Endlich rollt in den heimischen Fußball-Arenen wieder das runde Leder! Am Wochenende startet die Bundesliga in die Frühjahrssaison. Oder besser: Sollte starten. Denn, dass tatsächlich alle fünf Spiele ordnungsgemäß durchgeführt werden können, glaubt nicht einmal der größte Optimist unter den Ballesterern. Das Tivoli-Stadion in der Skistadt Innsbruck gleicht einem Biathlon-Parcour, die Südstadt im Süden der Bundeshauptstadt dem Wiener Eistraum.
Sollte das Gastspiel von Salzburg in Innsbruck dem Schneechaos zum Opfer fallen, wäre das für die roten Bullen besonders bitter. Die Partie ist als Generalprobe für das Europa-League-Hinspiel gegen Austria-Bezwinger Metallist Charkiw geplant, das am nächsten Donnerstag über die Bühne gehen soll, und in dem die Moniz-Truppe die Basis für den Aufstieg ins Achtelfinale legen möchte. Eine Aufgabe, die ohne Test unter Wettkampf-Bedingungen sicher nicht leichter wird.
Rapid vertraut auf die Winterkönige
Werfen wir vor dem Startschuss einen Blick auf die Transferaktivitäten der zehn Bundesliga-Klubs. Viel war in diesem Winter nicht los. Was darauf hindeutet, dass von Innsbruck bis Mattersburg die Vereinsmanager – nach Vorbild unserer Bundesregierung – ihre Liebe zum Sparen entdeckt haben.
Winterkönig Rapid Wien konnte zwar zwei erfolgreiche Transfers vermelden, allerdings nur, was die Abgänge betrifft. Mit Saurer (landete beim Auftaktgegner Wiener Neustadt) und Salihi, der den Sprung über den großen Teich in die USA wagte, wurde der Kader verkleinert. Ganz so, wie es sich Trainer Peter Schöttel bereits im Sommer vorgestellt hatte. Etwas kleiner, dafür feiner, scheint sein Credo zu lauten. Außerdem: Auch wenn der Rekordmeister im Herbst über weite Strecken nicht gerade glänzen konnte, nach den ersten 19 Runden holte nur Cupsieger Ried ebenfalls 32 Punkte.
Veilchen verloren zwei Schlüsselspieler
Der zweite Wiener Großklub mit Ambitionen auf die Meisterschaft musste zwei bittere Abgänge hinnehmen. Mit Junuzovic (zum "Österreicher"-Klub Werder Bremen) und Barazite (der künftig lieber beim Abstiegskandidaten der zweithöchsten französischen Liga in Monaco seine technischen Fähigkeiten unter Beweis stellen will) verließen zwei absolute Schlüsselspieler den Verteilerkreis. Sie sollen im Frühjahr durch Simkovic (kehrte von Wiener Neustadt in seine Heimat Favoriten zurück), James Holland (AZ Alkmaar) und Goalgetter Roman Kienast (von Meister Sturm Graz) ersetzt werden.
Interessant wird bei den Veilchen nicht nur sein, wie schnell sich die drei Neuen eingliedern können, sondern, was mit Roland Linz im Frühjahr passiert. Bei der Generalprobe gegen Ruzomberok stand der Torschützenkönig der letzten Saison nicht im Kader der Violetten. Linz hat den Ruf, zum "Ungustl" und Intigranten zu mutieren, wenn er bei seinen Trainern keinen Stammplatz hat. Ob Ivica Vastic diese Tatsache tangiert? Unter dessen Vorgänger Daxbacher hat Linz noch den Machtkampf geprobt, bei Vastic könnte dies für den streitbaren Steirer sehr schnell zu einem Stammplatz auf der Tribüne führen.
Salzburger mit Hilfe aus Barcelona
Die interessanteste Neuverpflichtung dürfte – wieder einmal – der Millionärstruppe aus Salzburg gelungen sein. Welcher rot-weiß-rote Verein sonst hat das nötige Kleingeld, einen Spieler von einem aktuellen Champions-League-Gewinner an Land zu ziehen. Natürlich: Senor Jonathan Soriano hat beim FC Barcelona nur in der B-Garnitur seine Torjäger-Qualitäten unter Beweis stellen können. Aber für die Alpen-Liga, die von Kritikern gerne als operettenhafte bezeichnet wird, sollte dies schon reichen.
Die spanische Neuerwerbung veranlasste Roman Wallner dazu, innerhalb der Red-Bull-Familie einen Wechsel vorzunehmen. Der 30-Jährige soll beim Pacult-Klub in Leipzig mithelfen, dass die dortigen "Rasenballer" in dieser Saison den Aufstieg von der 4. Liga in den Profi-Fußball gelingt.
Schlusslicht auf Einkaufstour
Bei den anderen Klubs herrschte eher Transfer-Flaute. Die große Ausnahme bildet Schlusslicht Kapfenberg. Die Falken haben die Transferlisten in hungriger Manier umkreist und ordentlich zugebissen. Nicht weniger als sechs Neue sollen mithelfen, die "mission impossible" möglich zu machen und in den verbleibenden 17 Runden doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Oder handelt es sich bei der Einkaufswut der Obersteirer doch eher um einen totalen Realitätsverlust?
Bereits einmal hat ein abgeschlagener Laternenträger verzweifelt versucht, mit vielen neuen Wintereinkäufen das Unmögliche möglich zu machen. Geholfen hat es nichts: Altach musste vor drei Jahren den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Der damalige Gegner im Abstiegskampf hieß Mattersburg, also genau jener Klub, den im Frühjahr Kapfenberg im Visier hat.
Was die Steirer wissen sollten: Die Burgenländer gelten als unabsteigbar. Übrigens: Mattersburg hat als einziger der zehn Bundesliga-Klubs im Jänner weder einen Zugang, noch einen Abgang vermeldet. Spricht für Kontinuität ...
Gerhard Blagusz ist freier Autor.

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