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Dr. Cetin - Inside OP

Koxarthrose - Erfolgsgeschichte für die Chirurgie

12.03.2012
Hunderttausende werden jährlich alleine im deutschsprachigen Raum operiert.

Unter einer Koxarthrose versteht man degenerative Veränderungen des Hüftgelenkes mit einer deutlichen schmerzhaften Funktionsminderung. In den letzten Jahren kam es zu einer deutlichen Vermehrung der Koxarthrosefälle, bedingt vor allem auch durch die steigende Lebenserwartung.

Man unterscheidet prinzipiell zwei Arten von Koxarthrosen, die primäre und die sekundäre Koxarthrose. Die primäre Koxarthrose hat unbekannte Ursachen und beginnt gewöhnlich nach dem 60. Lebensjahr. Bei der sekundären Koxarthrose kommt es zu einer Abnützung des Hüftgelenks aus nicht vollständig ausgeheilten Hüftgelenkserkrankungen. Häufige Ursachen für sekundäre Koxarthrosen sind die Hüftdysplasie, rheumatischen und bakteriellen Entzündungen der Hüfte sowie posttraumatischen Ursachen (Spätfolgen von Verletzungen).

Eine weitere, nicht unbedeutende Ursache ist ein so genanntes femoroacetabuläres Impingement, bei dem es zu einer frühzeitigen Abnützung der Hüfte durch ein Anschlagen zwischen Hüftkopf und Hüftdach bei bestimmten Bewegungen kommt. Sprich: Das Gelenk läuft nicht "rund".

Sonstige Faktoren, die eine Entwicklung einer Koxarthrose bedingen, sind Übergewicht, Überbelastung (viele Ex-Sportler laborieren daran!) und sonstige Arthropatien, d.h. Gelenkserkrankungen auf stoffwechselbedingter oder hämatologischer Basis.

 

Welchen klinischen Befund zeigt nun die Koxarthrose?

Es kommt verfrüht - also bei zu geringen Belastungen - zu Schmerzen im Bereich der Leiste und im Gesäß mit Schmerzausstrahlung bis in den Oberschenkel und manchmal auch bis in das Knie. Es kommt darüber hinaus zu charakteristischen Anlaufschmerzen in diesem Bereich, d.h. Schmerzen bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen, welche erst nach längerem Gehen besser werden. Generell kommt es zu einer deutlichen Bewegungseinschränkung der Hüfte, die maximale Gehstrecke ist reduziert. Probleme treten auch beim Treppensteigen und beim Schuh- und Strumpfanziehen auf. Öfters zeigen die Patienten ein deutliches Schmerz- und Schonhinken.

Bei der Palpation (Betasten durch den Arzt) der Hüfte zeigt sich ein deutlicher Kapseldruckschmerz und auch Druckschmerz über dem großen Rollhöcker an der Außenseite der Hüfte. Charakteristischerweise kommt es frühzeitig zu einer Einschränkung der Innenrotation und Abduktion der Hüfte, d.h. des Einwärtsdrehen und des Abspreizens der betroffenen Extremität. Im Endstadium der Koxarthrose zeigt sich ein sogenannter "wackelsteifer" Befund, bei der fast alle Beweglichkeit der Hüfte aufgehoben ist.

 

Radiologische Diagnostik

Eine Beckenübersichtsaufnahme im Stehen und eine Röntgenaufnahme der betroffenen Hüfte in zwei Ebenen ist meist für eine Diagnose ausreichend. Im Frühstadium sollte zum Ausschluss eines femoroacetabulären Impingement (siehe oben) auch eine magnetresonanztomographische Untersuchung durchgeführt werden. Typisch für einen Koxarthrosebefund am Röntgen ist eine Gelenkspaltverschmälerung (der Zwischenraum zwischen Gelenkskugel und Pfanne verschwindet), Knochenanbauten und die Ausbildung sogenannter Geröllzysten am Pfannendach und im Hüftkopf. In Spätstadien kann es zu einer kompletten Deformierung des Hüftkopfes kommen.

