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Tornado Warning!

22.03.2012
Fotos, Videos, Filme und Blog-Berichte aus dem Auge des Sturms.

Dass Spielfilme über Tornados in den USA von Kritikern mehrheitlich geschmäht oder verrissen werden, kann einen wahren Anhänger von Katastrophenfilmen nicht erschüttern. Da braucht's schon einen F5 (Tornado mit einer Geschwindigkeit zwischen 419 und 512 km/h) wie im 1996 produzierten Kino-Blockbuster "Twister" (übrigens der erste Film, den es auf DVD gab), der sich neben den aufwendigen Spezialeffekten vor allem durch seine herzzerreißenden Dialoge im Bewusstsein der ZuseherInnen verewigt hat:

"Hör' auf in der Vergangenheit zu leben und sieh', was du vor dir hast!", schreit der Meteorologe Bill (Bill Paxton) seiner tobenden Ehefrau und Berufskollegin JoAnne (Helen Hunt), die als Kind ihren Vater durch einen F5 verlor, im buchstäblichen Sturm der Gefühle entgegen. Auf ihre verwirrte Gegenfrage "Was meinst du damit?" hilft er ihr - während sich bereits der nächste Tornado ankündigt - noch eilig auf die Sprünge: "Mich!"

Sie sehen: Was im wahren Leben eine lebensbedrohliche Gefahr für Mensch und Tier ist, wird im Drehbuch zur beliebten Kulisse für pathetische Versöhnungen aber auch glückliche Fügungen der offenbar unbeabsichtigt makaberen Art wie im TV-Klassiker "Twisters - Die Nacht der Wirbelstürme" (1996), in der der krisengebeutelte Sportwarenhändler Jack Hatch wohl insgeheim aufatmet, als der örtliche Bankstellenleiter, der so hartnäckig auf der Kreditbremse gestanden hat, im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verweht wird.


Naturphänomen von bizarrer Schönheit

Abseits der Filmwelt sind Tornados ein Thema, das Meteorologen ernsthaft beschäftigt. Denn die Vorwarnzeit für die gewaltigen Stürme ist - ähnlich wie bei Erdbeben - immer noch zu kurz, die Zahl der Todesopfer und Verletzten entsprechend hoch. Allein im vergangenen Jahr kamen mehr als 500 Menschen in den USA zu Tode.

Erschwerend kommt hinzu, dass Häufigkeit und Heftigkeit der Unwetter deutlich zugenommen haben und verheerende Tornados vermehrt auch außerhalb der klassischen Wirbelsturm-Saison zwischen Mai und Oktober ganze Landstriche verwüsten; zuletzt vor wenigen Wochen, als rund 100 Tornados innerhalb weniger Tage über insgesamt zehn US-Bundesstaaten hinwegrasten, wie Sebastian Weber von ServusTV in seinem Blog-Report Tornados: Die Hand Gottes dokumentiert.

Seriöse Reportagen, Berichte und Sendungen vermitteln neben interessanten Hintergründen über die Entstehung dieses Wetterphänomens die bizarre Schönheit der Rüsselwolken, die sich bis zur Erde schlängeln und im Licht der aufgeladenen Luft surrealen Kunstwerken gleichen.

Das verdeutlichen eindrucksvoll die vielfach preisgekrönten Aufnahmen des Fotografen Jim Reed. Schon ein Blick auf seine Website reicht dazu aus. Wer sich an den unglaublichen Bildern nicht satt sehen kann, findet noch reichlich Material in seinem empfehlenswerten Bildband "Storm Chaser: A Photographer's Journey", der beim New Yorker Verlag Abrams erschienen ist.

Der 1961 in Georgia geborene und heute in Kansas lebende Reed gilt übrigens als ausgewiesener Tornado-Experte, dessen Rat auch im Weißen Haus gefragt ist.

Was Reed für die Fotografie ist, ist er für den Film: Filmemacher Sean Casey kommt Tornados lebensgefährlich nahe, um gute Bilder zu ergattern. Diese bereichern derzeit auch die Doku-Reihe Storm Chasers in dem Fernsehsender Discovery Channel. Darüberhinaus hat Casey acht Jahre lang Material für seinen Dokumentarfilm Tornado Alley gesammelt, der von Fans mit Spannung erwartet wird.


Tornados, rein wissenschaftlich

VORTEX 2 (Verification of the Origins of Rotation in Tornadoes Experiment 2) nennt sich das größte wissenschaftliche Tornado-Projekt aller Zeiten, an dem mehr als 100 Wissenschafter und Studenten arbeiten. Mittels ausgeklügelter Technik und Radar sollen die Entstehung und die Zusammensetzung von Tornados bzw. die Abläufe vor, während und nach eines Wirbelsturms erforscht werden.

Auch bei dem bis zum Wochenende laufenden Extremwetterkongress in Hamburg werden die aktuellen Forschungsergebnisse aus den USA vermutlich Thema sein. Für ihre Tagung werben die Veranstalter auf ihrer Website übrigens mit einem preisgekrönten Bild von Jim Reed, wie dieser freudig in seinem Twitter-Blog vermeldet.


In sicherer Entfernung live dabei

Gerade die dortigen Einträge sind es, die die Unmittelbarkeit der Ereignisse lebhaft vermitteln: Sei es, dass gerade eine lokale Sturmwarnung herausgegeben wurde oder Sturmjäger bei ihren Fahrten über Land entstehende Tornados beobachten und live darüber berichten. Die meisten dieser Meteorologen stammen aus dem Tornado Alley - jene Bundesstaaten, in denen die heftigsten Tornados verzeichnet werden (Texas, Oklahoma, Kansas, Missouri, Nebraska und South Dakota).

Wer das weite Themenfeld weiter erkunden möchte, wird sicherlich an einem der folgenden Blogs und Twitter-Seiten Gefallen finden - stürmische Begeisterung garantiert:

Mike Bettes, Michael G. Phelps, Chris McBee, Ryan McGinnis, Tommy Self, Tennessee Valley Storm Chasers, Texas Storm Chasers, Warren Faidley


Buchtipps

Mike Hollingshead, Eric Nguyen, Chuck Doswell Adventures in Tornado Alley: The Storm Chasers (Bildband) - Thames & Hudson

Jim Reed Storm Chaser: A Photographer's Journey (Bildband) - Abrams

Sebastian Junger Der Sturm - Heyne


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


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