HC Straches ethisches und historisches Verständnis ist, sagen wir einmal, recht eindeutig ausgerichtet. Und wenn sein emotionales sowie gedankliches Gut aus ihm rausblubbert, spielt sich ein Schauspiel ab, das wir von Jörg Haiders Zeiten gut kennen: Fast flächendeckende Empörung; der Wortspender versteigt sich in verbalen Verrenkungen, um das Gesagte zu relativieren. Ausrutscher, aus dem Zusammenhang gerissen, Opfer der Jagdgesellschaft... Kennen wir alles. Gähn.
Wichtig in diesem Zusammenhang: Egal, ob es einem Politiker bewusst ist, dass ihm ein Journalist zuhört, ob er in einem Stresszustand ist, ob er ohne den gesamten Zusammenhang zitiert wird - es können nur Inhalte "rausrutschen", die in einem drinnen sind.
Jedenfalls muss auch Strache stets nach solchen Eruptionen hektisch zurückrudern. Letztens wieder bei Armin Wolf - ein jämmerliches Schauspiel, beinahe Mitleid erweckend. Warum tut er sich, warum tut er uns das an?
Was wäre, wenn HC Strache ganz einfach zu dem steht, was er nur in kleinem Kreise und in spontanen Momenten zu sagen wagt?
Nehmen wir an: Strache würde flapsig und verharmlosend mit Begrifflichkeiten aus der Nazizeit umgehen. Er würde ehrlich keinen grundlegenden Unterschied zwischen "Reichskristallnacht" und einer Balldemo erkennen. Er würde – Haider zitierend oder nicht – eine Parallele zwischen ausgebuhten Burschenschaftern und verfolgten Juden erkennen. Vor allem: Offen aussprechen und dabei bleiben!
Was dann? Einige seiner Hofburg-Freunde mit den Liftboy-Käppchen würde er wohl nicht verlieren. Auch sein FP-EU-Mandatar Franz Obermayr ("In Wien war Pogrom-Stimmung." - gemeint: beim WKR-Ball! Anm.) oder Andreas Mölzer ("Ob Herr Muzicant bereits darüber nachdenkt, für unbelehrbare Rechtsextremisten Anhaltelager einzurichten?") würden nicht von seiner Seite weichen.
Entscheidend wäre, was der Rest von Österreich mit einem dermaßen "geouteten" Strache anfängt. Brächte es ihm vielleicht sogar Zuwächse, wenn er nicht mehr diese schweißtreibenden Verteidigungsshows aufführen müsste?
Strache ist angeblich heißer Kanzlerkandidat. Derzeit mit Eiertänzen, mit denen er sich weg vom Verbotsgesetz zurück zur Salonfähigkeit runden möchte. Sowie mit den Eiertänzen der ÖVP, die - auf blaue Wähler schielend - sich fast genauso unwürdig windet wie HC in der ZiB und mit einer Koalition eher-nicht-vielleicht-aber-doch-sicher-nicht-total-ausgrenzend kokettiert.
Würden diese Eiertänze aufhören, dann wüsste jeder, woran wir wirklich sind. Bei Strache. Bei der ÖVP. Bei den Wählern. So oder so.
Sascha Bém ist Chefredakteur von relevant.at
sascha.bem[at]relevant.at

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