunder, wenn sich sogar Hollywood um sie reißt, wie sie in ihre Plaudereien einfließen lässt. Und in diesem Zusammenhang auch gleich erklärt, warum sie die Rolle der Frida Kahlo im gleichnamigen Film lieber Selma Hayek überlassen hat: "Mich wollten sie, sie war ja nur zweite Wahl. Aber ich wollte halt keine Frau mit Oberlippenbart und einer riesigen Augenbraue spielen ... Und verstehen Sie mich jetzt nicht falsch. Ich bin keine Rassistin. Ich mag ja sogar Katholiken."

Keine/r, der von ihren treffsicheren Sagern verschont bleibt oder nicht die volle Exzentrik der mit dem Tony Award ausgezeichneten Dame Edna zu spüren bekommt. Woher das rührt, erklärt sie nur zu bereitwillig: "Ich darf mich glücklich schätzen, denn ich wurde mit einem Geschenk gesegnet: der Gabe, über die Missgeschicke anderer herzhaft lachen zu können."

Um zu ergänzen, was auch ihr Schöpfer Barry Humphries betont: "Brauchen wir nicht gerade in einer Welt wie dieser mehr denn je einen Grund zum Lachen?"

Für Lacher hat die Ikone Dame Edna in ihrem Leben reichlich gesorgt, wenngleich sie zu dem Thema "Ikone" auf ihrer Website so ihren eigenen Zugang hat: "Ich war kürzlich in Sydney Abendessen, als plötzlich so eine dumme Frau im Lokal sagt: 'Dame Edna, ich kann es nicht glauben. Ich sitze am Tisch mit zwei Ikonen!' Da schnappte ich jetlag-geplagt zurück: 'Ich kann hier außer mir keine erkennen!'"

Als sich herausstellt, dass noch eine junge Popsängerin zugegen ist, die ihr Besteck "wie Amerikaner" benutzt, wie Dame Edna abschätzig registriert, kapituliert sie endgültig: "Ikone ist eben ein abgenutzter Begriff." Aber in ihrem Fall keinesfalls zu hoch gegriffen!


Die Rückversicherung der Dame Edna

Sicher ist, dass Dame Edna auch im Ruhestand dank ihrer legendären und langlebigen Pointen noch lange nicht in Vergessenheit geraten wird. Und für den Fall, dass sie es sich noch einmal anders überlegen sollte, hat sie schon vorgesorgt, als sie ihre vergangene Tournee bezeichnend "My First Last Tour" nannte.


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


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