Wenn der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Hofburg, der den Angaben von Wikipedia zufolge 21 Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften und andere akademische Verbindungen umfasst, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27.1.) stattfindet, birgt die Veranstaltung schon terminliche Brisanz.
Dass die Vorfälle bei den Kundgebungen mit mehreren Tausend Teilnehmern gegen die umstrittene Veranstaltung Heinz-Christian Strache veranlasst haben sollen, den Vergleich mit der Judenverfolgung im Dritten Reich zu bemühen (was er dementiert), schlägt nicht nur hohe Wellen, sondern hat auch erste Konsequenzen.
Bundespräsident Heinz Fischer verweigert dem FPÖ-Chef das "Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern". Strache selbst fühlt sich als "Opfer einer parteipolitisch motivierten Schlammschlacht", wie er Armin Wolf in der ZiB2 wissen ließ.
Zur Erinnerung, was hinter den Begriffen steckt, die in den vergangenen Tagen immer wieder zu lesen und zu hören waren.
Novemberpogrome bezeichnen die organisierten Gewaltaktionen des NS-Regimes vom 7. bis 13. November 1938. Diese erreichten ihren Höhepunkt in der Nacht des 9. auf den 10. November ("Reichspogromnacht" oder wenig korrekt "Kristallnacht"). Insgesamt wurden 400 Menschen ermordet. Mehr als 1.400 jüdische Einrichtungen, Friedhöfe und Geschäfte wurden zerstört. 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager deportiert.
Holocaust In den Konzentrationslagern des NS-Regimes wurden rund sechs Millionen Juden, Tausende Roma und Sinti, Homosexuelle, Behinderte, Widerstandskämpfer, Deserteure und politisch Andersdenkende ermordet. Die Durchführung der Deportationen und Massenmorde wurde im Rahmen der Wannseekonferenz geplant.
Wannseekonferenz Diese fand am 20. Jänner 1942 unter dem Vorsitz von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich statt, der im Jahr zuvor von Hermann Göring mit der Organisation der "Endlösung der Judenfrage" beauftragt worden war.
Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (auch Internationaler Holocaustgedenktag) Alljährlich am 27. Jänner wird der Opfer der NS-Verfolgung gedacht. An diesem Tag im Jahr 1945 wurden die Insassen im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit.
Zurück in die Gegenwart: Bei den Tumulten rund um die Hofburg am 27. Jänner 2012 wurden laut offiziellen Angaben neun Personen verletzt, davon fünf Beamte, drei Ballgäste und ein Demonstrant. Veranstalter Udo Guggenbichler spricht laut Angaben der APA von einem "demokratiepolitischen Skandal", da die reibungslose Zufahrt der Ballgäste zur Hofburg nicht gewährleistet gewesen sei.
Laut einem Bericht von Der Standard soll Ballgast Strache die Ereignisse mit den Sätzen "Das war wie eine Reichskristallnacht" und "Wir sind die neuen Juden" kommentiert haben. Der FPÖ-Chef hingegen spricht von "bewussten Verdrehungen".
Ute Rossbacher

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