Mit seinem Gesellschaftsroman "Nur eine Ohrfeige" (The Slap) hat der australisch-griechische Autor Christos Tsiolkas (geb. 1965) einen internationalen Publikumserfolg gelandet, für den er nicht nur Preise einheimste, sondern auch gleich die Vorlage für das Drehbuch der gleichnamigen TV-Soap geliefert hat.
Der erfolgreiche Roman, der sich monatelang auf den Bestenlisten Australiens und Großbritanniens halten konnte, kommt am 22. Februar endlich auch in deutscher Übersetzung in den Buchhandel. Darüber hinaus wird der Autor laut Ankündigung des Verlages Klett-Cotta auf seiner am 6. März in Stuttgart beginnenden Lesereise, die ihn nach Berlin, Hannover, Leipzig und Zürich führen wird, auch in Salzburg (12.3., Literaturhaus) und Wien (13.3., Büchereien Wien) Station machen.
Erfolgreich, modern, gutsituiert und sorgenfrei
Bei einem sommerlichen Barbecue, das Aisha zum 40. Geburtstag ihres Mannes veranstaltet, rutscht ihrem genervten Schwager Harry unbedachterweise die Hand aus und landet im Gesicht des dreijährigen Hugo, dem kleinen Sohn ihrer besten Freundin. Der Vorfall sorgt für entsprechende Aufregung und zwingt plötzlich jeden der Anwesenden in der unangenehmen Angelegenheit Position zu beziehen; allein der Leser erfährt aus acht verschiedenen Perspektiven der Anwesenden, wie jeder wirklich darüber denkt und was er sonst noch so zu verheimlichen hat.
Harry, der erfolgreiche und wohlhabende Selfmade-Man mit luxuriösem Haus am Strand, in dessen Leben angefangen von der vorzeigbaren Superfrau bis hin zum wohlgeratenen Sohn scheinbar einfach alles stimmt, kommt durch seine unüberlegte Tat in unerwartete Schwierigkeiten. Geht es nach Hugo, dem neunmalklugen Dreijährigen, muss der böse Mann für die erlittene Ohrfeige ins Gefängnis gesteckt werden. Vor Gericht will ihn – Freundschaft hin oder her - auch dessen Mutter Rosie sehen, die sich bei genauerer Betrachtung in Erziehungsfragen und im Umgang mit ihrem Kind höchst merkwürdig verhält.
Das sehen zwar auch die meisten anderen so, doch wie im Freundeskreis üblich, versucht man mit seiner ehrlichen Meinung um des lieben Friedens willen hinter dem Berg zu halten.
Dem Leser, der Einblick in die wahren Gedanken und Gefühle jedes Einzelnen erhält, steht es frei, sich auf die Seite des Kindes oder dessen Mutter zu schlagen; ganz so leicht – das sei vorweg gesagt - macht es der Autor allerdings nicht einmal seinen Romanfiguren. Denn natürlich geht es in dieser Geschichte, in der nicht alles so ist wie es auf den ersten Blick scheint, nicht nur um eine Ohrfeige, sondern auch um Liebe, Sex, Erziehungsmethoden, Familienbande und wahre Freundschaft.
Kontroverse Geschichte
Er sei sich im Klaren darüber, mit diesem Roman ein "sehr polarisierendes Buch" geschrieben zu haben, so der Autor. Das würde ihm auch immer wieder auf seinen Lesereisen bestätigt. Immerhin sei es ihm aber mit diesem Roman gelungen, auch Menschen, die sich jahrelang von Büchern ferngehalten hätten, zum Lesen zu bringen.
Der Schriftsteller, der sich stets offen zu seiner Homosexualität bekannt hat und auch diese Erfahrungen in seinen Roman einfließen lässt, lebt seit 30 Jahren mit seinem Partner zusammen. Genau wie er selbst hat sich dieser als Sohn niederländischer Einwanderer mit einem Universitätsstudium aus der Arbeiterschicht in die gehobene Mittelschicht hochgearbeitet und einen besseren Platz in der Gesellschaft schaffen können, als es den Eltern möglich war.
Tsiolkas persönlich habe der Erfolg des Buches die ersehnte Freiheit gebracht, endlich "nur noch Schriftsteller" zu sein. Er habe auch kein Problem damit, seine Charaktere plötzlich auf dem Bildschirm zu sehen, betont er. Das sei zwar "eine andere Arbeit, ehre aber das Original".
Buchtipp
Christos Tsiolkas Nur eine Ohrfeige - Klett-Cotta(22.2.)
Renate Rossbacher ist freie Autorin.

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