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Dr. Cetin - Inside OP

Meniskusschaden: Defekt im "Stoßdämpfer" des Knies

02.04.2012
Früher wurde entfernt, jetzt ist die "Reparatur" Routine.

Im Kniegelenk finden sich zwei, halbmondförmige Menisci, jeweils im inneren und äusseren Gelenksspalt. Sie dienen zum Ausgleich der Inkongruenz (= nicht völlige Übereinstimmung der Kontaktflächen) zwischen dem Oberschenkel sowie dem Unterschenkel und haben daneben, aufgrund ihrer Struktur aus kollagenem (= gallertartigem) Gewebe, einen Puffereffekt, der Stossbelastungen gut abfangen kann.

Meniskusverletzungen gehören zu den häufigsten Sportverletzungen, wobei der Innenmeniskus öfter betroffen ist als der Außenmeniskus. Die meisten Verletzungen entstehen aufgrund von Vorschädigungen im Meniskusgewebe und seltener aus primär traumatischen Ereignissen. Aber nicht nur Sportler sind betroffen: Im Laufe des Lebens wird nämlich die Struktur des Meniskus immer spröder und verliert an Elastizität. Dadurch ist er anfälliger für Rissbildungen, auch bei relativ geringen Belastungen.

Die häufigste Ursache für direkt traumatische Meniskusrisse sind im Rahmen der sportlichen Betätigung – vor allem "Stop and Go"-Sportarten wie Tennis, Fußball, aber auch Skisport. Hierbei können Kombinationsbewegungen, wie Drehung und Beugung, bei gleichzeitigem erhöhtem Druck zu einer Verletzung des Meniskus führen. Daher ist prophylaktisch eine gut entwickelte Oberschenkelmuskulatur von Nutzen, die die großen Belastungsspitzen auf das Kniegelenk beim Sport auffangen kann und damit das Risiko eines Risses minimiert. Je nach Form des Risses unterscheidet man Horizontarisse, radiäre Risse, Korbhenkelrisse und weitere, eher seltenere Sonderformen.

 

Erkennungszeichen: Welche klinischen Zeichen findet man bei Meniskusverletzungen?

Der betroffene Patient bemerkt meistens einen stechenden Schmerz im entsprechenden Gelenksspalt. Nur selten entwickelt sich ein Riss schleichend und macht erst allmählich Probleme. Je nach Lokalisation kommt es zu Schmerzen bei Innen- oder Außendrehung, Schmerzen im Schneidersitz sowie auch Blockierungsphänomene mit Streck- oder Beugehemmung. Oft ist der Riss mit einem akuten Anschwellen des Kniegelenkes, dem Kniegelenkserguss verbunden. Wenn sich ein Teil des Meniskus nach hinten, in Richtung Gelenkskapsel einschlägt, kann der Patient oftmals das Bein nicht ganz durchstrecken. Wichtig ist bei der Untersuchung auch die Diagnose anderer Strukturen im Kniegelenk, da oft Kombinationsverletzungen – vor allem mit dem Seitenband und vorderen Kreuzband vorliegen.

 

Diagnose

Neben der klinischen Untersuchung ist vor allem die magnetresonanztomographische Diagnostik zielführend. Man unterscheidet hierbei vier Grade der Meniskusläsion, wobei beim höchsten Grad eine komplexe Rissbildung vorliegt. Begleitend findet man oft auch Gelenksergüsse, die deutlich im MRT zu sehen sind. Neben der bildgebenden Diagnostik ist in diesen Fällen auch eine Punktion des Kniegelenks zum Gewinn der Ergussflüssigkeit wichtig, da man anhand des Ergusses auch Hinweise auf die Art des Risses bekommt. Bei serösen Ergüssen, d.h. bei gelblich klaren Ergüssen liegt meist ein basisferner Riss vor, während bei blutigen Ergüssen ein Riss bis zur Basis vorliegt.

 

Operative Therapie

Die arthroskopische Meniskusteilresektion (teilweise Entfernung) oder auch arthroskopische Meniskusrefixation (Wiederherstellung, etwa durch Naht) sind häufige Eingriffe in der Unfallchirurgie und Orthopädie. Die Meniskusrefixation sollte nur frischen und kapselnahen Rissen vorbehalten bleiben. Weiters sollte keine degenerative Vorschädigung des Kniegelenks – wie zum Besipiel eine starke Knorpelschädigung – vorliegen. Der Patient muss sich im Bilde sein, dass der Heilverlauf bei Meniskusrefixationen über Monate dauert und dass eine volle sportliche Betätigung frühestens nach 3-4 Monaten möglich ist.

Bei der Meniskusnaht wurden verschiedene Techniken beschrieben, wobei die sogenannte "All Inside" Technik mit speziellen Fadensystemen derzeit weit verbreitet ist. Diese Systeme ermöglichen eine schnelle und genaue Fixation ohne zusätzlichen Zugang von außen.

Die klassische arthroskopische Meniskusteilresektion sollte so viel Meniskusgewebe wie nötig, aber so wenig wie möglich wegnehmen. Die Vorteile der Meniskusteilresektion liegen in der schnellen Mobilisierung des Patienten, oft sogar ohne Entlastung und daher ohne Krücken. Bei entsprechend kräftiger Muskulatur ist auch die frühe sportliche Betätigung wieder möglich.

Zusammenfassend sollte – wenn möglich und bei geeigneter Indikation – ein Meniskus refixiert werden, da die Menisci, im Gegensatz zu früheren Meinungen, sehr wichtig für die Biomechanik des Kniegelenks sind. Die komplette Entfernung eines Meniskus – wie vor einigen Jahrzehnten noch üblich! – ist obsolet. Die arthroskopische Technik ermöglicht aufgrund neuer Verankerungsverfahren eine schnelle und genaue Rekonstruktion.

 

Der Autor: Dr. Erdal Cetin ist Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von minimal-invasiven Methoden der Hüft- und Knieendoprothetik. Kontakt: Endoclinic Wien

Dr. Cetin ist Facharzt für Orthopädie mit Zusatzausbildung in Rheumaorthopädie und Sportorthopädie sowie Spezialist der modernen Gelenkschirurgie. Schwerpunkte sind vor allem der künstliche Gelenksersatz mittels minimal invasiver Methoden und arthroskopische Operationen ("Schlüssellochchirurgie").

 

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