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USA: "Pastor" plant Koran-Verbrennung

Axel Öberg/Scanpix/picturedesk.com

Leonard Pitts jr.

Das Evangelium des reinen Hasses speien

08.09.2010
"Im Akt des Verbrennens ist etwas Primitives. Etwas, das den Verstand einer Eidechse anspricht."

Schon der Titel - im Original: "Spewing the gospel of unadulterated hate" - spiegelt die Abscheu des Autors Leonard Pitts Jr. vor den krausen Plänen einer öffentlichen Koranverbrennung in Florida wider. Momente seines Kommentars für "The Miami Herald" (ebenfalls Florida):

Pitts erinnert: Samstag, 9. September 2010, habe ein gewisser Terry Jones zum "Internationalen Tag der Koranverbrennung" ausgerufen. Jones ist Pastor des winzigen evangelikalen Dove World Outreach Center in Gainesville/Florida (laut "Washington Post" zählt die Glaubensgemeinde gerade mal 50 Mitglieder. Laut Lokalblatt "Gainesville Sun" ein "sektenähnlicher Verein", Anm.).

Pitts über die wilde Entschlossenheit des Zündlers: Jones betonte wiederholt, Exemplare des Koran zum Jahrestag des Terrors von 9/11 zu verbrennen; obwohl er natürlich keine behördliche Erlaubnis bekam; entgegen der Proteste von Muslimen wie von Christen; obwohl ihn seine halbe Glaubensgemeinde verlassen hat; obwohl es unweigerlich radikale Islamisten aufpeitschen wird; obwohl es US-Soldaten im Ausland gefährden wird. Er bleibt bei seinen Plänen und "schlägt vor, einer Tat aus Hass mit einer Tat aus Hass zu gedenken."

So degoutant die geplante Aktion auch sein mag, so wenig überraschend ist sie für Pitt: Sie enspreche schlicht einem immer weniger toleranten Zeitgeist. Weiters sieht Pitt Parallelen in der Geschichte: "Haben Menschen nicht schon oft Zuflucht im Feuer gesucht, um sich von etwas zu säubern, was sie fürchten und nicht verstehen? Die Nazis haben in den 1930er Jahren Bücher verbrannt, um gefährliche Ideen abzutöten. Weiße in den Südstaaten warfen in den 1950er Jahren Rock'n'Roll-Platten ins Feuer, um die kulturelle Rassenvermischung zu leugnen, die diese Musik bewies."

Pitts versucht zu verstehen, warum gerade das Feuer manchen Menschen Erleichterung verschafft: "Im Akt des Verbrennens ist etwas Primitives. Etwas, das den Verstand einer Eidechse anspricht." Einen Verstand, der keine Fähigkeit und auch keinen Wunsch habe, zu begründen, abstrakte Ideale oder Konzepte zu verstehen. Ein Verstand, der in Angst und in einer für ihn unverständlichen Welt lebt. Und der nichts unternimmt, um diese Angst loszuwerden.

"Der Prozess, Mensch zu werden, ist der, diesen Eidechsen-Verstand zu überwinden. Leider schaffen das manche nie", schließt Pitts resignierend.

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