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Dr. Cetin - Inside OP

Hallux rigidus - wenn's beim Abrollen schmerzt

05.03.2012
Ein Zehenproblem, das durch Fußballer Andi Herzog in den späten Neunziger Jahren noch prominenter wurde.

Unter einem Hallux rigidus versteht man die arthrotische Abnützung des Großzehengundgelenkes. Es kommt hierbei zu einer schmerzhaften Einsteifung des betroffenen Gelenkes.

Ursachen können wiederholte Verletzungen, langjährige sportlich Überbeanspruchung und systemische Erkrankungen wie Gicht oder Rheuma sein. Klinisch zeigt sich oftmals ein verdicktes und druckschmerzhaftes Gelenk, wobei die Beweglichkeit desselben, vor allem nach dorsal (Richtung Fussrücken) deutlich eingeschränkt ist. Die betroffenen Patienten können meist nicht auf den Zehen stehen und entwickeln oft einen charakteristischen Schongang aufgrund eines Abrollens über den Fussaussenrand.

Diagnostiziert wird diese Erkrankung neben der Klinik durch Röntgenaufnahmen des Vorfusses in "dorso-plantarer" (vom Fußrücken zur Fußsohle hin) und schräger Richtung.

Therapeutisch kann in Anfangsstadien der Erkrankung ein konservatives Vorgehen versucht werden. Lokal abschwellende Maßnahmen wie Kälteanwendungen und Salbenverbände, orale Gabe von schmerzlindernden und antientzündlichen Medikamenten und manuelle Therapie zu Erhöhung der Beweglichkeit werden dabei angewendet. Weiters sollte auch das Schuhwerk adaptiert werden. Eine Rigidus-Federeinlage führt zu einer Ruhigstellung und Entlastung beim Abrollen über den Vorfuss. Bei hochgradigen Stadien kann eine Vorfuss-Abrollwiege das Abrollen mit steifer Sohle ermöglichen.

 

Wenn eine OP notwendig wird

Bei Nichtansprechen der konservativen Therapie sollte ein operatives Vorgehen gewählt werden. Bei milden Stadien des Hallux rigidus mit vorrangiger Bewegungseinschränkung der Zehe empfehle ich ein so genannte "Cheilectomie". Hierbei wird am Mittelfussköpfchen der dorsale (= am "Rücken" des Knochens, in diesem Fall: oben liegende), vergrösserte Knochenhöcker, welcher schmerzauslösend und bewegungseinschränkend ist, entfernt. Bei höherer Abnützung des Gelenkes stehen in der Regel drei Operationverfahren zur Verfügung: die Resktionsarthroplastik, die Arthrodese (Versteifung) und der endoprothetische Gelenksersatz (Kunstgelenk).

Bei der Resektionsarthroplastik wird der gelenksnahe Teil des Grundgliedes der Großzehe entfernt, was zwar zu einer Schmerzbeseitigung, jedoch auch zu einer Aufhebung der Stabilität führt. Dieses Vorgehen sollte eher betagten Patienten mit geringer körperlicher Belastung vorbehalten bleiben.

Der endoprothetische Gelenksersatz wäre an sich ein logische Therapieoption, aber leider nur in der Theorie. Auf Grund der hohen mechanischen Beanspruchung, vor allem in der Abrollphase, kommt es bei den meisten Implantaten zu starken Verschleißerscheinungen und Lockerungen. Daher ist diese Operation nur bedingt zu empfehlen.

Die Methode der Wahl zur Versorgung eines höhergradigen Hallux rigidus, vor allem auch beim jüngeren Patienten, bleibt meiner Meinung nach die Versteifung. Diese kann mit Schrauben oder speziellen Platten durchgeführt werden, wobei die Zehe in funktioneller Position fixiert werden muss. Diese Technik führt zwar zur Aufhebung der Beweglichkeit, jedoch auch zu einer völligen Schmerzfreiheit bei voller Belastbarkeit. In der Literatur wurden sehr gute Ergebnisse mit dieser Methode beschrieben. Auf Grund der hohen Stabilität der Zehe ist auch eine sportliche Betätigung möglich, wobei sogar Profisportler, z.B. Fussballer, mit versteifter Grosszehe problemlos weiterspielen können.

Die Nachbehandlung erfolgt bei der Cheilektomie und Resektionsarthroplatik mittels Spezialverbände für 2 Wochen und darauffolgender früfunktioneller Physiotherapie. Bei der Arthrodese (= Versteifung) wird ein Vorfussgips für 6-8 Wochen angelegt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass für jeden Patienten, der von dieser schmerzhaften Abnützung der Großzehe betroffen ist, ein geeignetes Therapieverfahren zur Verfügung steht. Bei ersten klinischen Zeichen, wie Bewegungseinschränkung und Druckschmerzhaftigkeit, sollte alsbald eine diagnostische Untersuchung erfolgen, um noch in einem frühen Stadium eingreifen zu können. Wie immer: Warten alleine macht's nicht besser... ;-)

 

Der Autor: Dr. Erdal Cetin ist Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung von minimal-invasiven Methoden der Hüft- und Knieendoprothetik. Kontakt: Endoclinic Wien

Dr. Cetin ist Facharzt für Orthopädie mit Zusatzausbildung in Rheumaorthopädie und Sportorthopädie sowie Spezialist der modernen Gelenkschirurgie. Schwerpunkte sind vor allem der künstliche Gelenksersatz mittels minimal invasiver Methoden und arthroskopische Operationen ("Schlüssellochchirurgie").

 

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