 

Therapie der Koxarthrose

Vor einem operativen Eingriff sollte auf jeden ein konservativer Therapieversuch – vor allem in Frühstadien der Koxarthrose unternommen werden. Dazu gehören die Reduktion eines vorhandenen Übergewichts, maßvolle sportliche Tätigkeit im Sinne von Schwimmen, Radfahren und gezielter Gymnastik. Nicht geeignet sind Stop- and- Go Sportarten wie Tennis, Squash und sonstige Ballsportarten mit erhöhter Sprungbelastung.

Generell ist zu sagen, dass maßvolle sportliche Tätigkeit für ein arthrotisch verändertes Gelenk von Nutzen ist. Weiters sollte eine physikalische Therapie durchgeführt werden, bei der vor allem muskuläre und sehnenassoziierte Funktionsstörungen behandelt werden. Dazu gehören Lagerungs- und Extensionsbehandlungen, Bäder, Massagen, Stromtherapie sowie Wärme- und Kälteapplikationen.

Wichtig ist vor allem auch die Kräftigung insuffizienter muskulärer Strukturen – vor allem der Glutealmuskulatur (Gesäßmuskulatur) und auch der Oberschenkelmuskulatur. Gleichzeitig sollten jedoch auch verkürzte muskuläre Strukturen – wie z.B. die Innen- und Außenrotatoren gut gedehnt werden. Aus medikamentöser Sicht sollten orale Schmerzmittel verabreicht werden sowie lokal in das Hüftgelenk Schmerzinfiltrationen mit Cortison appliziert werden. (Ja, das bedeutet leider Spritzen...)

Operative Therapie

Der endoprothetische Gelenksersatz bei arthrotischem Hüftgelenk kann man getrost als Erfolggeschichte der modernen Medizin bezeichnen. In Österreich werden jährlich circa 15.000 Hüftendoprothesen implantiert, wobei verschieden Modelle und auch Techniken zur Verfügung stehen.

Die Implantation einer Hüfttotalendoprothese bringt in überwiegender Mehrheit der betroffenen Patienten eine massive Besserung der Lebensqualität, wobei auch die sportliche Betätigung nach Operation möglich ist!

In Europa haben sich vor allem die zementfreien Hüfttotalendoprothesen durchgesetzt, wobei auch modernere Verfahren wie Oberflächenersatz vermehrt zur Anwendung kommen. Die modernen Prothesen werden aus verschiedenen Metalllegierungen hergestellt und bestehen aus einer Metallpfanne, die entweder verschraubt oder über Pressfit-Technik in das Becken eingebracht wird und dem Prothesenschaft. Die Verbindung mit dem Prothesenstiel im Oberschenkel erfolgt entweder über Polyethylen-, Metall- oder Keramikpaarungen.

In den vergangenen Jahren wurden immer mehr minimalinvasive Verfahren für die Implantation entwickelt, wobei aus meiner Sicht der vordere, so genannte anteriore, Zugang der schonendste ist. Bei dieser Technik ist keine Ablösung muskulärer Strukturen notwendig, so dass moderne Implantate schonend eingebracht werden können. (Für Insider: Sport-Hip-System; Amis-System.) In der Regel ist hierbei eine Mobilisierung des Patienten ohne Krücken bereits nach zwei bis vier Wochen möglich, sofern der muskuläre Zustand des Patienten dies zulässt.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Koxarthrose eine sehr gut behandelbare Erkrankung ist. Die Endoprothetik bringt eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität, wobei auch aktive Menschen wieder ihrer sportlichen Betätigung ohne Probleme nachgehen können!

 

Der Autor: Dr. Erdal Cetin ist Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von minimal-invasiven Methoden der Hüft- und Knieendoprothetik. Kontakt: Endoclinic Wien

Dr. Cetin ist Facharzt für Orthopädie mit Zusatzausbildung in Rheumaorthopädie und Sportorthopädie sowie Spezialist der modernen Gelenkschirurgie. Schwerpunkte sind vor allem der künstliche Gelenksersatz mittels minimal invasiver Methoden und arthroskopische Operationen ("Schlüssellochchirurgie").

 

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