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Dr. Cetin - Inside OP

Spielverderber, nicht nur für Kicker: Kreuzbandruptur

20.03.2012
Routine, aber kein Klacks: Ersatz finden für ein wichtiges Band.

Vorab: Sowohl das vordere als auch das hintere Kreuzband sind essentiell für eine gute Mechanik des Kniegelenks, sodass Verletzungen zu deutlichen Instabilitäten des Kniegelenks führen.

Am häufigsten ist die Ruptur (der Riss) des vorderen Kreuzbandes auftretend im Rahmen von sportlicher Betätigung. Häufigste Sportart assoziiert mit Kreuzbandrupturen sind Fußball und Skifahren, wir alle kennen das aus dem Bekanntenkreis oder aus den Sportnachrichten.

Dabei kommt es meist zu einem kombinierten Bewegungstrauma – vor allem Beugung und Außenrotation des Kniegelenks bei gleichzeitiger Valgusstellung (X-Bein) des Beines. Die seltene Ruptur des hinteren Kreuzbandes tritt hingegen meist bei Anpralltraumen auf.

 

Klinische Untersuchung

Bei Verdacht auf ein Kreuzbandtrauma sollte immer im Seitenvergleich und auch im Hinblick auf Kombinationsverletzungen mit Seitenband und Meniskus untersucht werden. Bei Kreuzbandläsionen kommt es zu typischen Instabilitäten, mit sogenanntem "positiven Schubladentest": Ist das vordere Kreuzband verletzt, lässt sich der Unterschenkel in Relation zum Oberschenkel charakteristischerweise weit nach vorne führen (positiver, vorderer Schubladentest). In gegengesetzter Richtung erfolgt dies bei Verletzung des hinteren Kreuzbandes (postiver, hinterer Schubladentest). Weiters tritt bei traumatischen Kreuzbandverletzungen ein blutiger Erguss im Kniegelenk auf.

 

Diagnostik

Die bildgebende Diagnostik sollte immer Röntgenbild des Kniegelenkes in zwei Ebenen enthalten, um knöcherne Begleitverletzungen – wie z. B. Tibiakopffrakturen (Kopf des Schienbeines) oder knöcherne Bandausrisse beurteilen zu können. Das klassische diagnostische Verfahren ist die magnetresonanztomographische Untersuchung, wobei bei modernen Geräten bereits auch eine Beurteilung einzelner Strukturen der Bänder erfolgen kann.

 

Operative Therapie

Die Entscheidung zur operativen Therapie sollte im Hinblick auf Alter, sportliche Aktivität und subjektives Instabilitätsgefühl des Patienten erfolgen. Ist der Patient nicht sehr sportlich aktiv und fühlt sich nicht in ihrem oder seinem alltäglichen Leben behindert, kann man von einer operativen Sanierung der Kreuzbandruptur absehen. In diesem Fall ist dann eine muskuläre Kompensation der Instabilität vonnöten, so dass ein gezielter Muskelaufbau erfolgen muss.

Muss sehr wohl operiert werden, so ist das Standardverfahren für die Kreuzbandrekonstruktion die arthroskopische Technik. Dabei sind vor allem zwei Methoden mit verschiedenen Sehennrekonstruktionen von Bedeutung:

Die zum Ersatz des Kreuzbandes verwendete Sehne ist entweder die Patellasehne (Kniescheibenband) mit anhängenden Knochenblöcken (Bone-Tendon-Bone Technik) oder die Hamstrings mit Semitendinosus und/oder eventuell Gracilissehne (Muskelgewebe am Oberschenkel).

Verschiedene Verankerungstechniken und Transplantatfixationstechniken wurden beschrieben (resorbierbare Schrauben, Endo-Button = Schlaufe mit Titan-Endstück). Des Weiteren hat sich in den letzten Jahren auch die sogenannte Doppelbündeltechnik durchgesetzt, wobei jeweils die einzelnen Bündel des vorderen Kreuzbandes ersetzt werden.

Der Vorteil der Bone-Tendon-Bone-Technik liegt in der festen Verankerung. Die Nachteile liegen im Bereich der Entnahmestelle, da hier ein knöcherner Teil des Unterschenkelknochens und auch der Kniescheibe mit entfernt werden muss, was häufig zu Knieschmerzen und auch in seltenen Fällen der Gefahr der Patellafraktur (Kniescheibe) führt.

 

Derzeit weitverbreitet ist die Semitendinosus-Technik, wobei die Sehne über einen kleinen Schnitt vom Unterschenkel entnommen werden kann. Die Nachteile dieser Technik sind meist sehr gering, am ehesten noch Blutergüsse im Bereich der Entnahmestelle. Die restliche Operation erfolgt in rein arthroskopischer Technik, so dass keine größeren Schnitte mehr nötig sind.

Die postoperative Rehabilitation erfolgt unmittelbar nach Operation und zeitlich begrenzt, je nach Technik, für 4-6 Wochen. Nach 4 Wochen ist bereits eine Belastung mit dem ganzen Körpergewicht möglich, sportliche Betätigung sollte erst 3 Monate nach Operation durchgeführt werden. Wettkampfsport im professionellen Bereich ist frühestens nach 6 Monaten möglich.

Für alltägliche Belastungen sind Sie nach einer Kreuzband-OP also recht bald wieder gewappnet. Die monatelangen Pausen erklären, warum die Verletzung aber bei Sportlern so gefürchtet ist.

 

Der Autor: Dr. Erdal Cetin ist Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von minimal-invasiven Methoden der Hüft- und Knieendoprothetik. Kontakt: Endoclinic Wien

Dr. Cetin ist Facharzt für Orthopädie mit Zusatzausbildung in Rheumaorthopädie und Sportorthopädie sowie Spezialist der modernen Gelenkschirurgie. Schwerpunkte sind vor allem der künstliche Gelenksersatz mittels minimal invasiver Methoden und arthroskopische Operationen ("Schlüssellochchirurgie").

 

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