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Donnerstag-Highlight im TV: "Gefährliche Seilschaften"

20.11.2012
Man muss nicht Dänemark heißen, damit was faul ist im Staat, belegt die arte-Serie "Borgen - Gefährliche Seilschaften" eindrucksvoll. Die fiktiven Episoden über den Regierungsalltag einer dänischen Premierministerin erinnern nämlich auch an österreichische Verhältnisse.

"Borgen" - das ist nicht nur der Sitz des dänischen Parlaments, sondern der Titel einer Fernsehserie, die vor zwei Jahren in ihrer Heimat aus dem Stand zum Quotenerfolg wurde. Und wer die erste Staffel unter dem Titel "Gefährliche Seilschaften" im Februar in arte verfolgt hat, ist von dem fiktiven Polit-Krimi vermutlich nicht weniger gebannt als die dänischen ZuseherInnen.

 

Aus Liebe zur Macht

Packend und atmosphärisch verdichtet versteht es der Autor Adam Price, die Geschichte der dänischen Politikerin Birgitte Nyborg zu erzählen, die es bis zur Premierministerin gebracht hat. Zu diesem Zeitpunkt ist das Leben der 40-Jährigen noch in Ordnung: Mit ihrem verständnisvollen Ehemann, dem Wirtschaftswissenschafter Phillip, und zwei wohl geratenen Kindern gesegnet, tritt die Chefin der zentristischen Partei gestärkt und voller Ideale ihr Amt an.

Doch rasch muss sie erkennen, dass die Regierungspolitik ein beinhartes Geschäft ist, und sie mit weiblicher Diplomatie nicht weit kommt, will sie inmitten der Intrigen und Affären bestehen.

Nyborg lernt schnell: Die Härte, die ihr vorerst als Schutzmantel gegenüber der politischen Konkurrenz dient, geht ihr nach und nach in Fleisch und Blut über; der Drang, ihre Anliegen durchzubringen, nimmt bald Überhand. Das bekommen ihre Familie, aber auch treue Weggefährten zu spüren, auf deren klugen Rat die Herzblutpolitikerin immer weniger vertraut, sondern stattdessen ihren eigenen Instinkten folgt, die sich zusehends darum drehen, ihre Macht zu festigen.

Gleichzeitig werden die ZuseherInnen Zeuge der engen, manchmal auch ungesunden Verflechtungen zwischen Politik und Medien, in deren Zentrum die junge und engagierte TV-Reporterin Katrine Fonsmark gerät. Interessenskonflikte prägen ihre intensive und langjährige Freundschaft mit dem ehrgeizigen und schwer einschätzbaren Kasper Juul, der als Pressesprecher der zentristischen Partei im Hintergrund die Fäden zieht und die Premierministerin vor manchem politischen Fallstrick bewahrt ...

Im Gespräch mit arte erklärt Adam Price, der seine Geschichte der US-Politserie "West Wing" nachempfunden hat, warum er sich für eine Frau als Premier entschieden hat: "Ich habe mir überlegt, dass es schmerzlicher – und damit auch dramatischer – wäre, eine Frau zu sehen, die gezwungen ist, ständig Entscheidungen zu treffen: Lasse ich meine Familie heute Abend allein? Gebe ich meine politischen Ambitionen auf?"

 

Dänischer Serienerfolg

Vom Erfolg seiner Serie, die in Dänemark demnächst in die dritte Staffel geht, wurde der Autor selbst am meisten überrascht. Das große Interesse internationaler Fernsehstationen ist nicht zuletzt eine Reaktion auf den renommierten Fernsehpreis FIPA d'OR, mit dem die Serie im vergangenen Jahr in der Kategorie "Beste Fiktion" ausgezeichnet wurde.

"Borgen handelt zwar von der dänischen Gesellschaft, doch vieles darin ist auch allgemeingültig. Die angesprochenen Probleme können jede westliche Demokratie betreffen", startet Price einen Erklärungsversuch gegenüber arte. Eine Einschätzung, der man sich willig anschließt, hat man erst einmal hinter die politischen Kulissen Borgens geblickt.

 

Fortsetzung folgt

Sehr zu empfehlen ist übrigens auch die begleitende Website, die neben allen wichtigen Informationen zu den Seriencharakteren kurze Zusammenfassungen zu den vorangegangenen Folgen bietet, Hörproben zur Filmmusik und die fiktive Berichterstattung über das Leben der Birgitte Nyborg.

Ab 22. November 2012 ist die Serie wieder in arte zu sehen. Zeit genug, um sich davor noch rasch die erste Staffel auf DVD anzusehen. Es lohnt sich!

 

Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.

 

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