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Die vielen Berufe des Steven Van Zandt

02.02.2012
Den meisten ist Steven Van Zandt als Gitarrist der legendären E Street Band bekannt. Dabei setzt der Musiker längst auch in anderen Bereichen der Kultur- und Medienszene wirkungsvolle Akzente.

In seinem Blog, das er für die Huffington Post führt, schildert sich Steven van Zandt schlicht als "Plattenproduzent, Songwriter, Musiker" aus. Damit unterschlägt uns der Gitarrist der legendären E Street Band und langjährige Freund von Bruce Springsteen jedoch geradezu sträflich all die anderen nebenberuflichen Aktivitäten, die in den letzten Jahren wesentlich zu seiner Anerkennung beigetragen haben!

Der am 22. November 1950 geborene Künstler, der seit seinem schweren Autounfall in jungen Jahren seine Narben am Kopf unter einem Bandana-Tuch verbirgt, ist nämlich mittlerweile auch Radiobetreiber und -moderator, aktiver Förderer des musikalischen Nachwuchses, politischer Aktivist, Kolumnist und: Seriendarsteller. In der vielfach ausgezeichneten Erfolgsserie "Die Sopranos" mimte der prominente Laien-Darsteller mit Hang zur Selbstironie über mehrere Staffeln hinweg den launigen Stripclub-Besitzer Silvio Dante.


Van Zandt, der Schauspieler

Trotz des enormen Erfolges wollte es Van Zandt bei diesen schauspielerischen Gehversuchen bewenden lassen. Das Publikum jedoch wollte mehr. Und so ließ sich der Musiker zu einer Zugabe hinreißen und liefert brandaktuell einen Dauerauftritt in der von Netflix und dem norwegischen Fernsehsender NRK1 koproduzierten Serie Lilyhammer. Bereits die erste Folge, die in Norwegen am 25. Jänner 2012 freigegeben wurde und in den USA ab 6. Februar zur Verfügung steht, verzeichnete eine Million Zuseher. Das sind - laut Berechnungen von Wikipedia - immerhin ein Fünftel der norwegischen Bevölkerung!

Auch in seiner Funktion als Musiker ist Van Zandt willkommener Stammgast im Fernsehen. So seit 2006 als Bandleader jener vom ihm zusammengestellten Star-Truppe, zu der unter anderem Sänger Little Richard, Gitarrist Joe Perry (Aerosmith) oder Drummer Questlove (The Roots) gehören. Eine Formation, die im Auftrag des US-Sportsenders ESPN für den musikalischen Rahmen der "Monday Night Football"-Show sorgt.

Van Zandts Expertise ist darüberhinaus auch bei dem Video-Game "Rock Band" geschätzt, für das er die Musikstücke auswählt. Dass er auch am Soundtrack für die Sopranos und andere Filmproduktionen mitgewirkt hat, sei an dieser Stelle nur noch der Vollständigkeit halber erwähnt.


Van Zandt, der Radiomann

Als Programmchef der zwei US-Radiostationen Underground Garage und Outlaw Country würdigt Van Zandt zum einen die großen Rockklassiker von den 50er-Jahren bis heute bzw. die ungeschliffene und politisch kritische Seite der Country-Musik. Außerhalb der USA ist überdies seine Radioshow Underground Garage, die von diversen Stationen in aller Welt ausgestrahlt wird, ein Begriff (für Interessierte: z.B. das Webradio des italienischen Senders Radio Flash hören, der die Show immer freitags ausstrahlt).

In den USA ist die Sendung, die 2012 in ihr zehntes Jahr geht, bereits eine feste Institution. Im Oktober 2011 feierte Van Zandt die 500. Ausgabe - ganz würdig im ausverkauften Hard Rock Cafe in New York mit zahlreichen prominenten Gästen, darunter Green Day oder Debbie Harry.


Van Zandt, der Kolumnist

Dass dem vielbeschäftigten Musiker, der seit 1982 mit der Schauspielerin Maureen Santoro verheiratet ist (Trauzeuge war übrigens Bruce Springsteen), da noch Zeit für seine Huffington Post-Kolumne bleibt, ist fast nicht zu glauben. Aber auch dafür nimmt er sich zwischen seinen Welttourneen mit Bruce Springsteen, die ihn am 12. Juli 2012 auch nach Wien führen, gerne Zeit: um für interessante Filmprojekte abseits von Hollywood zu werben, sich politisch zu positionieren oder nimmermüde das Engagement der Bevölkerung zu würdigen, wie zuletzt in Bezug auf Haiti: "Wieder einmal werden wir Zeuge einer unglaublichen Großzügigkeit der Menschen dieser Welt, die bereit sind zu helfen, egal, wie verzweifelt ihre eigene wirtschaftliche Lage ist ..."


Van Zandt, der Aktivist

Wobei auch sein Einsatz für die gute Sache nicht zu verachten ist. In den 80er-Jahren trat er als Gründer der Initiative "Artists United Against Apartheid" in Erscheinung und gewann dafür rund 50 befreundete Musiker und Sänger, um gegen den Bau des Freizeit- und Vergnügungsparks "Sun City" in Südafrika aufzubegehren. Ein umstrittenes Bauprojekt, das er in seinem prämierten Dokumentarfilm "The Making Of Sun City" vor- und in Frage stellte.

Dafür wie für alle anderen vielfältigen humanitären Akzente, die der privat zurückgezogen lebende Musiker im Lauf seines Lebens gesetzt hat, wurde er bereits zwei Mal von den Vereinten Nationen geehrt.

Nicht zuletzt in seinem Blog für die Huffington Post macht er, der sich in den 80er-Jahren als pointierter Kritiker der Reagan-Politik hervortat, deutlich, dass er sich im Alter von 61 Jahren mit politischen Worthülsen nicht mehr abspeisen lassen will. Dafür umso lieber den Dialogen auf der Kino-Leinwand lauscht. Zum Beispiel, wenn es um einen seiner Lieblingsfilme, "Snow Flower and the Secret Fan", geht, über den er schwärmerisch schreibt: "Ich empfehle Ihnen die Nachmittagsvorstellung. Setzen Sie sich am besten in die letzte Reihe, wo niemand die Träne in Ihrem Auge sehen kann, wenn dieser wunderbare Film zu Ende geht."


Artikel, informative Websites oder Sehens- bzw. Hörenswertes in Radio und Fernsehen: In unserer Kolumne "Media's Digest" stellt relevant-Redakteurin Ute Rossbacher wöchentlich ihre Medientipps vor.


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