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Reinhard Göweil

Asylum ignorantiae

08.09.2010
"Asylwerber werden vom Gesetz härter angefasst als jeder Wirtschaftskriminelle."

Entwürdigend, wie von der Politik mit Asylwerbern umgegangen wird, findet Chefredakteur Reinhard Göweil in der "Wiener Zeitung". Leider, wie er aufzeigt, nicht nur in Österreich:

Wenn Göweil von den jüngsten Verschärfungen im österreichischen Asylrecht hört, kann er sich nur noch wundern: "Asylwerber werden vom Gesetz härter angefasst als jeder Wirtschaftskriminelle." Ihm drängt sich die Frage auf, warum die Politik so große Angst vor diesen Menschen habe. Frauen, Männer und Kinder, die nicht einmal in großer Zahl nach Österreich kommen. Und wenn, dann um einen Zufluchtsort zu suchen.

Göweil jedoch sieht in der aus seiner Sicht politischen Verirrung keinen österreichischen Sonderfall. Die EU insgesamt, betont er nachdrücklich, meide das Thema tunlichst und reagiere - wie die Abschiebung der Roma aus Frankreich belege - mit Härte statt Würde. Schlechte Zeiten für Asylwerber - wie der Chefredakteur zeigen möchte - auf der ganzen Linie: Denn in Zeiten der Krise sei das Bedürfnis der Bürger nach Sicherheit größer denn je zuvor. Die rechtsnationalen Parteien quer durch alle EU-Staaten schlagen daraus Kapital. Göweil weiter: Die Lösungen der Regierungen wiederum gehen zu Lasten der Menschlichkeit. Dabei seien gerade sie es, die sich im Asyl befinden, so Göweil. Im Asyl der Unwissenheit nämlich, wie sein Titel - das lateinische "asylum ignorantiae" - übersetzt bedeutet.

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