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Zwei Köche, ein Gedanke: Tim & Jamie

23.02.2012
Einfach zubereitet soll es sein und gut schmecken obendrein. Klingt ganz nach dem britischen Koch Jamie Oliver und seinem deutschen Gegenstück Tim Mälzer. Die mit ihren frischen Ideen gerade wieder aufs Neue begeistern.

Es sind auch offene Worte wie diese, die dem deutschen Fernsehkoch und Gastronom Tim Mälzer Sympathiepunkte eingebracht haben, als er in der NDR Talk Show die ihm gegenübersitzende RTL-Moderatorin Vera Int-Veen auf ihre Reality-Show "Schwiegertochter gesucht" ansprach: "Ich mag dich ja, weil du eine intelligente Frau bist. Aber darf ich jetzt was Kritisches fragen? Warum machst du diesen Dreck?"

Die kurze Atempause der erstaunten Studiogäste nutzte Mälzer, um fortzufahren: "Denn, was wir hier machen, ist: Wir lachen Menschen aus. Das mag ich an diesen Formaten nicht."

Als sich die nicht um eine Antwort verlegene Moderatorin darauf verlegte, dass es die KandidatInnen selbst seien, die auf die Bildschirme wollten, ungeachtet wie sie dabei herüberkommen, konterte der Koch unbeirrt: "Aber haben diese Leute einen Intelligenzquotienten, um das beurteilen zu können?"

Worauf Int-Veen mit Blick auf ihre Talkshow-Vergangenheit einräumte: "Mitte der 90er-Jahre habe ich Sendungen moderiert, die ich damals für absolut richtig gehalten habe, wo ich heute sage: Hm, das war nicht gut - diese Effekthascherei."


Mälzer, Koch der Emotionen

Nur eine Seite Mälzers, der - wenn es um Fernsehkultur geht - an die Vorbildfunktion Prominenter erinnert. Hinsichtlich seiner Berufung ist er für Deutschland hingegen ein wenig, was Jamie Oliver für Großbritannien ist: ein Koch, der den Zusehern die Lust am geruhsamen Essen und den einfachen guten Gerichten wieder näherbringen will.

Dafür beschreitet er ähnliche Wege wie sein britischer Kollege: Geht in die Schulen, um Kindern die Grundkenntnisse über Nahrungsmittel und ihre Verwendung zu vermitteln. Propagiert, kulinarische Familientraditionen nicht verkommen zu lassen, sondern bewusst von Generation zu Generation weiterzureichen.

"Ich koche Emotionen und Momente, nicht Rezepte", erklärt der populäre Gastronom auf Nachfrage dem MLP-Magazin. Oder launiger im Gespräch mit Hajo Schumacher, dem Moderator von Typisch deutsch in Deutsche Welle TV: "Ich bin die Oma, die vielen fehlt."

Er selbst, der als Sohn einer alleinerziehenden Mutter in Norddeutschland aufgewachsen ist, lernte nach dem Abitur Koch und verdiente sich seine Sporen in Hongkong und London, wo er drei Jahre lang tätig war und dabei auch Jamie Oliver begegnete, der zu jener Zeit bereits ein gefeierter Küchenstar war. Ähnlich populär wie Olivers Sendung "The Naked Chef" sollte schließlich auch 2003 Mälzers TV-Debüt Schmeckt nicht - gibt's nicht! in VOX geraten.


Zwei Männer und ein Herd

Fast zehn Jahre, Dutzende Sendungen, zahlreiche Bücher und mehrere Lokalgründungen später steht der Deutsche, der sich nach einer körperlichen Erschöpfung am Höhepunkt seiner Karriere mittlerweile bewusste Auszeiten von Gastronomie und Fernsehen nimmt, wieder im Zentrum einer beachteten Sendung; diesmal in der ARD, für die er seit 2009 erfolgreich das Format Tim Mälzer kocht! moderiert.

In der Sendung Der Ernährungs-Check: Was ist wirklich gesund?, die am Montag, den 27. Februar im Hauptabendprogramm des Ersten ausgestrahlt wird, zieht Oldtimer-Fan Mälzer nach einer vierwöchigen Testreihe mit 45 Teilnehmern ein vielsagendes Resümee. Ob sich die Beteiligten (übrigens unter ärztlicher Aufsicht) vier Wochen lang je ausschließlich von Mittelmeerküche, deftiger Hausmannskost oder Fast Food ernährten: Die Blutwerte der Teilnehmer zeigten keinerlei Abweichungen, wie ihn die ARD zitiert.

In den Worten von Mälzer klingt das Fazit so: "Wer einigermaßen maßhält, frisch kocht und auf all zu viel Industriekost verzichtet, ernährt sich grundsätzlich richtig."

Mehr als, was gegessen wird, gibt Mälzer ohnehin das Wie der Essensaufnahme zu denken: "Ich finde es schade, dass die gemeinsamen Mahlzeiten durch das System der Ganztagsschulen aus dem familiären Umfeld herausgerissen werden." (Interview mit Die Zeit)


Oliver: Vom Garten in die Küche

Zur Ruhe kommen im Kreis seiner Lieben, gemeinsam kochen in den eigenen vier Wänden: Liebgewordene Gewohnheiten, an denen der vierfache Familienvater Jamie Oliver offenbar ebenso hängt. Dieser hat übrigens bereits vor einiger Zeit sein Reportoire um ein weiteres Themenfeld erweitert: den Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten. Der einladend gestaltete Gartenkalender - zu finden auf seiner Website, die übrigens in mehreren Sprachen abrufbar ist - macht Lust und Laune, auch selbst zu Erde, Samen und Spaten zu greifen.

Darüberhinaus ist der 36-jährige Brite, dessen Sendungen in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden, seit kurzem dabei, die USA zu erobern. Mit seiner ABC-Sendung "Jamie Oliver's Food Revolution", die seit 2010 läuft, erzielt er regelmäßig auch jenseits des Atlantiks ein Millionenpublikum. Sein Rezept - hier wie dort einfach und gut: Traditionsgerichte - frisch auf den Tisch.


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


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