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Kabinenpredigt - die Fußballkolumne

Die Kabinenpredigt

Kein Zündstoff beim 300. Derby

20.02.2012
Wiener Spitzenklubs als Defensiv-Apostel.

Das Jubiläums-Derby geht in die Geschichte der Fußball-Bundesliga ein. Es war zweifellos eines der schrecklichsten Darbietungen, die von den grünen und violetten Akteuren auf den Rasen des Happel-Ovals gezaubert wurde.

Der Höhepunkt der Krampfpartie ging bereits vor dem Anpfiff über die Bühne. Die Pyrotechnik-Show, bei der die Zahl "300" entflammt wurde, war das einzige Feuerwerk, das an diesem Samstag-Abend entzündet wurde. Der Funken sprang weder auf die knapp 30.000 Zuschauer über (die Hardcore-Fans von Rapid verweigerten wie angekündigt den Support), und schon gar nicht auf die 22 Akteure. Im Gegenteil: Diese taten sich verdammt schwer damit, das runde Ding unter Kontrolle zu bringen und servierten den Fans phasenweise eine einzige Fehlpassorgie.

Logische Folge: Ein 0:0, das die Veilchen ihren Keeper Lindner zu verdanken hatten. Er parierte einen Hinterkopfball von Trimmel, der zum Pechvogel der 300. Auflage des Klassikers mutieren sollte. Knapp vor Schluss traf der Turboflitzer nur die Latte. Damit war die vierte Nullnummer im fünften Spiel für den Rekordmeister gesichert. Ebenso wie die gerettete Tabellenführung, für die sich Rapid-Trainer Schöttel einmal mehr vor den Medienvertretern rechtfertigen musste.


Zuschauer-Boykott beim Sonntags-Schlager

Auch das zweite Duell der Spitzenteams bescherte den Fans nur eine Nullnummer. Immerhin war das 0:0 zwischen Red Bull Salzburg und Meister Sturm Graz in Wals-Siezenheim um eine Spur attraktiver als das Wiener Derby. Ein Remis, mit dem sich auch beide Trainer gut leben konnten.

Für Bullen-Dompteur Ricardo Moniz war vor allem wichtig, dass seine Defensivabteilung nach der katastrophalen Vorstellung in der Europa League keinen Gegentreffer hinnehmen musste. Sturm-Coach Franco Foda wiederum verwies darauf, dass seine "Blackies" nun schon das zweite Mal in Folge ohne Niederlage aus der Mozartstadt abreisen durfte. Der letzte volle Erfolg liegt aber schon eine halbe Ewigkeit zurück. Fast zehn Jahre ist es her. Auf den ersten Auswärtssieg in dieser Saison müssen die treuen Sturm-Fans, die ihre Mannschaft auch auswärts begleiten, in dieser Saison weiterhin warten.

Enttäuschend war aber nicht nur das Resultat. Auch die Zuschauerkulisse: Nur knapp mehr als 5000 Fans wollten sich das Duell des Meisters gegen den großen Meisterschaftsfavoriten geben. Erschreckend!


Yougsters demütigen Vitrinen-Gucker

Das Gastspiel seiner Rieder in seinem Heimatland Burgenland hatte sich Paul Gludovatz wahrlich anders vorgestellt. Der Herbstmeister ging in Mattersburg sang- und klanglos mit 1:4 unter – und war damit auch noch gut bedient. Gludovatz muss sich schön langsam die Frage gefallen lassen, was im Innviertel in der Winterpause falsch läuft. Auch in der letzten Saison wanderte der Pokal für den Halbzeittitel in die Klub-Vitrine der Spielvereinigung. Offenbar übt dieses (in Wahrheit völlig bedeutungslose) Objekt eine faszinierende Anziehungskraft für Gebauer & Co. aus. Diese dürfte so stark sein, dass die Rieder ihre Tugenden vom Herbst ebenfalls in der Vitrine verstaut haben.

Die zweite Niederlage im zweiten Frühjahrsspiel deutet jedenfalls stark darauf hin. Den Mattersburgern wird das herzlich egal sein. Die "Unabsteigbaren" setzen auf die junge Welle: Die Youngsters Fazekas, Seidl, Potzmann und Gartner sollten auch in Zukunft Garant dafür sein, dass die Burgenländer auch in den nächsten Jahren fixer Bestandteil in der höchsten Spielklasse bleiben.


Admiras Negativserie wurde prolongiert

Grund zur Freude gab es für die Admira nur vor dem Anpfiff auf dem Innsbrucker Tivoli. Erfolgscoach Didi Kühbauer gab bekannt, bis Sommer 2014 in der Südstadt das Trainer-Zepter zu schwingen. Im Wacker-Duell gab es dann aber für die Niederösterreicher nichts zu holen. Die Truppe von Walter Kogler besiegte nicht nur die Kühbauer-Elf, sondern auch den "2:1-Fluch". Schon im Herbst lagen die Erben von Andreas Hofer gegen die Admira in beiden Spielen 2:1 in Front. Auf dem Tivoli reichte es damals wenigstens noch zu einem 2:2, auswärts standen sie am Ende mit einem 2:3 mit leeren Händen da.

Diesmal brachten sie die Führung über die Runden und sorgten damit dafür, dass die Admira mittlerweile acht Spiele in Serie ohne Sieg dasteht. Damit trennt die beiden Klubs im Mittelfeld der Tabelle nur mehr ein einziger Punkt.


Kapfenberg in der Zuschauerrolle

Genauso hatte sich Tabellen-Schlusslicht Kapfenberg den Start in die Frühjahrsmeisterschaft vorgestellt. Zwei Spiele, kein Gegentor, keine Niederlage. So lautete der Rettungsplan, das Wunder vom Klassenerhalt doch noch zu schaffen. Der Haken dabei. Die "weiße Weste" haben die "Falken" nicht großzügigen Gegnern zu verdanken, sondern der weißen Pracht. Nach dem Auftaktspiel in Innsbruck musste auch die Partie gegen Wiener Neustadt abgesagt werden. Wann die Nachtragsspiele ausgetragen werden können, steht noch in den Sternen. Möglicherweise gar erst zu einem Zeitpunkt, zu dem die Obersteirer nicht einmal mehr die theoretische Chance auf den rettenden neunten Platz haben.

Am kommenden Wochenende dürfen sie erstmals ran an den Ball. Bei der Wiener Austria, die in den ersten beiden Partien kein Gegentor hinnehmen musste. Keine guten Vorzeichen für die steirischen Laternenträger.

Gerhard Blagusz ist freier Journalist.

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