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Das wahre Leben der anderen

21.02.2012
Meryl Streep als eiserne Lady, Gerard Butler als Retter von Kindern im Sudan. Michelle Yeoh als Kämpferin für Freiheit und Demokratie.

Gleich zwei Filme über bedeutende Frauen sind es, die in den kommenden Wochen zu einem Kinobesuch einladen, wobei "Die eiserne Lady" (Kinostart: 2.3.) dank der ungleich berühmteren Hauptdarstellerin Meryl Streep und bereits erhaltenen und noch zu erwartenden Auszeichnungen das Publikum wohl in größeren Scharen anziehen wird als "Die Lady – Ein geteiltes Herz" (Kinostart: 6.4.).


Es war einmal

Sie waren einmal ein glückliches Paar, der britische Historiker und Tibetologe Michael Aris und die später mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete, wunderschöne Aung San Suu Kyi, die den Großteil ihrer Jugend in Indien verbracht hatte, wo ihre Mutter als Botschafterin Birmas tätig war. Ein Schlaganfall ihrer Mutter war es auch, der sie, die sich mittlerweile mit Mann und Kindern in England niedergelassen hatte, 1988 dazu bewog, in die alte Heimat zu reisen. Es wurde eine Reise ohne Wiederkehr, da man ihr nicht mehr gestattete, Birma zu verlassen.


Bis dass der Tod uns scheidet

Das Land war zu jener Zeit im Aufruhr, nach dem Sturz des Militärregimes war es zu blutigen Aufständen gekommen. Aung San Suu Kyi, die - um ihre Landsleute zu unterstützen, an einer friedlichen Pro-Demokratie-Protestveranstaltung teilgenommen hatte - wurde umgehend unter Hausarrest gestellt, die Rückkehr zu ihrer Familie in England ihr unmöglich gemacht.

Erst sieben Jahre später kommt es zu dem einzigen Wiedersehen mit ihrem Mann, der kurz darauf an Krebs erkrankte und an den Folgen seiner Krankheit 1999 starb. Bis dahin hatte er von England aus den Kampf seiner Frau für Freiheit, Frieden und eine gewaltlose Demokratisierung Birmas mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt. Nur ihm war es zu verdanken, dass die Welt überhaupt Kenntnis hatte von den politischen Zuständen, dem persönlichen Schicksal seiner Frau und dem einsamen Kampf, der um so vieles größer war als sie selbst, die längst zur Hoffnungsträgerin ihrer Landsleute geworden war.


Geehrt und vertont

Den Friedensnobelpreis, der ihr 1991 verliehen wurde, nahmen ihre beiden in England lebenden Söhne für sie entgegen, die ihre Mutter in all der Zeit nicht einmal besuchen durften. Im Jahr darauf setzte ihr auch die irische Rockband U2 mit dem Grammy-prämierten Song "Walk on" aus dem Album "All that you can't leave behind" ein Denkmal. US-Präsident Bill Clinton ehrte sie mit der Freiheitsmedaille, Kanada verlieh ihr die Ehrenbürgerschaft, doch für Aung San Suu Kyi, die immer noch unter Hausarrest stand, veränderte sich dadurch leider gar nichts.

Mit dem Dokumentarfilm "Lady of no Fear" schuf die dänische Filmemacherin Anne Gyrithe Bonne 2010 mit Hilfe umfangreichen Archivmaterials ein bewegendes Porträt der Friedenskämpferin, das auf diversen Filmfestivals gezeigt wurde und erneut die Aufmerksamkeit auf deren Schicksal lenkte. Ob Zufall oder nicht - kurz nach Veröffentlichung des Films hob die Regierung endlich den über Aung San Suu Kyi verhängten fünfzehn Jahre andauernden Hausarrest auf.


Freundlich und schweigsam

Michelle Yeoh, die in "The Lady – Ein geteiltes Herz" unter der Regie von Luc Besson die Hauptrolle spielt, fand es nach eigenen Worten sehr schwer, sich in etwas hinein zu fühlen, das sie selber nicht aushalten musste. Die Liebesgeschichte zwischen Michael Aris und dieser heldenhaften Frau halte sie allerdings für etwas ganz besonderes. Als man der malaysischen Schauspielerin 2010 die Einreise nach Birma genehmigte, ergab sich für sie auch die Möglichkeit, der Ikone der Friedensbewegung persönlich zu begegnen. Mit offenen Armen sei sie von der schweigsamen Frau empfangen worden, die sich auch zu dem geplanten Film nicht äußern wollte.


Eisern und unbeugsam

Einen starken Mann hatte auch "Die Eiserne Lady" an ihrer Seite. Dieser Beiname, der der britischen Politikerin Margaret Thatcher bis heute geblieben ist, wurde ihr einst von einem Kommentator von Radio Moskau verpasst. Sie hat ihn in besseren Zeiten – so heißt es – durchaus mit Stolz getragen.

Lady Margaret Thatcher hat als erste Regierungschefin Europas in mehrfacher Hinsicht Geschichte geschrieben. Wer sich über das Wesen und die politische Ära der stockkonservativen, durchaus machtbewussten Politikerin nachträglich ein Bild machen oder seinen verblassten Erinnerungen daran wieder auf die Sprünge helfen möchte, sollte sich ab 2. März im Kino Nachhilfe geben lassen.

Meryl Streep versucht in "Die eiserne Lady" dem Publikum die vielschichtige Persönlichkeit dieser unbeugsamen Politikerin nahezubringen und in Rückblicken Einsicht in das persönliche Leben der einst so starken, mittlerweile dement gewordenen Lady zu geben, an dessen Ende vor allem die Frage steht: Was bleibt von einst so mächtigen Menschen, wenn ihnen die Macht genommen ist?

Meryl Streep, die es als eine der wenigen Schauspielerinnen geschafft hat, auch nach ihrem sechzigsten Geburtstag noch große Rollen wie diese angeboten zu bekommen, gilt in Hollywood als absolute Ausnahmeerscheinung. Die persönliche Angst, an einer Figur zu scheitern, sei immer da, gesteht sie. Doch diese Angst scheint unbegründet. Die Rolle der eisernen Lady hat ihr bereits im Vorfeld den Golden Globe Award eingebracht. Der Ehrung für ihr Lebenswerk bei der diesjährigen Berlinale könnte bereits am 26. Februar der dritte Oscar folgen, für den sie ebenfalls bereits nominiert ist.


Gewaltlos kommt man gegen Gewalt nicht an

Er ist ein ehemaliges Mitglied einer berüchtigten Biker-Gang, die es mit den Gesetzen nicht so genau nahm, hatte seine Alkohol- und Drogenabstürze und irgendwann eine Art Erleuchtung, die ihn dazu brachte, sein Leben zu ändern und einer großen Sache zu widmen. Über all das hat Sam Childer, von dem hier die Rede ist, ein Buch geschrieben, das bislang allerdings nur in englischer Sprache erschienen ist.

In "Another Man's War: The True Story of one Man's Battle to Save Children in the Sudan" schildert er seinen bewaffneten Befreiungskampf im Kriegsgebiet des Süd-Sudan, bei dem er entführte Kinder zu retten versucht, um ihnen das Schicksal, als Kindersoldaten oder Sexsklaven zu enden, zu ersparen.

Von der Vorstellung, dass dieser Kampf gegen ein gnadenlos grausames Regime in einem Land, aus dem 1,7 Millionen Menschen vertrieben und 50.000 Kinder entführt wurden, ohne Waffengewalt zu gewinnen ist, hat sich der mittlerweile auch als Pastor tätige Amerikaner längst verabschiedet. Mit seiner kleinen Privatarmee ist es ihm bislang gelungen, mehr als tausend gefangene Kinder zu befreien, an die 300 sind in den von ihm und seiner Frau gegründeten Waisenhäusern in Nimule (Ostafrika) untergebracht, wo die Kinder von freiwilligen Helfern betreut werden.

All das finanziert er mit Spenden, die er als Pastor in seiner amerikanischen Heimat sammelt, aus den Erlösen für sein Buch und den Filmrechten für seine Lebensgeschichte. "Machine Gun Preacher" ist nicht nur ein Filmtitel – es ist der Name, den die Menschen in Afrika Sam Childer gegeben haben.


Schwierige Dreharbeiten

Die erste Begegnung mit dem verwegenen Biker habe ihn ziemlich beeindruckt, sagte der Schauspieler Gerard Butler bei einer Pressekonferenz beim Filmfestival in Toronto 2011, wo der Film im September Premiere feierte. Der Mann, von dem er nie zuvor gehört hatte, sei – anders als er selber – ein wahres Kraftpaket von einem Mann; bei all der Ernsthaftigkeit seiner waghalsigen Unternehmungen durchaus humorvoll und eine durch und durch schillernde Persönlichkeit, die ihm Respekt eingeflößt hätte.

Der auf Grund der Thematik actionreiche Film, der sich - was die Handlung angeht - sehr genau an das Buch und somit an das wahre Leben Sam Childers hält, spart daher auch die persönlichen Konflikte in seinem Privatleben und die sich durch seine lange Abwesenheit ergebenden Probleme mit seiner Frau (im Film: Michelle Monaghan) nicht aus, die ihn verschollen glaubt und sich seinem besten Freund zuwendet. Entsprechend dramatisch fällt die Reaktion aller Beteiligten bei der unerwarteten Rückkehr aus.

Wann und ob "Machine Gun Preacher" in die österreichischen Kinos kommt, steht (immer) noch nicht fest. Dem in die Jetztzeit versetzten Shakespeare-Drama "Coriolanus", in dem Gerard Butler unter der Regie von Ralph Fiennes diesen auf Kriegsschauplätzen des ehemaligen Jugoslawiens bis zum bitteren Ende bekämpft, scheint es ebenso zu ergehen. Die DVD zum Film wird ab 16. Juli erhältlich sein.


Buchtipps

John Campbell The Iron Lady: Margaret Thatcher - Penguin Books

Sam Childer Another Man's War - Nelson – Word Pub Group


DVD-Tipps

Die Lincoln Verschwörung / Dolby Pal (1.3.2012)


Musiktipps

U2 All That You Can't Leave Behind (Island (Universal))

U2 Achtung, Baby - 20th Anniversary Remastered (Island (Universal))


Renate Rossbacher ist freie Autorin.


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